Tierärtzliche Versorgung

Tierärztekammer befürchtet Unterversorgung am Land

3.100 Tierärzte sind aktuell in Österreich aktiv. Rund ein Drittel davon in der Nutztierhaltung, die überwiegende Mehrheit arbeitet in Haus- und Kleintierpraxen. Die Tierärztekammer befürchtet aber eine Ausdünnung der Versorgung am Land. Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden bemängelt. Dabei wurden die TGD-Tarife um 13,5 % erhöht.

Der Tierarztberuf wird zunehmend weiblicher. Allerdings gehen immer weniger Veterinäre in die Großtierpraxis. (Bildquelle: Bayer)

So viele Tierärzte wie noch nie, trotzdem droht Nachwuchsmangel. Besonders in den ländlichen Regionen. So lautet das Fazit von Dr. Kurt Frühwirth, dem Präsidenten der Österreichischen Tierztekammer, über die „Veterinärmedizinischen Versorgung in Österreich“. Das Institut für Höhere Studien (IHS) hatte eine diesbezügliche Studie im Auftrag der Kammer, des Sozialministeriums und der VetMed Uni Wien erstellt.

Wandel des Tieraztberufes

Im Mittelpunkt der Studie steht die Ausbildung und Praxis von Veterinärmedizinern, wobei in der Untersuchung auch auf die (regionale) Versorgung im Allgemeinen und die Nutztierpraxis im Speziellen eingegangen wurde.

War der Beruf des Tierarztes bis in die 1990er Jahre männerdominiert, so ist der Frauenanteil in den letzten Jahren stark gestiegen. 2017 waren bereits 58% der Tierärzte Frauen und 80% der Absolventen des Diplomstudiums Veterinärmedizin sind Frauen. Tierärztinnen unter den Freiberuflern und im Nutztierbereich sind allerdings noch unterdurchschnittlich repräsentiert.

Von den jährlich etwa 150 Absolventen der Vetmeduni wird nur etwa die Hälfte als Tierarzt tätig. Beachtlich ist hier ein Anteil von 40% an Tierärzten, die nicht aus Österreich stammen.

Flächendeckende Versorgung bedroht?

Laut Studienergebnis wird im Nutztierbereich die aktuelle Versorgung von den Veterinärmedizinern in allen Bundesländern als eher unterversorgt eingeschätzt. Es ist nicht auszuschließen, dass es in manchen Spezialisierungsbereichen und schwer erreichbaren Gebieten Probleme mit der Versorgung geben wird. Schwierigkeiten zeigen sich außerdem besonders bei der Besetzung von Not- und Bereitschaftsdiensten.

Als Gründe dafür, so die Österreichischn Tierärztekammer, geben Tierärzte die mangelnde Attraktivität des Arbeitsplatzes an. „Sorge bereiten unserem Berufsstand die anstehende Pensionierungswelle und damit auch insbesondere die Schwierigkeiten, Veterinäre in ländlichen und infrastrukturschwachen Regionen zu rekrutieren. Den Umfragedaten zufolge ist im Nutztierbereich aufgrund des relativ hohen Alters vieler NutztierpraktikerInnen in den nächsten 5 bis 10 Jahren mit einer hohen Anzahl an Pensionierungen zu rechnen“, so Frühwirth.

Auch werde die Nutztierpraxis oft aufgrund der ständigen Erreichbarkeit, Einsatzbereitschaft und schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, unter Tierärzen mehr als „Lebensform“ und nicht als Beruf beschrieben. Doch der Wandel und Paradigmenwechsel in der Einstellung der Tierärzte sei spürbar.

Wünsche nach mehr öffentlicher Unterstützung

Die Tierärztekammer wünscht sich schon länger eine Attraktivierung des Berufsstandes Tierarzt. Dabei sei auch die öffentliche Hand gefordert, um die Veterinär-Versorgung weiter flächendeckend zu gewährleisten. So regte die Tierztekammer u.a. die Teilanstellung(smöglichkeit) von Tierärzten für die Zeit der Beauftragung als Schlachttier- und Fleischbeschauorgan an. Eine solche sozialrechtliche Absicherung kann sich auch Österreichs oberster Staatsveterinär im Sozialministerium, Dr. Ulrich Herzog, durchaus vorstellen.

Überhaupt seien im Lebensmittel- und Veterinärbereich diverse EU-Anpassungen dringend nötig. Durch die momentane Übergangsregierung und den Neuwahlen ist defacto aber mit einem Stillstand von einem guten Jahr zu rechnen.

Neue TGD-Tarife bereits seit 1. April gültig!

Positiv gesehen wird von der Tierärztekammer die erfolgte Anhebung der TGD-Tarife, wiewohl diese Kammerpräsident Frühwirth nur als „längst fällige Valorisierung“ bezeichnet.

Die neue Tarifvereinbarung im TGD wurde kürzlich von der Tierärztekammer mit der Landwirtschaftkammer abgeschlossen. Die wesentlichen Punkte dabei sind:

  • Anhebung der TGD-Tarife der TGD-Vereinbarung aus 2012 um 13,5%.
  • Der TGD-Stundentarif wird mit 107 € (bisher 94,12 €) festgelegt.
  • Die neuen Tarife gelten mit 1. April 2019 und werden alle vier Jahre evaluiert.
  • Künftig werden die TGD-Tarife automatisch erhöht. Dabei kommt ein Mischindex aus VPI (Verbraucherpeisindex) und API (Agrarpreisindex) zur Anwendung.

Artikel geschrieben von

Leopold Th. Spanring

Redakteur

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