Veganer retten nicht das Klima

Der IPCC-Bericht mahnt Fleischverzicht zur Klimarettung ein. Doch die Klimasünder finden sich ganz wo anders.

Die Landwirtschaft nimmt mehr CO2 auf als sie verursacht, so Oberösterreich LK-Präsidentin Michaela Langer-Weninger. (Bildquelle: LK OÖ)

Ein neuer Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) unterstreicht die Bedeutung der Landnutzung, der Ressourcenverschwendung, aber auch unserer Ernährungsgewohnheiten für das KIima und gibt dazu mitunter zweifelhafte Handlungsempfehlungen. „Es ist schon fast ein Stereotyp, wenn man meint, dass zur Rettung des Weltklimas nur der Verzicht auf (Rind)fleisch und eine möglichst vegetarische – besser schon vegane – Ernährung hilft.

Dass nun der Weltklimarat in die gleiche Kerbe schlägt und dies als Schlüssel zur Klimarettung präsentiert, ist gelinde gesagt einseitig und einfallslos“, meint LK Oberösterreich Präsidentin Michaela Langer-Weninger. Denn die Land-Ökosysteme emittieren nicht nur, sondern absorbieren auch fast ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen aus der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Industrie. In Österreich konnten zudem die Emissionen von Treibhausgasen aus der Landwirtschaft zuletzt um 1,2 Prozent gesenkt werden.

Fakten anstatt Landwirtschafts-„Bashing“ gefordert

„Es ist nicht akzeptabel, dass die Landwirtschaft, die ohnehin unter dem Klimawandel am allermeisten leidet und auch Einkommensausfälle zu verzeichnen hat, als Klimasünder Nummer 1 abgestempelt wird, während andere Sektoren ungeschoren davonkommen“, betont Präsidentin Michaela Langer-Weninger.

Kein Wort über den täglichen Wahnsinn des Flugverkehrs, der Prognosen zufolge noch dramatisch ansteigen wird. Die Billigairlines machen es möglich, dass jeder und jede von uns auch entfernte Destinationen zum Schnäppchenpreis ansteuern kann. Keine Rede davon, dass Kreuzfahrtschiffe pro Stunde bis zu fünf Tonnen minderwertigen Treibstoff verheizen. Kreuzfahrten sind übrigens die am schnellsten wachsende Sparte des internationalen Tourismus.

Es findet sich auch keine Kritik am weiterwachsenden Individualverkehr und Massentransport per LKW, der jedenfalls in Österreich der Sargnagel der Treibhausgasbilanz ist und der das Leben der Menschen an den Transitrouten immer unerträglicher macht. Und hat schon einmal jemand berechnet, dass der dramatisch steigende Online-Handel millionenfache Paketzustellung (per LKW) notwendig macht, der wiederum zusätzliche Treibhausgase nach sich zieht? Es scheint, man ist beim IPCC zu feige, um die Konsumenten auf diese unangenehmen Wahrheiten hinzuweisen.

Landwirtschaft speichert mehr CO2 als sie verursacht

Der Sonderbericht des Weltklimarates IPCC zeigt auf, dass der Landnutzungssektor für den Zeitraum von 2007 bis 2016 einen Speicher von weltweit 5 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr darstellt. Das bedeutet, dass Landwirtschaft, Forstwirtschaft und die sonstige Landnutzung in den letzten zehn Jahren auf globaler Ebene jährlich deutlich mehr CO2 aufgenommen haben als aus dem Sektor emittiert wurden. Diese Senkungswirkung kann sogar die kontinuierliche Steigerung der CO2-Emissionen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe teilweise kompensieren.

Ohne Rinder kein Grünland, keine Kulturlandschaft

„Selbstverständlich müssen wir alle zur Klimarettung an einem Strang ziehen. Kein Wirtschaftszweig, weder die Politik noch die Konsumentinnen und Konsumenten sind davon ausgenommen. Ich verwehre mich aber dagegen, die Land- und Forstwirtschaft pauschal als Klimasünder darzustellen. Im Gegenteil: Die Land- und Forstwirtschaft leistet einen gewichtigen Beitrag zum Klimaschutz, nämlich mit auf den jeweiligen Naturraum optimal abgestimmten, nachhaltigen Bewirtschaftungskonzepten. Ohne eine effektive Grünlandbewirtschaftung mit Wiederkäuern wie Kühen, Schafen und Ziegen ist es nicht möglich, die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen. Tierhaltung ist auch für das Offenhalten von Flächen und den Erhalt der Kulturlandschaft unverzichtbar“, betont Langer-Weninger.

Wer, wenn nicht die Wiederkäuer sollen das Grünland verwerten? Immerhin sind die Wiederkäuer kein Nahrungskonkurrent, denn nur sie können Gras als Futter verwerten. Wir Menschen würden sogar angesichts üppigster Wiesen jämmerlich verhungern. Österreichs Landwirtschaft hat durch verschiedene Maßnahmen – unter anderem durch eine Reduktion des Rinderbestandes – die Emissionen in den letzten Jahren massiv gesenkt – die LK OÖ hat am 30. Juli in einer Aussendung darüber berichtet.

Konsumenten beeinflussen Klima mit ihrem Griff ins Regal

Man kann es als gesellschaftlichen Trend abtun oder bekritteln, dass in den entwickelten Ländern der Fleischkonsum (zu) hoch ist. In den Entwicklungs- und Schwellenländern wird der Fleischkonsum aber noch steigen. Steigt das Einkommen der Menschen und verbessern sich die Lebensumstände, was diesen Ländern durchaus zu wünschen ist, ändern sich auch die Ernährungsgewohnheiten und steht auch häufiger Fleisch auf dem Speiseplan. Letztlich bleibt dies eine Frage der Verfügbarkeit, der finanziellen Möglichkeiten aber auch des individuellen Geschmacks bzw. der Konsumentscheidung.

„Natürlich sind auch die Konsumentinnen und Konsumenten in der Pflicht, den Klimawandel durch ihr eigenes Handeln zu bremsen. Der Einkauf von saisonalen Lebensmitteln, idealerweise aus der Region, verhindert lange Transporte um den gesamten Globus. In diesem Lichte sind auch Handelsabkommen wie Mercosur oder der EU/USA-Rindfleischdeal hinsichtlich ihres ökologischen Fußabdrucks bzw. ihrer Klimawirksamkeit kritisch zu überprüfen“, so Langer-Weninger abschließend.

Artikel geschrieben von

Beate Kraml

Redaktion

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