Regionalitäts-Check

Pflanzliche Drinks: Oft weit gereist

Die Herkunft und Inhalte von pflanzlichen Drinks wie Mandel-, Hafer-, Soja- oder Reisdrinks, haben der Kärntner und österreichische Bauernbund untersucht. Das wenig erfreuliche Ergebnis: Nur bei 15% der untersuchten Produkte stammen die Hauptrohstoffe aus Österreich.

Bei gerade einmal 27 von 178 untersuchten Drinks (15,2%) in Kärntner Supermärkten und Drogerien kommen die Hauptrohstoffe aus Österreich. Bei beinahe der Hälfte der Drinks stammen diese aus Nicht-EU-Ländern.

Verwirrende Kennzeichnung

Neben der Herkunft kritisiert Bauernbund-Chef Georg Strasser die verwirrende Kennzeichnung: "Das Verwirrspiel mit den rot-weiß-roten Fähnchen ist entbehrlich! Es kann nicht sein, dass eine bekannte Handelskette beim Eigenmarkenprodukt mit einer Österreich-Fahne auf der Verpackung wirbt, obwohl ein wichtiger Inhaltsstoff - der Rohrzucker - vom anderen Ende der Welt kommt. Es gibt auch Bio-Rübenzucker aus Österreich. Bei pflanzlichen Drinks zahlt es sich also aus, die Verpackungsrückseite zu lesen."

55% der pflanzlichen Drinks sind Bio-Produkte. Aufgrund des EU-Bio-Siegels wird bei diesen die Herkunft der Rohstoffe gekennzeichnet. "Ohne umfangreiches Wissen wird das richtige Erkennen der Herkunft aber auch bei Bio-Produkten zur Herausforderung. Hier müssen wir die Konsumenten weiterhin sensibilisieren", so Strasser.

Von Klimaschutz keine Spur

Hersteller pflanzlicher Drinks werben mit Klimaschutz und einem gesundheitsbewussten Lebensstil, so Landwirtschaftskammer (LK) Kärnten-Präsident Siegfried Huber. Doch stimmt das wirklich? "Österreichweit machen Mandeldrinks den zweitgrößten Teil des Verkaufswerts aus. Dabei sind gerade Mandeln die wohl bedenklichsten unter allen untersuchten Rohstoffen", so Huber.

80% der weltweit geernteten Mandeln kommen aus Kalifornien. Alleine die Produktion von 1 kg Mandeln verbraucht bis zu 15.000 l Wasser. Der Wasserverbrauch jener Mandeln, die aus den USA exportiert werden, ist gleichwertig mit dem Wasserverbrauch der Großstadt Los Angeles über drei Jahre. "Da ist der lange Transportweg über den Ozean noch nicht eingerechnet", sagt Huber. "Bedauerlich ist aber, dass sich die internationalen Hersteller der pflanzlichen Drinks offenbar auf einen Gegner eingeschossen haben: Die Kuhmilch."

Ökobilanz: Kuhmilch steht besser da

Einer Studie der Universität Oxford zufolge liegt der Wasserverbrauch für die Produktion von 1 l Mandeldrink bei 371 l. Einen beträchtlichen Teil dessen macht die notwendige künstliche Bewässerung aus. "Die HBLFA Raumberg-Gumpenstein hat in einer Modellrechnung den Wasserverbrauch von österreichischer Milch mit 8,35 l pro Liter Milch beziffert - unter Beachtung der Ökobilanz von Wasser", so Huber. "Ein deutlicher Unterschied, der die Halbwahrheiten des Klimarettungs-Marketings aufzeigt!"

Wertschätzung muss sich in der Wertschöpfung zeigen

"Wir stellen ganz klar infrage, ob pflanzliche Drinks wirklich so gesund sind, wie sie beworben werden", bemängelt Huber. Pflanzliche Drinks bestehen zu 90 bis 95% aus Wasser. Viele ursprünglich in den Rohstoffen enthaltene Nährstoffe gehen im Herstellungsprozess verloren - Vitamine, Mineralstoffe, Geschmacksverstärker und Stabilisatoren müssen erst wieder zugesetzt werden. "Diese Tatsachen zeigen, dass die negative Stimmungsmache gegen Kuhmilch ins Leere geht", so Huber.

Pflanzliche Drinks kosten im Schnitt 2,25 Euro im Regal. Der durchschnittliche Liter Milch im Regal kostet im Vergleich dazu in Österreich 1,18 Euro (Stand 2020), so Huber. "Ohne Steuer bekommt der Landwirt zirka 38 Cent für 1 l Milch, für 1 l pflanzlichen Drink geschätzte zwei Cent. Sicher ist, dass Hersteller und Handelsketten hohe Margen bei pflanzlichen Drinks bekommen. Dass bei diesem Produktsegment sehr viel in Marketing investiert wird, verwundert nicht. Wir aber fragen uns: Wo bleibt da die Wertschätzung für die Bauernfamilien?"