Molkerei Berchtesgadener Land

Rigoroses Sparprogramm gegen die Krise

Die Mehrkosten, die aktuell auf Seiten der Landwirtschaft und der Molkerei Berchtesgadener Land entstehen, auf die treuen Kund:innen der Molkerei umzulegen, kommt für Geschäftsführer Bernhard Pointner nicht in Frage. Vielmehr nimmt er die Molkerei mit einem umfangreichen Sparprogramm in die Pflicht. Das erklärte er auf der 90. Generalversammlung.

Konkret sollen geplante Investitionen zurückgestellt, das Marketingbudget gekürzt und die Personaldecke eingefroren werden. Prozesse und das Produktsortiment stehen laut Pointner auf dem Prüfstand und die Gewinnprognose wird lauf null gefahren.

Strategie gegen steigende Verbraucherpreise

Alle Reden bei der Generalversammlung fokussierten sich auf die aktuell sehr schwierige wirtschaftliche Gesamtsituation, die mit der Corona-Pandemie vor zwei Jahren begonnen hatte und seit dem Frühjahr von den drastischen Auswirkungen des Ukrainekriegs überholt wird, heißt es in einer Unternehmensmeldung. Energie, Verpackung, Maschinen, Ersatzteile und Rohstoffpreise stiegen u.a. durch unsichere Verfügbarkeiten, private wie industrielle Lagerhaltung und unterbrochene Lieferketten.

Die Preise für Butter und Milch des Premiumherstellers sollten nicht in Dimensionen steigen, die der langjährigen Stammkundschaft die Möglichkeit nehmen, „ihre“ Milch und Butter einzukaufen. „Uns ist es ein Anliegen, dass Kund:innen, die seit Jahrzehnten unsere Produkte kaufen, dies auch weiterhin tun können. Viele greifen aufgrund unserer Werte wie Fairness und Nachhaltigkeit zu unseren Produkten und haben dafür auch mehr Geld in die Hand genommen. Wir möchten nicht, dass Stammkund:innen nun aus rein finanziellen Gründen darauf verzichten müssen. Fairness gilt für uns auch gegenüber unserer Kundschaft“, erklärte der Geschäftsführer am Rande der Generalversammlung.

Fairer Milchpreis Basisziel

Als Genossenschaft ist ein fairer Milchauszahlungspreis für die Landwirt:innen das Basisziel. Dass die Molkerei Berchtesgadener Land seit Jahren die Milchpreistabelle angeführt habe, liege an dem Vertrauen der Kund:innen, betonte auch der Vorstandsvorsitzende Andreas Argstatter. So lag die Molkerei beim Milchpreis 2021 wieder über dem bayerischen Durchschnitt und bei konventioneller Milch in Deutschland und Österreich erneut an erster Stelle.

Molkerei

Für das laufende Jahr kündigte der Chef der Berchtsgadener Land eine weitere Anhebung des Milchpreises an, der laut Pointner seit 2021 bereits schrittweise um 4 Cent angehoben worden ist. (Bildquelle: Werkbild)

Im laufenden Jahr werde diese Position leider nicht gehalten werden können, machte Aufsichtsratsvorsitzender Anton Berger in seinen einleitenden Worten deutlich und erklärte: „Wichtiger als ein kurzfristig hoher Milchpreis ist es, einen konstant hohen Milchpreis zu zahlen". Nur so sei eine langfristige Kalkulation auf den Höfen möglich.

Bernhard Pointner kündigte für das laufende Jahr eine weitere Anhebung des Milchpreises an, der seit 2021 bereits schrittweise um 4 Cent angehoben worden sei. Der Geschäftsführer betonte in diesem Zusammenhang auch: „Mit der Auszahlung höchster Milchpreise alleine werden wir die Molkerei nicht heil aus dieser Krise führen: Die Molkerei braucht die Landwirt:innen als wichtigste Rohstofflieferanten, aber ebenso die Kund:innen für den Kauf unserer Markenprodukte. Und eins ist klar: Nur wenn beide der Genossenschaft weiter treu bleiben, haben wir eine Chance. Jeder von uns zahlt für diesen Krieg und kein Berufsstand, kein Einzelner wird verschont werden."

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