Lebensmittel

Veggie-Hersteller wollen Milchbegriffe nutzen

Als Milch, Butter oder Joghurt dürfen bisher nur Produkte von der Kuh oder anderen Tieren bezeichnet werden. NGOs und große Produzenten veganer Lebensmittel fordern in einem gemeinsamen Schreiben an die EU-Parlamentarier, das zu ändern. Der EU-Milchverband zeigt sich empört.

Pflanzliche Milchersatzprodukte sollen nach den Wünschen von Unilever, Nestle und Co bald Begriffe wie Butter, Milch und Jogurt verwenden dürfen. (Bildquelle: screenshot/pro-ahimsa)

Mit der zunehmenden Nachfrage nach veganen Erzeugnissen, wie Hafer- und Sojamilch, fordern zahlreiche Hersteller derartiger pflanzlicher Alternativen mehr Möglichkeiten zur Verwendung der Bezeichnungen wie etwa Milch und Butter. Die Beschränkung dieser Begriffe auf tierische Erzeugnisse sei unangemessen in Zeiten des Klimawandels und veränderter Verzehrgewohnheiten, betonen die Unterzeichner, die zumeist Verbände und Hersteller von veganen Lebensmitteln sind, in einem Brief an die Europaabgeordneten. Zudem fordern sie die Aufweichung des Bezeichnungsschutzes für Milchprodukte.

Bezeichnungsschutz vom EuGH 2017 bestätigt

Der Bezeichnungsschutz für originäre Mopro gründet sich auf den Codex Alimentarius und ist seit über 30 Jahren im EU-Recht verankert. Der EuGH hat den Bezeichnungsschutz am 14. Juni 2017 mit einem Urteil (ECJ C422/16, ‘Tofu-Butter’) bestätigt und im Effekt sogar noch strenger als in der vorherigen Rechtspraxis interpretiert.

Das EU-Parlament stimmt Mitte Oktober im Zuge der Umsetzung der Farm-to-Fork-Strategie über eine Reform der Agrarmarktordnung ab, die unter anderem den Schutz von Bezeichnungen wie Milch, Käse, Joghurt, Butter oder Molke exklusiv für originäre Milcherzeugnisse fortschreiben soll.

EU-Milchverband kritisiert Mitunterzeichner Nestle

Auch das Logo des Lebensmittelkonzerns Nestlé prangt neben dem von Unilever über dem Brief. Nestlé gehört neben seiner Veggie-Schiene auch zu den größten Verarbeitern von Kuhmilch in der EU. Das sorgt wiederum beim EU-Verband der Milchindustrie (European Dairy Association) für Empörung.

Die Forderung von Nestlé sei unangemessen und passe nicht zum heutigen Klima, kritisiert EDA-Generaldirektor Alexander Anton "Als Zugehöriger von Nestlé schäme ich mich, das Logo unter dem Brief zu sehen", führte Anton aus. Die Beschränkung der Begriffe Milch, Butter oder Joghurt auf ihren tierischen Ursprung habe sich seit 30 Jahren bewährt. Vom Codex Alimentarius der Welthandelsorganisation (WTO) würden diese Begriffe geschützt und der Europäische Gerichtshof habe dies kürzlich noch einmal bestätigt. Deshalb dürfe es keine Ausdehnung auf pflanzliche Erzeugnisse geben, fordert der EDA-Generaldirektor.


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