Bilanz 2018: Mehr Milch, weniger Bauern, gesunkene Entlohnung

Trotz der letztjährigen Trockenheit haben Österreichs Milchbauern ihre Milchanlieferung auf 3,4 Mio. t gesteigert. Der durchschnittliche Bauernmilchpreis (bei 4% Fett und 3,4% Eiweiß) gab um 1,5% auf 36,33 Cent/kg netto nach. Die Anzahl der Lieferanten fiel um 3,6% auf 26.584. Erfreulicher liefen die Exporte, die um 4% auf 1,23 Mrd. € stiegen.

Österreichs Molkereien haben das schwieirge Jahr 2018 gut gemeistert. Bei den Erlösen schaut es nicht so toll aus, die Mehrkosten in der Produktion und Verabreitung deckte der LEH nicht voll ab. (Bildquelle: Spanring)

Die hohe Konzentration im Lebensmitteleinzelhandels (LEH) macht den Molkereien das Wirtschaften weiterhin zu schaffen. "Notwenidge Kostensteigerungen wurden nicht entsprechend abgegolten", stellte Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) und Geschäftsführer der Kärntnermilch, im Zuge der Bilanzpressekonferenz fest.

Die Umsätze der Milchverarbeiter sind 2018 um 3% auf 2,8 Mrd. € gestiegen. Das Ergebnis vor Steuern bezogen auf den Umsatz kam mit 0,6% auf sehr geringem Niveau zu liegen. Die Investitionen konnten damit nicht finanziert werden.

Qualität im Fokus

Die Molkereien setzen aber weiterhin auf Qualitätssteigerung. Bereits 17,9% des Gesamtrohmilchaufkommens stammt von Biohöfen. Im Nachbarland Deutschland waren es 2018 vergleichsweise nur 3,5%, so VÖM-Geschäftsführer Johannn Költringer. Die Biopreise gaben weniger nach wie die konventionellen Erzeugerpreise, doch das Angebot an Biomilch nimmt in Europa zu.

Milch viel zu billig

Zum EU-Beitritt kostete 1 l Trinkmilch in Schilling umgerechnet über 1 €. Heute liegen sie ähnlich, obwohl die Verbraucherpreise seithe rum 65% gestiegen sind, rechnte Petschar vor. Demnach sei Milch sicherlich zu billig. Petschar zeigte sich überzeugt, dass die Konsumenten bereit wären, 10 oder 20 Cent mehr pro Liter hochwertiger Milch zu zahlen.

Exportquote bei 44%

Die Exportquote der Branche liegt bei 44%, wobei fast die Hälfte der Exporte nach Deutschland geht. Das Exportgeschäft mit China hat sich 2018 zwar verdoppelt, liegt mit 48 Mio. € aber auf einem noch rechtbescheidenen Niveau. Angesichts der langen Transportwege via Schiff werden praktisch nur Pulver- und Haltbarprodukte nach China geliefert.

Positiv sieht Petschar die EU-Freihandelsabkommen mit Kanada (CETA) und Japan (JEFTA). Speziell Kanada sei ein hochpreisiger Markt, wo Österreich mit dem Hauptexportprodukt Käse gut punkten könne.

Den anstehenden Brexit “beobachten wir sehr genau”, so Petschar. Österreich exportiere Molkereiprodukte im Wert von nur rund 10 Mio. € nach Großbritannien, die EU insgesamt aber schon. Daher könnten Exportprobleme nach Großbritanniene die Preise in ganz Europa beeinflussen.

Nur mehr 26.600 Milchbauern

Der Strukturwandel in der Milchwirtschaft schreitet weiter voran. Hatte Österreich vor dem EU-Beitritt (1994) noch über 80.000 Milchbauern mit im Schnitt je knapp zehn Milchkühen, produzierten 2018 nur mehr knapp 26.600 Betriebe, um 1.000 weniger als 2017, Milch mit durchschnittlich 20 Kühen.

Seit dem EU-Beitritt hat sich die Kuhanzahl in etwa verdoppelt, die Milchproduktion stieg um das Fünffache an. Während sich die Zahl der Kühe verdoppelte, verfünffachte sich die Milchproduktion. Ein Betrieb lieferte zuletzt im Schnitt 127.549 kg an seinen Verarbeiter – um 6,2% mehr als 2017.

Die Milchlieferleistung pro Kuh stieg im Vergleich zu 2017 um 4,4% auf durchschnittlich 6.363 kg/Jahr, allerdings liegt das weit unter den europäischen Spitzenwerten von bis zu 10.000 kg/Kuh in Dänemark und den Niederlanden.

Artikel geschrieben von

Leopold Th. Spanring

Redakteur

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