Aktuelles Interview

"Wir sollten Arbeit statt Fläche fördern“

Bei der nationalen GAP-Umsetzung sieht der Bioverband „Erde & Saat“ noch Diskussions- und Verbesserungsbedarf. Obmann Matthias Böhm erklärt im aktuellen Interview, dass es z.B. beim ÖPUL ein anderes Bewertungssystem braucht.

Böhm

Matthias Böhm ist Obmann von Erde & Saat. (Bildquelle: Erde & Saat)

Wo liegen die Druckpunkte bei der nationalen GAP-Strategie?

Böhm: Egal ob bio oder konventionell, es braucht eine wesent­liche Kursänderung, wenn wir unsere Familienbetriebe und die vielfältige und kleinstrukturierte Landwirtschaft erhalten wollen. Wir müssen in der Säule 1 weg von der Flächenförderung, hin zur Arbeitskraftförderung. Beim ÖPUL ist Bio die Speerspitze, das muss aber im geplanten Modulsystem klarer sichtbar werden. Dementsprechend müssen die Bioleistungen honoriert werden und nicht, wie angedacht, mit einem einjährigen Zuschlag als Top-Up abgefertigt werden.

Ist das ÖPUL-Modulsystem aus ­Ihrer Sicht sohin noch nicht fix?

Böhm: Grundsätzlich ist die Modulsystem-Idee nicht schlecht. Es würde dem einzelnen Hof mehr Flexibilität bieten und auch das Gesamtniveau heben. Dazu bedarf es aber noch einer breiteren und klareren Ausdifferenzierung. Allein die unterschiedlichen ­Anforderungen von bio und konventionell lassen sich nicht so leicht abbilden. Die Zielsetzung muss klar definiert sein, nämlich für mehr Umweltleistung mehr Geld zu bekommen. Eine Herausforderung sehe ich in der ­zunehmenden Komplexität und dem steigenden bürokratischen Aufwand, der mit jedem neuen ÖPUL massiv steigt. Kein Scherz, hier wird eine Büroprämie fällig.

Was braucht’s beim ÖPUL?

Böhm: Ein anderes Bewertungssystem. Einerseits basieren die Prämien für die Leistungen auf Minderertrag und Mehraufwand, wirken sich daher nicht auf das Einkommen aus. Andererseits sind die Auswirkungen der erbrachten Leistungen auf Umwelt, Klima, Boden und Wasser enorm. Daher ist es umso wichtiger, die Gesellschaft zu informieren und aufzuklären, was die GAP-Ziele sind und was dieses Förderkonstrukt für uns alle bedeutet. Es gilt, offen und transparent das Bewusstsein zu schaffen, auf welche Art und Weise wir unsere Lebensmittel produzieren und welche Art der Landwirtschaft wir uns künftig leisten wollen. Die faire Entlohnung der bäuerlichen Arbeit ist ein Muss. Denn die Leistungen, die alle Bauern erbringen, kommen der Gesellschaft als Ganzes zugute.

Braucht Bio eine Sonderstellung?

Böhm: Die neue EU-Bio-Verordnung und die Weideproblematik stellen viele Betriebe vor große Herausforderungen, bis hin zum möglichen Ausstieg aus der biologischen Produktionsweise. Gerade deshalb braucht es im neuen ÖPUL diese Sichtbarkeit und ­finanzielle Ausgestaltung für Bio, um den langjährig aufgebauten Weg fortzuführen und 25 % Bio in Österreich zu halten.


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