Lohnunternehmertag 2020

Volles Haus am Red Bull Ring bei "10 Jahre VLÖ"

Der Verband der Lohnunternehmer Österreichs (VLÖ) wächst weiter. Inzwischen sind 244 Mitglieder in dem Verband dabei. Die meisten davon mit 72 in Niederösterreich/Wien, gefolgt von Oberösterreich (66), Steiermark (38) und Tirol (18). Über diese für den Verband erfreulichen Zahlen berichtete Geschäftsführer Helmut Scherzer beim Lohnunternehmertag 2020 am Red Bull Ring in Spielberg. Zudem hielt Hannes Royer einen spannenden Vortrag zum Thema, wie Bauern auf Konsumenten zugehen sollten.

Red Bull

Mit dem Red Bull Ring hat sich der VLÖ für seine Festveranstaltung eine tolle Location ausgesucht. (Bildquelle: Krone Austria/Lucas Pripfl)

Hauptanlass der Festveranstaltung war das Jubiläum des VLÖ "10 Jahre" - davon 5 Jahre als eigenständiger Verband. Scherzer und Vorsitzender Manfred Humer hielten Rückblick und Ausblick in die Zukunft. Humer erklärte zu Beginn, dass der Verband anfangs viel Risiko übernommen habe, um auf die Beine zu kommen. In Projektgesprächen 2008 bis 2010 seien dann mit vielen Partnern aus der Branche die Pfeiler für den Start des VLÖ eingeschlagen worden.

Karte

Die Zahl der VLÖ-Mitglieder ist auch im Jahr 2019 wieder gewachsen. Inzwischen sind bereits 244 Unternehmen dabei. (Bildquelle: Scherzer/VLÖ)

Worauf erfolgreiche Betriebe achten sollten

Von 2010 bis 2014 habe es zunächst eine Zusammenarbeit mit dem Maschinenring gegeben. Seitdem arbeite der Verband vollkommen selbstständig. "Inzwischen sind wir ein anerkannter und geschätzter Branchenverband", betonte GF Scherzer in seinem Leistungsbericht. Die Handlungsfelder für die Zukunft skizzierte Scherzer mit sieben Schlaglichtern:

  1. Die Lohnunternehmen müssen professionell geführte Unternehmen sein,
  2. in den Prozessen liegt das Geld, d.h. die eingesetzten Arbeitszeiten müssen in Nebenzeiten (Maschinen-Check, Rüstzeiten, Anfahrten, Wartung etc.), Hauptzeiten (effektvie Arbeitsverrichtung) und Störzeiten (technische Störung, Wartezeiten etc.) aufgeteilt werden,
  3. Zukunftsperspektive für die Mitarbeiter, d.h. vernünftige Entlohnung, qualifiziertes Personal, motivierte Mitarbieter,
  4. Kundenservice wichtig (Beratung der Kunden, Mehrwert für den Kunden),
  5. Dienstleistungen differenzieren (Image als Anbieter entwickeln),
  6. Technischen Ausstattung muss stimmen (gute Investitionsentscheidungen treffen, optimaler Werkstätten-/Service-Betrieb),
  7. Prozessorientierte Preisgestaltung (Tagesumsatz zur Deckung der Grundkosten, Empfehlung Kombipreise, sprich Leistungspreis für Leistungseinheit, Regiepreis für Antriebseinheit und Fahrer).

Scherzer

Geschäftsführer Helmut Scherzer: "Der VLÖ ist inzwischen ein anerkannter und geschätzter Branchenverband." (Bildquelle: Altmann)

Laut Scherzer gewinnen in der Arbeit des VLÖ die Themen Straßenverkehr, Güterverkehr und auch das Steuerrecht immer mehr an Bedeutung. Darauf werde er sich in seiner künftigen Arbeit als GF noch stärker konzentrieren. Seine abschließende Botschaft an die rund 250 anwesenden Mitglieder und Gäste: "Wir müssen uns als VLÖ als Spezialist von anderen differenzieren."

Mehr Wertschätzung erreicht man nur mit Kommunikation

Begleitet wurde die Festveranstaltung von interessanten Vorträgen. Herausgehoben sei hier der Vortrag von Hannes Royer (Land schafft Leben) zum Thema "Miteinander Reden - Kommunikation als Basis für mehr Wertschätzung".

Einleitend erklärte der LsL-Obmann, warum er sich 2014 entschlossen hat, den "Konsumenten zu zeigen, wie in Österreich Lebensmittel produziert werden, wie die Produktion vor Ort beim Bauern erfolgt, wie die Verarbeitung funktioniert und wie das fertige Produkt schließlich im Lebensmittelhandel landet".

