Führender Getreidehändler empfiehlt höhere Agrarproduktion

Auf den zusätzlichen Nahrungsmittelbedarf durch die wachsende Weltbevölkerung wies heute Klaus-Dieter Schumacher auf dem Ackerbautag der Wintertagung des Ökosozialen Forms in der Landwirtschaftsschule Hollabrunn hin.

Schumacher kennt mit 25 Jahren Erfahrung bei Toepfer-International (mit 40 Mio. t Getreidehandel im Jahr) die Zusammenhänge und sieht die Agrarzukunft insgesamt optimistisch. Hoch und Tief der ackerbaulichen Produktion der vergangenen zwei Jahre waren laut Schumacher überwiegend naturbedingt. Erhöhte Getreidenachfrage und die bis 2007 weit abgebauten Vorräte sowie teilweise auch Spekulation, die oft überschätzt werde, führten nach den Rekordernten von 2008 und 2009 wieder zu einem Preisrückgang, der die Erzeuger hart treffe, so der Experte. Die weltweit ideale Witterung habe 2008 die bisher höchste Getreideernte von 2,2 Mrd. t beschert und im vergangenen Jahr mit der bisher zweitgrößten Ernte auch die Vorratslager weiter aufgefüllt. Auch eine Produktionserweiterung in der Schwarzmeerregion sei zunehmend spürbar. Die Weltgetreidevorräte stiegen so von rund 15 auf über 21% des Verbrauchs und dies trotz hohem Bedarf. Die Preisentwicklung war dementsprechend , erläuterte Schumacher.

Weizenmarkt: Erneuter Aufbau der Bestände

Wirklich hoch sei im Verhältnis zum Absatz derzeit auch nur das Weizenangebot. Die Maisernte war auch groß, doch hier wirkt sich der steigende Bedarf an nachwachsender Energie bereits aus: In den USA werden schon etwa 40% der letzten Maisernte, die durch Trockenheit etwas geringer war, zu Ethanol verspritet. In der EU steht eine hohe Getreideernte niedrigen Exportmöglichkeiten gegenüber. Dazu kommt noch geringerer Futterabsatz, da der Fleischkonsum durch Finanzkrise und gebietsweisen Tourismusrückgang in den südeuropäischen Ländern leidet. Hier werden bis zu 6 Mio. t Gerste und auch ein Teil des Weizens in die Intervention gehen , erläuterte Schumacher. Rekordernten gab es auch bei Ölfrüchten mit 430 Mio. t (+16 Mio. t). Brasilien konnte rund 70 Mio. t Soja (statt 65 Mio. t) einfahren und Argentinien erntete nach 32 Mio. t um 20 Mio. t mehr. Bei Ölfrüchten wirkt ebenfalls teilweise die Energienachfrage. In Deutschland landen laut Schumacher fast drei Viertel des Rapsöls als Biodiesel-Beimischung in den Treibstofftanks. Auch in Italien und Frankreich steigt diese Beimischung. Als Ursachen für die schwankenden Agrarpreise nannte der Getreidefachmann keineswegs nur die Ernteschwankungen. Auch der schwache Dollar, der Anleger in Sachwerte wie etwa Agrarprodukte trieb, sowie stark sinkende Frachtraten wirkten sich aus. Auf der Bauernseite kamen stark steigende Betriebmittelkosten hinzu.

Agrarproduktion muss erhöht werden

Von einer Verringerung der Agrarproduktion riet Schumacher überzeugend ab, intensivieren statt nachlassen , lautete seine Empfehlung. Die von 6,5 auf 9 Mrd. Menschen wachsende Weltbevölkerung werde um 70% mehr Lebensmittel brauchen und zugleich noch besser leben wollen; Fleisch werde weiter gefragt sein. Auch nachwachsende Treibstoffe würden vermehrt notwendig, wobei die als Nebenprodukt anfallenden Eiweißfuttermittel ebenfalls bedeutend seien. Zur Gentechnik sagt Schumacher, er verstehe den Standpunkt in Österreich, aber die Welt hat anders entschieden . -AIZ-

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