Bericht

Umweltagentur beklagt weiteres Artensterben in der EU

Der umfassendste jemals durchgeführte Gesundheitscheck der Natur in Europa kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. 81 % der geschützten Räume sei in einem schlechten Zustand.

Virginijus Sinkevičius

Virginijus Sinkevičius (Bildquelle: EU-Kommission)

Trotz erheblicher Anstrengungen und einiger Erfolge hat der Druck auf die Artenvielfalt und Lebensräume von Flora und Fauna in der Europäischen Union in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Die Mehrheit der geschützten Habitate und Arten soll in einem mangelhaften oder schlechten Zustand sein, heißt es im neuen Bericht der Europäischen Umweltagentur (EUA) über den Zustand der Natur in der Gemeinschaft.

Der Report bezieht sich auf den Zeitraum von 2013 bis 2018 und ist nach Aussage von Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius, „der umfassendste Gesundheitscheck der Natur, der jemals in der EU durchgeführt wurde“. Dabei zeige sich sehr deutlich, dass weiter Teile unserer natürlichen Lebensgrundlage verlorengingen.

Dem Bericht zufolge befinden sich nur 15 % der geschützten Lebensräume in einem guten Zustand, dagegen 81 % in einem schlechten; das sind 6 Prozentpunkte mehr als bei der Erhebung für den Zeitraum 2008 bis 2012. Dabei wurden bei Mooren, Grünland und Dünen am häufigsten Verschlechterungen festgestellt, während bei Waldhabitaten eine Verbesserung zu verzeichnen war.

„Wir müssen dringend die in der neuen EU-Biodiversitätsstrategie eingegangenen Verpflichtungen erfüllen, um diesen Rückgang zum Nutzen der Natur, der Menschen, des Klimas und der Wirtschaft umzukehren“, betonte Sinkevičius. Bei den Arten weisen der Untersuchung zufolge nur gut ein Viertel einen guten Erhaltungszustand auf, immerhin 4 Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Studie.

Bei Vögeln ist hingegen der Anteil mit einem schlechten Bewertungszustand um 7 Punkte auf 39 % gestiegen, der mit einem sicheren Zustand um 5 Punkte auf 47 % gefallen. Eine intensive Landwirtschaft, nicht nachhaltige forstwirtschaftliche Tätigkeiten, die Zersiedelung und Umweltverschmutzung sind der EUA zufolge die Hauptursachen für den Rückgang der biologischen Vielfalt in Europa.

Gab es auch Positives?

Positiv wird in dem Bericht vermerkt, dass die Flächen des Natura-2000-Netzwerkes mit geschützten Gebieten in Berichtszeitraum gestiegen seien und nun 18 % der EU-Landfläche und 10 % der Meeresfläche ausmachten. Auch auf regionaler Ebene seien Erfolge im Artenschutz erzielt worden. Allerdings habe dies nicht ausgereicht, die Ziele der EU-Biodiversitätsstrategie 2020 zu erreichen.

Das Ziel 1, welches die vollständige Umsetzung der Umweltrichtlinien vorsah, um einen hohen Prozentsatz positiv bewerteter Lebensräume und Arten bis 2020 zu erhalten, wurde laut der EUA um 12 % verfehlt. Beim Vogelschutz klaffte zum Ziel eines Populationsaufbaus geschützter Arten eine Lücke von 20 %. Zudem hat sich bei Ziel 3, welches die Optimierung der biologischen Vielfalt in der Land- und Forstwirtschaft vorsah, kaum ein Fortschritt ergeben.

Die Autoren des EU-Umweltberichts setzen deshalb darauf, dass nun mit der EU-Biodiversitätsstrategie 2030 und dem Green Deal diese Lücken geschlossen und Ökosysteme wieder intakt gesetzt werden.


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