Rezension

„alles bio oder wie?“ - Eine Anregung zum selbstständigen kritischen Denken

Mit seinem neuen Buch will Hans Kreimel Mythen zur „bösen“ konventionellen und „guten“ biologischen Landwirtschaft aufdecken. Wir geben Ihnen einen kritischen Einblick in den Inhalt der Lektüre.

Das 2019 erschienene Buch "alles bio oder wie?" ist die dritte Veröffentlichung von Hans Kreimel. (Bildquelle: Hans Kreimel )

Gleichzeitig langjähriger konventioneller Landwirt und Bio-Obstbauer zu sein, klingt nach einer unvereinbaren Kombination. Genau das ist jedoch der biografische Hintergrund von Hans Kreimel, Autor von „Bio oder wie?“ und gleichzeitig seine Inspiration für das folgende Buch. Denn mit aller Deutlichkeit argumentiert der Autor hier, dass weder konventionelle Landwirtschaft böse und giftig sei, noch auf der anderen Seite biologische Landwirtschaft perfekt.
 
Bienensterben, Glyphosat und Co.
 
Auf der einen Seite geht er auf Vorurteile gegenüber der konventionellen Landwirtschaft ein und führt diese ad absurdum. So urteilt er, dass die Emissionen durch den Verkehr weit schlimmer seien als jene durch die konventionelle Landwirtschaft. Mit dem Bienensterben, das laut ihm eher mit Krankheiten in Verbindung steht oder dem negativen Ruf von Glyphosat, setzt er sich ebenfalls auseinander. Auch die Rückstandsproblematik erwähnt er. Weil Messungen heute so genau sind wie nie, könne letztlich fast alles in geringsten ungefährlichen Dosen nachgewiesen werden. Der sorgsame Gebrauch von Pflanzenschutz sei das A und O und unter den heutigen Verhältnissen auch in der konventionellen Landwirtschaft gegeben.
 
Idealbild biologischer Landwirtschaft
 
Daneben beschäftigt er sich mit dem Idealbild von biologischer Landwirtschaft. Zunächst legt er dabei kurz die Grundlagen ökologischer Landwirtschaft offen, seien es die Kontrollen oder wie man Bio-Produkte überhaupt erkennt. Er kommt zum Schluss, dass biologische Landwirtschaft eine uneffektive Bewirtschaftungsform sei. Der Grund dafür liege darin, dass ihr je nach Kultur letztlich geeignete Mittel gegen Schädlinge und Krankheiten fehlen. 
 
Schwarzweißmalerei beenden
 
Das Hauptargument des Autors besticht durchaus: Konventionelle Landwirtschaft ist weder böse noch ist ökologische Landwirtschaft perfekt. So eine Schwarzweißmalerei gehört wohl eher in Märchen. Das echte Leben ist dagegen weit komplizierter als manch einer denken mag. Das Buch darf und kann daher eine Anregung zum selbständigen kritischen Denken sein. Stilistisch schwankt der Autor zwischen Unterhaltungs- und wissenschaftlicher Literatur. Diese Gratwanderung gelingt nicht immer. Auf der einen Seite versucht er eine sachliche wissenschaftliche Abhandlung des Themas, beispielsweise wenn er häufig verwendete Pestizide vorstellt. Andererseits gründet er seine Argumentation auf beiläufige Erzählungen und Trivialgeschichten aus seinem persönlichen Leben. Eine klare Trennung zwischen diesen beiden Herangehensweisen gibt es nicht.
 
Kreimels Anspruch auf Objektivität
 
Aufgrund seiner eigenen Lebensgeschichte hat der Autor den Anspruch objektiv zu sein. Während er hier dezidiert davor warnt „Öko-Scheuklappen“ zu tragen, nimmt Kreimel aus sprachlicher Sicht jedoch keine neutrale Position ein. So wird er selbst zum Schubladendenker, wenn er allen Spendenorganisationen vorwirft um Geld zu „keilen“. Eine neutrale sachdienlichere Sprache hätte der Problematik, die ohnehin wie der Autor bemerkt emotionalisiert ist, gut getan. Mit seinem Grundgedanken das Schubladendenken zur konventionellen und biologischen Landwirtschaft zu hinterfragen, trifft der Autor einen Nerv. Die Umsetzung dieser Argumentation hat jedoch Verbesserungspotential. -tg-
 
 

Artikel geschrieben von

Spanring Leopold Th.

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