Vetmeduni warnt:

Augenwürmer breiten sich aus

Rot gefärbte Augen, Ausfluss und Bindehautödem - das können die Anzeichen für eine Augen-Infektion durch den „orientalischen Augenwurm“ bei Haustieren und Menschen sein. Eine soeben erschienene Studie der Vetmeduni Vienna erhärtet den Verdacht, dass sich die Infektionen auch in Österreich ausbreiten.

So schaut der winzig kleine Thelazia callipaeda - "orientalischer Augenwurm" aus. (Bildquelle: Georg Duscher/Vetmeduni Vienna)

In den letzten 30 Jahren wurde vom „orientalischen Augenwurm“ Thelazia callipaeda in zunehmendem Maße als Erreger von Augeninfektionen bei Tieren und Menschen in ganz Europa berichtet. Der von speziellen Fruchtfliegen übertragene Fadenwurm befällt den Bindehautsack und die damit verbundenen Augengewebe von Haus- und Wildraubtieren, aber auch von Menschen. Eine von T. callipaeda hervorgerufene Augenerkrankung kann eine Vielzahl klinischer Anzeichen aufweisen, die von leichten bis zu schweren Augenerkrankungen reichen.

Nach den kürzlich in Österreich zum ersten Mal festgestellten Fällen von Thealziosen bei Hunden beschreiben die WissenschafterInnen der Vetmeduni Vienna in der vorliegenden Arbeit den ersten Fall einer T. callipaeda-Infektion bei einer österreichischen Katze ohne vorangehenden Auslandsaufenthalt. Dieser Befund ist ein deutlicher Beleg für die Vermutung, dass der Übertragungszyklus des Parasiten mittlerweile direkt auf heimischem Boden stattfindet.

Die erkrankte Katze aus Deutschlandsberg (Stmk.) zeigte serösen Augenausfluss, konjunktivale Hyperämie (rote Färbung) und ein schwaches Bindehautödem im rechten Auge. Die mechanische Entfernung des Parasiten aus dem Katzenauge in Kombination mit einer oralen Behandlung mit Milbemycin oxim/Praziquantel und der topischen Anwendung von Tobramycin/Dexamethason-Augentropfen führte zu einer vollständigen Beseitigung der klinischen Symptome innerhalb von zwei Wochen.

Zunahme an Erkrankungen bei Mensch und Tier

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sind von großer Bedeutung, da die für die Erkrankung verantwortlichen zoonotischen Parasiten in Österreich bisher weitgehend unbekannt sind. Mitautor Georg Duscher, Stv. Leiter des Institutes für Parasitologie der Vetmeduni Vienna, betont: „Aufgrund der vorliegenden Daten ist ein verstärktes Bewusstsein bei MedizinerInnen und VeterinärmedizerInnen unerlässlich, um weitere Infektionen bei Tieren und Menschen zu verhindern. Aktuelle Vergleichsdaten aus Spanien geben außerdem zur Vermutung Anlass, dass in den kommenden Jahren eine Ausweitung auf neue Gebiete in Österreich und eine deutliche Zunahme an Erkrankungen zu erwarten ist.“

Erreger aus dem Fernen Osten erobert Europa

Da der Fadenwurm ursprünglich in Ländern des Fernen Ostens vorkam, wird er häufig als „orientalischer Augenwurm“ bezeichnet. Allerdings wurde bereits 1989 in Italien der erste europäische Fall einer von diesem Parasiten hervorgerufenen Augenerkrankung beschrieben. Im neuen Jahrtausend wurde T. callipaeda auch zunehmend bei Tieren aus Frankreich (2007), der Schweiz (2008), Deutschland (2010), Spanien (2011), Portugal (2012), Bosnien und Herzegowina (2014), Kroatien (2014), Serbien (2014), Rumänien (2015), Bulgarien (2016), Ungarn (2016), der Slowakei (2017) und Griechenland (2015) nachgewiesen.

Genauer Ausbreitungsweg des Parasiten noch unbekannt

Die Art und Weise, wie dieser Parasit in Österreich eingeführt wurde, ist bis dato unbekannt. Eine der möglichen Erklärungen ist, dass T. callipaeda über Reisen mit Haustieren, illegalen Handel mit Haustieren oder den Import und Export von streunenden Hunden aus Osteuropa nach Österreich gekommen sein könnte. Ein anderes Erklärungsmodell bringt die Ausbreitung des Parasiten mit der Wanderbewegung infizierter Wildraubtiere, insbesondere Füchsen oder Goldschakal, in Zusammenhang. Dazu Adnan Hodžić vom Institut für Parasitologie der Vetmeduni Vienna: „Die Übertragung durch Wildtiere ist ein plausibles Szenario, das die Einführung des Augenwurms in Österreich erklären könnte. Zukünftige Studien sollten sich daher auf Wildtiere konzentrieren, um deren Rolle in der Ökoepidemiologie dieses Zoonose-Parasiten zu bewerten.“

Artikel geschrieben von

Torsten Altmann

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