Royer

Hannes Royer zeigte auf, dass "die Konsumenten nicht bewusst, sondern meist nur nach dem billigsten Preis einkaufen." Darauf müsse die Landwirtschaft reagieren. (Bildquelle: Altmann)

Der auf einem Bergbauernhof in Rohrmoos aufgewachsene Royer war nach seiner landwirtschaftlichen Ausbildung und dem Abschluss als Zimmerer 18 Jahre lang beim MR Dachstein-Tauern als GF tätig. Gleichzeitig bewirtschaftetet er gemeinsam mit der Familie den Betrieb daheim mit 70 Stück Rindern (Kalbinnenaufzucht), Urlaub am Bauernhof und Direktvermarktung. Und letztere war es auch, die Royer zur Gründung des Vereines LsL inspirierte.

"Gier nach den billigsten Lebensmitteln"

Zur Ski-WM 2013 in Schladming dachte sich der Landwirt, dass dies das richtige Ereignis sei, um ein Direktvermarktungs-Geschäft im Ort zu eröffnen, um Konsumenten bäuerliche Produkte aus der Region anzubieten. Die Idee ging auf - inzwischen betreibt Royer drei Geschäfte, wie er den Besuchern in Spielberg erzählte. Durch diese Schiene "ist mir damals erst richtig bewusst geworden, wie die Leute über Lebensmittel denken und wie wenig sie darüber wissen. Das einzige Kaufkriterium ist der Preis. Es ist überhaupt kein Verständnis dafür vorhanden, wie die Landwirtschaft funktioniert."

Deshalb hat er 2014 den Verein Land schafft Leben gegründet. Inzwischen sind hier 14 hauptberufliche Mitarbeiter österreichischen Lebensmitteln auf der Spur. "Bei knapp 500 Bauern haben wir bereits Videos über verschiedene Produkte gedreht", so Royer. "Aber auch in die Verarbeitung und den Handel gehen wir."

Dem Obmann ist es aber nicht nur ein Anliegen, die Konsumenten über die Erzeugung und Verarbeitung der Lebensmittel zu informieren, um sie letztlich zu einem bewussteren Einkauf zu animieren. Sondern ihm ist es auch genauso wichtig, dass sich die Landwirtschaft damit auseinandersetzt, "wie die Konsumenten ticken. Bei den meisten Bauern ist es nämlich nicht weit her damit."

Jeder Landwirt oder auch Lohnunternehmer müsse sich darüber bewusst sein, dass er nicht nicht kommunizieren könne. "Wir lösen mit unserem Handeln beim Konsumenten immer etwas aus, was uns nicht bewusst ist." Befragungen zeigen laut Royer, dass viele Konsumenten einen Grant auf die Landwirtschaft entwickeln und ihr deshalb nichts mehr zukommen lassen wollen.

Mia san Mia-Mentalität ist vorbei

Royer mahnte die Anwesenden eindringlich: "Die Mia san Mia-Mentalität ist vorbei! Wir müssen hin zu partnerschaftlichen Beziehungen zu den Konsumenten kommen. Denn ob wir hier produzieren oder nicht, spielt im Regal keine Rolle!" Die Landwirtschaft müsse in der Kommunikation mit den Verbrauchern noch viel dazulernen. Egal, welche Arbeiten Ihr erledigt, Ihr müsst Euch darüber bewusst sein, dass Ihr immer unter Beobachtung steht."

Der LsL-Obmann, der nach wie vor Tätigkeiten im Maschinenring erledigt, wie z.B. Winterdienst, erläuterte den Anwesenden, was er in diesem Bereich unternommen hat. Da es ihn selbst immer nervt, wenn die großen Traktoren mit 40 und mehr km/h durch die Ortschaften fahren, lautet seine "Maxime, in Ortschaften nie schneller als 25 km/h und darüber hinaus rücksichtsvoll zu fahren", so Royer.

Humer

Manfred Humer wurde in Spielberg mit klarer Mehrheit der Stimmberechtigten erneut zum Obmann des Österreichischen Lohnunternhmerverbandes gewählt. (Bildquelle: Altmann)

Daran müssten sich alle seine Fahrer ausnahmslos halten. Außerdem hat er eine Whatsapp-Gruppe im Ort gegründet, in der alle Bewohner erfahren, "wann wir was machen. Dadurch merken sie, dass wir sie ernst nehmen. Im Gegenzug erfahren wir die entsprechende Wertschätzung für unsere Arbeit." Aus diesem Grund ermunterte Royer die Anwesenden: "Man muss immer bei sich selbst anfangen!"

Manfred Humer als Obmann bestätigt

Bei den Neuwahlen wurden Manfred Humer als Obmann und Peter Kircher als Obmann-Stellvertreter bestätigt. Der neue Vorstand setzt sich darüber hinaus aus folgenden Mitgliedern zusammen: Richard Steinwendner, Walter Resch, Johannes Heindl, Klaus Fasching, Andreas Masser, Gregor Huber, Gerhard Bernegger, Bruno Nachbauer, Dennis Kerbl und Georg Steiner.


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