Wolf im Tiroler Brixental

Wolf reißt Reh neben Kinderschaukel

Im Brixental hat ein Wolf vor allem Rehe bis ins Siedlungsgebiet verfolgt. Von Scheu ist wenig zu spüren, die Bevölkerung ist verunsichert. Bürgermeister und Bauernvertreter im Brixental fordern die Entnahme.

Zahlreiche Risse und Sichtungen von Wölfen in unmittelbarer Nähe zu Wohnhäusern gab es in den letzten Wochen vor allem in den Gemeinden Westendorf, Hopfgarten und Itter. Das Raubtier hat vor allem Rehe bis ins Siedlungsgebiet verfolgt. Von Scheu ist wenig zu spüren, was die Bevölkerung verunsichert. Trotz dieser Verhaltensänderung geht die Handhabe gegen Wölfe aktuell praktisch gegen Null.

Vor der Tatsache, dass man dem Tier derzeit machtlos gegenübersteht, hat der Kitzbüheler Bezirkskammerobmann Josef Fuchs gemeinsam mit den Bürgermeistern der Gemeinden Westendorf, Hopfgarten i.B., Itter, Brixen i. Th. sowie Kirchberg i. T. und den Ortsbauernvertretern ein Gesuch um Entnahme des Problemwolfs an den zuständigen Agrarlandesrat Josef Geisler gerichtet.

Täglich werden gerissene Wildtiere gefunden

„Wir fordern das Fachkuratorium zur laufenden Evaluierung der Vorkommnisse im Tal auf. Derzeit werden quasi täglich gerissene Wildtiere gefunden. Mit dem Wissen, dass sich bei uns ein Wolf aufhält, geht auch eine Verantwortung einher. Unserer Einschätzung nach handelt es sich bei dem Wolf bzw. den Wölfen im Brixental jedenfalls um ein Problemtier und ist dementsprechend zu entnehmen.“, stellt Paul Sieberer, Bürgermeister von Hopfgarten, klar. Inzwischen wurde bestätigt: Die gerissenen Rehe in Hopfgarten und Kirchberg vom 4. und 5. April sind laut Amtstierärztin eindeutig dem Wolf zuordenbar.

"Grundsätzlich ist unser stark frequentierter Lebensraum für große Raubtiere generell nicht geeignet“, stellt Paul Sieberer, Bürgermeister von Hopfgarten, klar. (Bildquelle: privat)

Schafbauern wollen nicht mehr auftreiben

In dem Schreiben an den Agrarlandesrat wird sowohl auf die wirtschaftlichen Folgen für Landwirtschaft und Tourismus aufmerksam gemacht, aber auch mögliche Einschränkungen für Erholungssuchende hingewiesen. Bis das Weidevieh auf die Alm kommt, geht man davon aus, dass sich der Wolf weiter im Tal aufhält. Aber auch auf den Heimweiden findet er bald einen „gedeckten Tisch“. „Denn dass auch Elektrozäune einen Wolf oft nicht aufhalten können, zeigt leider die Erfahrung. Wir hoffen natürlich trotzdem, unsere Herden schützen zu können“, führt Fuchs aus.

Tief in den Knochen sitzen den Unterländer Bauern noch die Bilder eines Wolfsangriffs vom vergangenen Jahr auf der Rotwandalm. „In einer Nacht wurden da 19 Tiere gerissen. Die Vermutung liegt nah, dass es sich heuer um denselben Wolf handelt. Wir wollen alles daransetzen, damit es nicht erneut zum Blutrausch kommt.“

Aufgrund der Vorzeichen wollen die Schafbauern im Brixental nicht mehr auftreiben. Rinderbauern aber auch Touristiker befürchten, dass dann Kühe ins Visier geraten. Neben den Rissen und Verletzungen einzelner Tiere hat sich auch gezeigt, dass Viehherden durch Wolfspräsenz aggressiv werden. Um die Sicherheit auf den Almen zu gewährleisten, kann es sein, dass diese für Erholungssuchende nicht mehr frei zugänglich sind. „Besonders mit Hunden würde das Begehen der Almen höchst gefährlich“, warnt Fuchs abschließend.

Hechenberger drängt auf Entscheidung

Nicht sein dürfe laut LK-Präsident Josef Hechenberger, dass das Kuratorium erst wieder Wochen nach der Gefahrensituation zu einem Ergebnis kommt, so wie im vergangenen Herbst im Bezirk Innsbruck. Handlungsbedarf sei vor allem aber auch aufgrund der Sorgen der Bevölkerung gegeben: „Was soll man besorgten Eltern sagen, wenn sie einen anrufen und fragen, ob sie ihre Kinder noch alleine draußen spielen lassen können? Solche und ähnlich Gespräche habe wohl nicht nur ich mit Brixentalerinnen und Brixentalern in den vergangenen Wochen mehrfach geführt“, gibt Hechenberger Einblick in die Stimmungslage: „Unverständlich ist diese Machtlosigkeit gegenüber dem Wolf, vor allem weil er bereits seit 2018 von der Weltnaturschutzorganisation IUCN* als nicht mehr bedroht eingestuft wird“, führt Hechenberger weiter aus und stellt klar: „Es ist unsere Verantwortung, die Konflikte, die durch die massive Ausbreitung großer Raubtiere in unserem Land entstehen, so gering wie möglich zu halten. Das ist nur möglich, wenn auffallende und problemstiftende Wölfe entnommen werden dürfen.“

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