Thema des Monats

An die Spitze der Informationskette

ATV hat mit der ersten Folge "Was zerstört Österreich" und eine einseitige Berichterstattung für große Aufregung in der Landwirtschaft gesorgt. Bäuerin Silvia Rath aus der Steiermark hat sich Gedanken gemacht, was Landwirte jetzt tun können.

Rath

Silvia Rath, Bäuerin aus Sebersdorf (Stmk) (Bildquelle: Privat)

„Was zerstört Österreich?“ – diese Frage diskutierte vor Kurzem der Sender ATV und machte vor allem die industrialisierte Landwirtschaft als Schuldigen dafür aus. Aussagen wie „Unmengen an Gülle, die irgendwo hin gespritzt werden“ oder „ein Ort hat mehr Schweine als Einwohner“, sind nur einige Vorwürfe, die dabei in den Raum gestellt wurden. Zwei Bauern durften sich zwar verteidigen, doch eine echte Chance hatten sie gegen die geballte Kritik kaum. Wir empören uns völlig zu Recht über diese einseitige Darstellung (siehe Seite 7 im aktuellen Heft 12/2020).

Was können wir dagegen tun? Mir hilft bei Problemen folgende Aussage: Wenn du ein Problem hast, was sollst du zuerst tun? Antwort: Darüber nachdenken, welchen Anteil ich selbst daran habe. Welchen Anteil also haben wir Bauern und unsere Vertreter an diesem Problem? Es ist die fehlende Öffentlichkeitsarbeit. Wir sehen uns zu oft als Opfer und rechtfertigen uns nur.

„Öffentlichkeitsarbeit: Wir müssen agieren, statt nur zu reagieren!“

Damit überlassen wir die Meinungshoheit den anderen, die damit die Macht über uns haben. Wir machen es den Kritikern zu leicht, negativ über die Landwirtschaft zu berichten. Denn wir reagieren nur auf negative Aussagen, aber agieren vorher nicht genügend und vor allem nicht zielgerichtet. Dadurch sind wir immer die Zweiten und die Getriebenen.

Die Welt verändert sich und es ist für die Menschen nicht mehr selbstverständlich zu wissen, wie Landwirtschaft funktioniert. Ein einzelner Landwirt kann das Ruder nicht herumreißen. Wir brauchen deshalb eine übergeordnete Stelle mit Marketingstrategen, die sich NUR mit der Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt. Diese sollte alle Maßnahmen bündeln, die für die positive und vor allem realistische Darstellung der Landwirtschaft wichtig sind.

Das können u. a. folgende sein:

  • Hilfestellung für Bauern, wie Öffentlichkeitsarbeit funktioniert;
  • das Engagement jedes einzelnen Bauern, der mit Menschen in seiner Umgebung spricht und ihnen erklärt, was er warum tut;
  • Weiterbildung von Landwirten im Umgang mit sozialen Medien, der Presse und in der Argumentation;
  • wir müssen den Konsumenten daran erinnern, dass auch er eine Verantwortung für seine Forderungen trägt;
  • ein eigenes Medium, das die Konsumenten erreichen kann;
  • Information der Konsumenten auf Messen, Bauernmärkten, durch Infostände in Fußgängerzonen, Infokampagnen, Vorträge etc.;
  • Rahmenbedingungen der Politik für den Umgang mit und Forderungen der NGOs und Handelsketten bzw. deren Vorgangsweisen, um die Landwirtschaft und die bäuerlichen Betriebe zu schützen und ihnen Rechtssicherheit zu geben.

Die Realität ist, dass die öffentliche Meinung und der Druck daraus massiven Einfluss auf die Gesetzgebung haben. Positiv beeinflussen können wir das nur, wenn wir agieren, anstatt zu reagieren. Denn dann sind wir die ersten in der Informationskette und können gezielt mitgestalten.


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