Höfesterben

UBV: Ausstieg von 2/3 der Milchbauern droht

Den aktuellen Bauernmilchpreis von rund 36 Ct/kg erachtet der Unabhängige Bauernverband (UBV) als Desaster für die Milchbauern. Kommen nicht neue Spielregeln samt echter Entlohnung auch für erbrachte Gratis-Leistungen, wird ein starkes Höfesterben erwartet.

Ohne echter Abdeckung der Bauernleistungen sieht UBV-Bundesobmann und LKOÖ-Kammerrat Karl Keplinger vor allem für die Milchbauern eine dramatische Zukunft. Mehrfachfunktionen von Bauernvertretern stünden zudem "einer echten und ehrlichen Vertretung der brennenden Bauernprobleme stark im Wege". (Bildquelle: Werkbild)

"Ein Erzeugermilchpreis unter 50 Cent ist ein Desaster für jeden Milchbauern. Weil die Spielregeln am Markt nicht passen, ist das so. Würde es andere Spielregeln geben, wäre auch der Erzeugermilchpreis eher auf dem Niveau, welches die Erzeuger benötigen!", heißt es in der aktuellen Aussendung des UBV.

Daher brauche es laut dem UBV neue Wege in der Agrarpolitik und keine jammernden Bauernfunktionäre, die mit Monatsgagen von gesamt 15.000 bis 20.000 € den Bauern erklären wollen, was sie alles tun müssten, damit sie einen besseren Ertrag hätten.

Auf Nachfrage bei UBV-Frontmann Karl Keplinger, wer damit gemeint sei, nannte dieser die "Kammerpräsidentin und den Agrarlandesrat als oberösterreichische Beispiele". Diese kämen mit ihren diversen Mehrfachfunktionen auf so hohe Entlohnungen, aber die von diesen zu vertretenden Bauerninteressen würden dabei auf der Strecke bleiben.

Gegenüber top agrar führt Keplinger vor allem die unterschiedlichen Abstimmungen der LKOÖ-Präsidentin in der Kammervollversammlung sowie als ÖVP-Landtagsabgeordnete im OÖ-Landtag an. Aber es gehe ihm nicht um die die formalen Gehaltshöhen der Bauernpolitiker, so Keplinger: "Mich regt vor allem auf, dass von diesen Herrschaften – je nachdem welchen politischen Hut sie gerade auf haben oder von welchem politischen Posten aus sie gerade sprechen – die wirklichen Bauerninterressen beinhart geopfert werden."

Kaufkraftverlust seit dem EU-Beitritt

Ohne neue Spielregeln wird es in spätestens zehn Jahren daher vielleicht nur noch 1/3 der derzeit aktiven Milchbauern in Österreich geben, befürchtet der UBV.

Vor dem EU-Beitritt konnte man sich für 1 l verkaufte Milch noch drei Wurstsemmeln kaufen. Heute gibt es für einen verkauften Liter Milch genau zwei bis drei Bissen von einer Wurstsemmel. Während der Bauernmilchpreis von 7,20 ATS (0,53 €) auf unter 5 ATS (0,36 €) abstürzte, sind die Produktionskosten um das Drei- bis Vierfache gestiegen. Sohin müssen die Land- und Forstwirte seit Jahrzehnten von der Substanz der Betriebe leben.

Echte Entlohnung für Bauernleistungen nötig

Der UBV fordert daher neben echten neuen Spielregeln – bei der GAP und am Markt – die konkrete Abgeltung der von Bauern erbrachten Leistungen je Hektar. Diese Leistungen werden derzeit von den Land- und Forstwirten oft gratis bereitgestellt bzw. die Kulturlandschaften gratis gepflegt.

Für eine neue Entlohnung für die gesellschaftspolitisch erwünschten Umweltleistungen legte der UBV bereits vor Monaten eine neue Berechnungsformel vor (siehe Infokasten).


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