Was Fairtrade und Österreichs Landwirtschaft gemeinsam haben

„Bäuerliche Familienbetriebe stehen für Versorgungssicherheit mit regional produzierten Lebensmitteln. In Österreich ernährt ein Bauernhof im Schnitt 70 Menschen. In Österreich werden 93% der landwirtschaftlichen Betriebe rein Familien-geführt", erklärte gestern Bauernbund-Präsident Jakob Auer beim gemeinsamen Pressegespräch mit Hartwig Kirner, Geschäftsführer Fairtrade Österreich, zum Thema "Agrar Global - Verbündete oder Konkurrenten".

Bauernbundpräsident Jakob Auer (l.) und Hartwig Kirner von Fairtrade. Foto: Bauernbund (Bildquelle: )

Neben einem gesicherten Eigentum an Grund und Boden als Produktionsmittel bräuchten Bäuerinnen und Bauern einen angemessenen Anteil an der Wertschöpfung und Zugang zu den Märkten. Als wertvoll würden sich dabei genossenschaftliche Kooperationsformen erweisen, erklärte Auer. Letztere seien auch für das Funktionieren des Fairtrade ein wesentliher Faktor, erklärte Kirner.

"Jeder Bauer braucht einen entsprechenden Preis, dass er seine Familie ernähren, Ernteausfälle ausgleichen und vor allem reinvestieren und produzieren kann, stellten beide unisono fest. Die Ziele einer fairen und menschenwürdigen Landwirtschaft sind auf der ganzen Welt gleich - ob in Österreich oder in Nicaragua: Das Recht auf Selbstbestimmung und Ernährungssicherheit, faire Produktionsbedingungen, faire Preise für ihre Produkte und die Möglichkeit, dabei auf die Umwelt Rücksicht nehmen zu können, so der Fairtrade Österreich-Geschäftsführer.  

Bauern als Rückgrat der Versorgung  

"Kleinbauern sind weltweit das Rückgrat der Landwirtschaft. Sie produzieren den größten Teil der Lebensmittel und haben dabei mit massiven Problemen zu kämpfen, führte Kirner weiter aus. Schwankende Rohstoffpreise, Zugang zu Finanzmitteln, steigende Kosten für Produktionsmittel sowie geringe Verhandlungsmacht gegenüber großen Abnehmern stellen schwerwiegende Hürden dar. Noch dazu stehe die regionale Produktion im unmittelbaren Wettbewerb mit Anbietern, die durch rücksichtslose Ausbeutung von Natur und Menschen zu Preisen offerieren, die die Lebensgrundlage bäuerlicher Landwirtschaft zerstören. Das führt dazu, dass 70% der Hungernden weltweit paradoxerweise in der Lebensmittelproduktion tätig sind, erklärte Kirner.  

Das Fairtrade-System gehe durch den garantierten Mindestpreis den entscheidenden Schritt weiter. Produzentenorganisationen für Kaffee oder Tee, Bananen, Orangen, Kakao oder Reis erhalten einen Preis, der ihre bäuerliche Existenz und damit ihre Ernährung und die ihrer Familien sichere. Die weitgehende Ausschaltung des Zwischenhandels sorgt dafür, dass der Gewinn aus dem Verkauf der Erzeugnisse nicht geschmälert wird, erläuterte Kirner den Handelsmechanismus. 

BB-Präsident Auer hielt vor der heißen Phase der EU-Budgetverhandlungen fest, dass eine ausreichende Absicherung unserer bäuerlichen Landwirtschaft bei der kommenden Agrarreform 2014 bis 2020 abgesichert werde. Die bäuerliche Landwirtschaft stehe auf dem Spiel. Bei einer Mittelkürzung der Agrarreform von 25% würden bis zu 50% der heimischen Betriebe zusperren, warnt der Bauernbund-Präsident. „Der Effekt wäre fatal: Es drohen massive Umwälzungen am Arbeitsmarkt, ein destabilisierter ländlicher Raum und eine unsichere Zukunft für die heimische Lebensmittelversorgung.“  

„Ohne Agrarzahlungen kein Feinkostladen Österreich“  

"Wer weiterhin sichere, gesunde, regional produzierte Lebensmittel haben will, muss wissen, dass diese Produktion nur dank der EU-Agrarzahlungen möglich ist, stellte Auer fest. Unsere Landwirtschaft der Familienbetriebe beliefert einen Feinkostladen, der das Land exzellent verköstigt. Aber ohne Agrarzahlungen gäbe es diese Art der Landwirtschaft nicht mehr." 


 

Artikel geschrieben von

Torsten Altmann

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"Das 'S' auf S-Budget-Butter sollte für Solidarität stehen"

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