Direktvermarktung

Wegen Billa-Boxen: LK-Briefe an die Gemeinden

Die Landwirtschafstkammern von Kärnten und der Steiermark schrieben Briefe an die Gemeinden. Darin werden die Bürgermeister ersucht, bei der Ansiedlung von Miniläden den bäuerlichen Direktvermarktern den Vorzug gegenüber den mächtigen Handelsketten zu geben.

Auch die LK Steiermark – Präsident Franz Titschenbacher und Kammerdirektor Werner Brugner – befürchtet, dass die Handelsketten zunehmend das Geschäft der bäuerlichen Direktvermarkter übernehmen. (Bildquelle: LK Stmk/Fischer)

Bereits vorige Woche wandten sich der Präsident der LK Kärnten samt seinem Direktor nach Aufstellung der vier Billa-Boxen brieflich an alle Kärntner Gemeinden. Nun zogen die steirischen Kollegen nach.

In ihrem offenen Brief ersucht die LK Steiermark die steirischen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister bäuerlichen Direktvermarktern bei der Errichtung von Selbstbedienungsläden den Vorzug zu geben. Die Landwirtschaftskammer sieht die angekündigte Ausbauwelle von Boxen und Kleinstläden großer Handelskonzernen kritisch.

Titschenbacher: „Handelskonzerne kopieren und gefährden"

„Die heimischen Bäuerinnen und Bauern haben während der Corona-Pandemie aus der Not heraus – um die Bevölkerung sicher und kontaktlos mit regionalen Lebensmitteln zu versorgen – die kleinen Selbstbedienungsläden erfunden. Es ist nicht einzusehen, dass diese Innovation und dieses mittlerweile sehr beliebte Nahversorgungsmodell von potenten Handelskonzernen kopiert und damit letztlich gefährdet wird“, zeigte sich Präsident Franz Titschenbacher besorgt.

„Es ist zu befürchten, dass durch die ohnehin schon überbordende Marktmacht der Handelsriesen der Preisdruck zum Schaden der Bauern zusätzlich verschärft wird, sollten diese auch noch zusätzlich kleine Boxen und Kleinstläden mit Direktvermarktungsprodukten betreiben“, erläutert Kammerdirektor DI Werner Brugner. Große Unsicherheit besteht auch darin, ob die bäuerlichen Direktvermarkter in solchen Handelsketten-Läden überhaupt dauerhaft gelistet bleiben.

Durch das offensives Zugehen auf die Bürgermeister, will die LK mögliche Standorte von Selbstbedienungsläden für die bäuerlichen Direktvermarkter sichern, die Wünsche der Bevölkerung nach frischen, saisonalen und ursprünglichen Lebensmitteln mit kurzen Transportwegen direkt von der Landwirtschaft erfüllen. „Und es geht darum, dass durch bäuerliche Innovationen die Höfe abgesichert werden können“, erklärte Brugner.

Landwirt darf selbst erzeugte Produkte verkaufen

Aus Sicht der LK ist es unstrittig, dass der Verkauf von bäuerlichen Produkten in Selbstbedienungsläden im Namen und auf Rechnung des Produzenten nicht der Gewerbeordnung unterliegt. Somit kommt das Öffnungszeitengesetz nicht zur Anwendung. Das Öffnungszeitengesetz gilt ausschließlich für Gewerbebetriebe. Jeder produzierende Landwirt darf seine selbst erzeugten Produkte verkaufen.


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