Rindleischmarkt

UBV fordert Importstopp bei Lebendrindern

Nach der Alarmmeldung der ARGE Rind wegen der desaströsen Markt- und Preislage beim Rindfleisch meldet sich der Unabhängige Bauernverband (UBV) zu Wort. Angesichts der Corona-Krise könnte die ohnedies europaweit zurückgehende Rindfleischproduktion einen zusätzlichen Abschwung erfahren.

Anfang der Woche schrie die ARGE Rind Alarm. Nun bedauert UBV-Bundesobmann ÖR Karl Keplinger in einer Stellungnahme, "dass der unnötige Import von Schlachtrindern aus den osteuropäischen Ländern weiterhin funktioniert". Da aber "der Export von heimischen Rindern faktisch zum Erliegen gekommen" ist, fordert der Kammerrat und praktizierende Rinderbauer "einen Importstopp von lebenden Schlachtrindern, um den heimischen Markt zu entlasten."

EU-Rindfleischproduktion weiter im Sinken

2019 ist in der EU die Nettoproduktion an Rind- und Kalbfleisch im Vergleich zu 2018 um rund 2% auf 7,84 Mio. t zurückgegangen. Das Minus in der Tonnage lag bei rund 1%, da die Tiere immer schwerer zur Schlachtung kommen. Heuer dürfte ein weiterer Rückgang auf 7,68 Mio. t und 2021 eine Verringerung auf 7,49 Mio. t erfolgen. Dies teilte die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn unter Berufung auf Zahlen des Prognoseausschusses Rindfleisch in der EU-Kommission mit.

Insbesonder leide der Rindfleischkonsum in etlichen Ländern der EU, insbesondere in Westeuropa. Faschiertes erfreut sich dagegen einer zunehmenden Beliebtheit. Beim gesamten Rindfleischkonsum gibt es große Unterschiede in der EU. Neben einem hohen Pro-Kopf-Verbrauch in Irland (24 kg), Dänemark (23 kg), Frankreich (22 kg), Italien (21 kg), Schweden (20 kg) und dem Vereinigten Königreich (17 kg) kommt Rindfleisch in Osteuropa nur selten auf den Speiseplan. In Polen und Ungarn liegt der Verbrauch nur bei 3 bis 4 kg.

Einen negativen Einfluss auf den Rindfleischkonsum üben seit 2019 auch die im Zusammenhang mit der von der "Fridays for Future"-Bewegung aufgeflammten Diskussionen um Klimawandel, Nachhaltigkeit und Fleischverzicht aus. Rinder werden wegen des Methanausstoßes mit für den Klimawandel verantwortlich gemacht, auch wenn der Anteil nur 1 bis 2% an den Treibhausemissionen ausmacht. Zweites Topthema ist in vielen Ländern der EU das Tierwohl, machen die AMI-Experten als weiteren Grund für die fallende Nachfrage nach Rindfleisch mitvernatwortlich.

Coronakrise bringt große Unsicherheiten

Zu all diesen Einflüssen kommt jetzt die Corona-Krise als Unsicherheitsfaktor dazu. Laut AMI könne derzeit aber niemand genau sagen, wie lange uns diese Pandemie in Schach hält und die Wirtschaft belastet. Die groß ausgelegten flächendeckenden Quarantänen treffen besonders hart den Catering-Sekto als auch die stationäre Gastronomie und den Tourismus.

Aktuell stocken die Warenströme von hochwertigen Kalbinnen und Kühen nach Italien, Frankreich und Spanien. Zusätzlich fehlt in vielen Schlacht- und Zerlegebetrieben osteuropäisches Fremdpersonal aus Quarantänegründen. "Daher wird aktuell nur noch das Allernötigste geschlachtet. Tagesschlachtungen werden gestrichen, die Preise fallen", beschreibt die AMI die aktuelle Situation. Die Hoffnung sei, dass sich in zwei bis drei Monaten die Lage wieder beruhigt und das Leben und der Konsum zur Normalität zurückkehren.