Steirisches Kürbiskernöl: Rechtsstreit um China-Kerne

Professionelle Herkunftsfälschung, Bereicherung und Konsumententäuschung: Das wirft der Leiter einer Kontrollstelle steirischen Kürbiskernölbauern vor. Die Vorwürfe seien unwahr, würden für massiven wirtschaftlichen Schaden sorgen und gefährden den Ruf der Branche, kontern Vertreter der Kernölbauern.

Ölkürbis

Die Kernfrage der Ölkrise: Woher kommen die Kerne für das steirische Kürbiskernöl? (Bildquelle: )

Erst die Hagelunwetter der letzten Tage, nun Betrugsvorwürfe rund um die Herkunft: Die steirische Kürbiskern-Branche kommt aktuell vom sprichwörtlichen Regen in die Traufe.

So ist seit gestern Mittwoch das Wiener Landesgericht mit der Frage beschäftigt, ob Kürbiskerne aus China und Osteuropa als Steirisches Kürbiskernöl g.g.A. (geschützte geografische Angabe) vermarktet wurden. Wie die Tageszeitung Der Standard gestern auf seiner Homepage berichtete, hat Karl-Peter Pongratz, Leiter des Lebensmittelkontrolleurs SGS, den Stein ins Rollen gebracht. Er stieß laut Standard-Bericht bei den steirischen Landwirten im Zuge seiner Kontrollen aus seiner Sicht auf Ungereimtheiten und Missstände, die er auch den Behörden meldete. Der Verdacht: Fremde, billige Kerne würden in großem Stil beigemengt und gepresst werden – und ihr Öl dennoch exklusiv als Steirisches Kürbiskernöl g. g. A. zu entsprechend hohen Preisen vermarkten. Ein Produkt, für das es zudem auch Fördergeld gebe. Das bestehende Kontrollsystem sei nach Pongratz´ Erfahrung mangelhaft.

Kernölbauern wehren sich mit Gegenklage

Diese Anschuldigungen wies Andreas Cretnik, Geschäftsführer der Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl, am Mittwoch vor dem Wiener Landesgericht scharf zurück und erläuterte das vierstufige Kontrollsystem für die gut 2500 Kürbiskernproduzenten, darunter 30 Ölmühlen.
Der Verein hat Pongratz und die SGS auf Unterlassung geklagt. Die Vorwürfe seien unwahr, inkriminierend, ungeheuerlich. Sie sorgten für massiven wirtschaftlichen Schaden und gefährdeten den Ruf der Branche, so der Tenor der Gemeinschaft. Laut Cretnik habe die SGS zudem seit Mitte 2014 keinen Zertifizierungsvertrag mehr. Die steirische Kürbisbranche hat die Firma Lacon unter Vertrag, SGS Austria sei erst später dazugestoßen.

Der Hintergrund: Immer wieder würden Konsumentenschützer beklagen, dass Osteuropa und China kräftig beim schwarzen Gold mitmischen. Ab Jänner seien die steirischen Kerne slowenisch, ab März chinesisch, bemerken Marktkenner trocken.
Um die Spezialität zu retten, habe die EU den Steirern daher die geschützte geografische Angabe genehmigt: Öle, die eine grün-weiße Banderole mit fortlaufender Kontrollnummer tragen, verbindet die Garantie der regionalen Herkunft: Kürbisse dürfen nur in klar definierten Bezirken in der Steiermark, Niederösterreich und Burgenland angebaut werden. Die Ölmühlen müssen steirisch oder zumindest burgenländisch sein.

Der reibungslose Ablauf basiere auf Gutscheinen, die Bauern von der Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g. g. A. erhalten. Sie meldeten ihren Ernteertrag und dürften die entsprechende Menge des herkunftsgeschützten Öls verkaufen. Pongratz sehe darin ein Tor für Missbrauch: Zu viele Gutscheine seien im Umlauf. Bauern könnten damit günstige ausländische Öle und Fremdkerne zukaufen und als steirische vermarkten. Er hege den Verdacht, dass Produzenten teils weit höhere Erträge meldeten, als auf den Feldern seien. Bei der Differenz solle es um Tonnen gehen.


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