Molkereien

Ringen um Corona-Hilfen

Angesichts der teils hohen Umsatzausfälle wegen der Corona-Pandemie drängt die Vereinigug der österreichischen Milchverarbeiter (VÖM) auf staatliche Hilfsgelder. Die Verhandlungen dazu sind zäh, berichtete Präsident Helmut Petschar im Zuge der Jahresbilanz über das Wirtschaftsjahr 2020.

Manche Molkereien haben wegen des Lockdowns riesige Ausfälle in der Gastronomie und Hotellerie. Teilweise konnte dies durch den Mehrumsatz in den Supermärkten abgefedert werden. Doch staatliche bleibt weiterhin aus, berichtete VÖM-Präsident Helmut Petschar. (Bildquelle: Spanring)

"Das Jahr 2020 war auch für die heimische Milchwirtschaft ein außerordentliches Jahr, die Corona-Krise forderte den Sektor enorm, gab es doch den abrupten Ausfall des Tourismus- und Gastronomiesektors mitten in der Saison und kurzfristige Nachfrageverschiebungen zum Lebensmitteleinzelhandel zu bewältigen. Die Branche hat jedoch den Härtetest bestanden und konnte kurzfristig Umstellungen in der Produktion bewerkstelligen sowie auch höhere Mengen zu gewohnt höchster Qualität liefern - ein Wert, der vielen längst nicht mehr so bewusst war wie im Jahr 2020", zog der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM), Helmut Petschar, Bilanz über das Wirtschaftsjahr 2020. Aktuell leiden die heimischenMolkereien neuerlich unter dem Ausfall der Wintersaison.

Trotz Umsatzsteigerung nur knappe Erträge

Die Umsätze der heimischen Milchverarbeiter sind 2020 insgesamt um 3,2% auf 2,95 Mrd. € gestiegen, wobei Zuwächse bei Lieferungen an den Lebensmittelhandel im In- und Ausland zu verzeichnen waren. Die Absätzen an die Gastronomie und Tourismus litten unter deutlichen Umsatzeinbußen (60 bis 80%) .

"Die Ertragslage der Molkereien ist daher nach wie vor sehr knapp, zumal die Corona-bedingten Sicherheitsmaßnahmen zusätzliche Kosten verursachten. Das Ergebnis vor Steuern, bezogen auf den Umsatz, ergab 2020 im Branchenschnitt einen Wert von 1,4%", informierte der VÖM-Präsident.

Bio kratzt an der 20%-Marke

Die Milchanlieferung blieb 2020 mit 3,38 Mio. t insgesamt stabil, wobei zu Beginn des Jahres eine höhere und in der zweiten Jahreshälfte eine geringere Anlieferung zu verzeichnen war. Mehrere Molkereien mussten aufgrund der Corona-bedingten Nachfragerückgänge im Frühjahr Mengensteuerungsmaßnahmen bei der Anlieferung setzen. Der Anteil von Biomilch und Heumilch konnte weiter gesteigert werden, Österreich erreichte mit 19% den höchsten Bio-Anteil in der EU.

Erzeugermilchpreise leicht gestiegen

Nachdem die Erzeugermilchpreise in Österreich auf schwachem Niveau gestartet waren, kam es ab Sommer zu spürbaren Stabilisierunge. Für gentechnikfreie Qualitätsmilch mit 4% Fett und 3,4% Eiweiß wurden netto durchschnittlich 34,26 Cent/kg erzielt (2019: 33,66 Cent). Dabei hatten die Landwirte mit Kostensteigerungen zu kämpfen.

Die Anzahl der Milchbauern verringerte sich 2020 um 3,8% auf 24.650. Der Milchkuhbestand blieb mit rund 525.000 Tieren gleich, im Durchschnitt hielt jeder Landwirt 21 Kühe - im internationalen Vergleich ein sehr kleiner Wert. Die Milchlieferleistung der Kühe erreichte im Mittel mit 6.458 kg (+0,2%) im europäischen Vergleich einen moderaten Wert, der die nachhaltige Produktion dokumentiert. Die durchschnittliche Anlieferung je Landwirt stieg von 131,9 auf 137,3 t. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld je Landwirt lag mit 58.570 Euro um 6,2% über dem Vorjahr.

Absatzsteigerung über LEH und Export

Die österreichischen Milchexporte konnten 2020 laut vorläufigen Zahlen der Statistik Austria um 4,5% auf 1,312 Mrd. € zulegen und erreichten einen neuen Höchstwert. Bei den Importen gab es einen geringeren Zuwachs von 1,2% auf 836,3 Mio. €, was zu einem höheren, positiven Außenhandelssaldo von 475,4 Mio. € (+10,7%) führte. Die Exportquote, bezogen auf den Umsatz, betrug 44,5%, die Importquote 28,4%.

Hohe Handelskonzentration belastet

Die hohe Konzentration im heimischen Lebensmitteleinzelhandel hat die Situation für Bauern und Verarbeiter nicht grundlegend verändert. Nach wie vor steigen die Spannen und Anteile an der Wertschöpfung des Handels, verbunden mit steigenden Anteilen der Eigenmarken.

"Die von der EU gesetzten Maßnahmen zur Vermeidung unfairer Handelspraktiken sind in Österreich noch nicht umgesetzt. Auch sollte die Entwicklung der Wertschöpfung in der Lebensmittelkette analysiert werden, um daraus entsprechende Maßnahmen abzuleiten", forderte Petschar.

"Für die Corona-bedingten Umsatz- und Deckungsbeitragsverluste der Milchwirtschaft sind geeignete Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln, zumal die Branche nach wie vor erheblich betroffen ist. Die Milchwirtschaft muss zur weiteren Absicherung einer nachhaltigen und hochwertigen eigenständigen Lebensmittelversorgung bei den anstehenden Wirtschaftsrettungsmaßnahmen berücksichtigt werden - dies ist im nationalen Interesse", argumentierte der VÖM-Präsident.

Zwar gab und gibt es Gespräche mit dem Landwirtschafts- und dem Finanzministerium bezüglich der Forderung der Molkereiwirtschaft nach staatlicher Coronahilfen, aber für 2020 ging man leer aus. Petschar wiederholte diese Forderung und hofft, dass "es wenigstens heuer eine Hilfe für uns geben wird.“

Corona prägt auch Milchmarkt 2021

Der Milchmarkt zeigt sich noch immer geprägt von der Corona-Pandemie. "Für Österreich ist vor allem die weitere Entwicklung im Tourismus und in der Gastronomie wichtig", erklärte Petschar. Die aktuell steigenden internationalen Notierungen würden zwar Hoffnung vermitteln, doch könne die Wirtschaftskrise weltweite Kaufkraftverluste und weitere Irritationen mit sich bringen.

"Für die österreichische Milchwirtschaft bleibt neben den globalen Einflüssen vor allem die weitere Entwicklung in Österreich maßgebend, also inwieweit es gelingt, die Qualitätsstrategie erfolgreich umzusetzen und ob eine faire Abgeltung der erhöhten Aufwendungen und damit die weitere sichere Versorgung mit hochqualitativen Lebensmitteln gelingt", sagte Petschar.


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