Österreichweite Demos

Über 3000 Bauern vorm Spar

Etwa 3.300 Bauern mit rund 1.500 Traktoren verliehen heute vor Sparauslieferungslagern bzw. -märkten in fünf Bundesländern ihrer Forderung nach höheren Erzeugerpreisen Nachdruck. Wir waren in St. Pölten dabei und fassen einige Aussagen der Demo zusammen.

In St. Pölten demonstrierten heute rund 800 Bäuerinnen und Bauern mit ca. 200 Traktoren für bessere Preise. (Bildquelle: Altmann)

"Wir stehen heute vor den Spar-Zentralen, weil sich diese Handelskette trotz unserer Bemühungen im Vorfeld dem Vernehmen nach bei den Verhandlungen im Milchsektor gegen die Bauernfamilien entschieden hat und sich gleichzeitig mehr Dankbarkeit erwartet, wie uns in Tageszeitungen am Wochenende ausgerichtet wurde", sagte Strasser vor den rund 800 anwesenden Bäuerinnen und Bauern in St. Pölten. "Das ist unehrlich und unfair, vor allem dann, wenn man im selben Atemzug einen Konzerngewinn von 352 Mio. Euro allein in einem Jahr präsentiert. Die Proteste sind somit ein Signal gegen die unsägliche Preispolitik."

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Georg Strasser: "Mehr Leistung und mehr Fleiß für weniger Geld geht sich nicht aus. Das bekommen wir Bauern und jetzt auch die Lebensmittel verarbeitenden Unternehmen zu spüren. Wir fordern deshalb einen Stopp der 'chronischen Aktionitis' bei heimischen Lebensmitteln. (Bildquelle: Altmann)

Weiters erklärte Strasser, dass Spar im Jahr 2019 eine Marge von 3,32 % gehabt hätte. "Bei den Molkereien betrug diese im letzten Jahr dagegen mit 0,35 % gerade mal ein Zehntel davon. Das kann doch nicht sein, da läuft etwas schief", meinte der Bauernbund-Chef.

Weiters kritisiert Strasser, dass bei Spar im Gegensatz zu den anderen Handelsketten ein Entgegenkommen bei den Preisverhandlungen ausgeblieben ist. Zudem benehme sich der Handelsriese "wie ein Feudalherr" den Bauern gegenüber.

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Organisator Paul Nemecek freute sich über die große Beteiligung unter den Bauern. "Es sind alle Sparten der Landwirtschaft aus allen Teilen Niederösterreichs vertreten. Das hätte ich vorher nicht für möglich gehalten." (Bildquelle: Altmann)

Und Strasser stößt zudem eine Reaktion von Drexel auf die Proteste der Bauern sauer auf. "Drexel fordert darin die Politik auf, den Strukturwandel voranzutreiben." So jedenfalls interpretiere er die Aussage, wonach die Landwirtschaft generell ein großes strukurelles Problem habe, das die Politik lösen sollte.

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Auch der MGN Geschäftsführer mischte sich in St. Pölten unter die Demonstranten. "Mir geht es darum aufzuzeigen, dass man so nicht mit Bauern umgehen kann. Mit anderen Handelsketten sind wir uns einig, nur mit Spar geht nichts weiter", so Leopold Gruber Doberer. (Bildquelle: Altmann)

Drei Forderungen des Bauernbundes

In St. Pölten übergaben Bauernbundpräsident Strasser und NÖ Bauernbunddirektor Paul Nemecek ein Forderungspapier an Spar-Geschäftsführer Alois Huber. Darin geht es um den Stopp der 'chronischen Aktionitis', denn die "Rabattschlachten bei Lebensmitteln gehen auf Kosten unserer Bauern", so Strasser.

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Am Ende übergaben Strasser und Nemecek dem Spargeschäftsführer Alois Huber das Forderungspapier. (Bildquelle: Altmann)

Weiters fordert der Bauernbund einen Österreichbonus auf heimische Lebensmittel. Damit solle der österreichischen Vorreiterrolle beim Umwelt- und Tierschutz mehr Wertschätzung entgegengebracht werden. Und drittens "muss Schluss sein mit Österreich-Fähnchen auf ausländischen Lebensmitteln", erklärte der Bauernbund-Präsident. Man brauche eine praxistaugliche Umsetzung der Durchführungsverordnung für Primärzutaten.

UBV: "Verspäteter Faschingsscherz"

Kritik kommt von anderen Organisationen bzw. Parteien. So ortet der UBV in der Aktion des Bauernbundes einen verspäteten Faschingsscherz. "Am 1. März ist die LK Wahl in Niederösterreich! Der Bauernbund fürchtet um seine Vormachtstellung. Der Bauernbund spielt auf empört und macht mit einer Traktorendemonstration bei Spar-Märkten am Aschermittwoch einen verspäteten Faschingsscherz", so UBV-Obmann Karl Keplinger. "Mit dieser Aktion will man Wähler bei der Kammerwahl in NÖ für den Bauernbund mobilisieren.

Muhr: "Plötzlicher Sinneswandel der ÖVP"

Der Landesobmann der Freiheitlichen und Unabhängigen Bauernschaft in Kärnten, LK-Vizepräsident Manfred Muhr erkärt in einer Aussendung: "Grundsätzlich sind Bauern-Demonstrationen gegen die Marktmacht der Handelskonzerne zu unterstützen. Der Sinneswandel des ÖVP-Bauernbundes mutet momentan jedoch schon seltsam an. Vor einigen Jahren wurden solche Demonstrationen noch als Maßnahmen auf 'Gewerkschaftsniveau' vom ÖVP-Bauernbund abgetan. Der Markt mache die Preise, nicht die Politik, so der schwarze Bauernbund."

IG Milch: "Bauernbund macht politische Kehrtwende"

Und der IG-Milch-Obmann Ewald Grünzweil meint in einer Aussendung: "Mit Erstaunen sehen wir eine vollkommene Neuausrichtung der Bauernbundpolitik. Als wir vor 15 Jahren mit Protestaktionen gegen Dumpingpreise vorgingen, war der Kommentar des damaligen Bauernbundpräsidenten Fritz Grillitsch: ‚Begeben uns nicht auf Gewerkschaftsniveau‘. Als wir als IG-Milch Mindestpreise für Trinkmilch durchsetzen wollten, meinte der Bauernbund dazu, dass die Politik keine Preise mache, sondern nur der Markt. So bleibt es nur zu hoffen, dass diese Aktion nicht vor dem Hintergrund der Landwirtschaftskammerwahlen eine Ablenkung von den wahren Problemen der bäuerlichen Betriebe ist.“

Hier ein Kurzvideo zu den Protesten in Nieder- und Oberösterreich:

Noch einige weitere Bilder der Veranstaltung in St. Pölten:

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Mit vielen Plakaten machten die anwesenden Bäuerinnen und Bauern auf die prekäre Situatioon aufmerksam. (Bildquelle: Altmann)

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Strasser und Nemecek mit dem Motto der Veranstaltung. (Bildquelle: Altmann)

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Ein regelrechtes Plakatmehr bot sich dem Beobachter. (Bildquelle: Altmann)

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Aus allen Teilen Niederösterreich waren Bauern gekommen. (Bildquelle: Altmann)

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Vom kleinen Steyr bis hin zum großen Fendt: Über 200 Traktoren fuhren heute vor der Sparzentrale in St. Pölten vor. (Bildquelle: Altmann)


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