Matrei

Die Jugend sagt Nein zum Wolf

Die im Mai in Matrei tot gefundenen Schafen wurden von einem Wolf gerissen. Das ergab die DNA-Analyse. Neben Landesrat-Stellvertreter Josef Geisler fordert auch die Landjugend Osttirol eine Lösung. Diese spricht sich gegen eine Ausbreitung des Wolfes aus.

Wolf

Der nachgewiesene Wolf stammt aus der italienischen Population. (Bildquelle: pixabay.com)

Jene zwei tot aufgefundenen Schafe, die am 7. Mai auf einer Heimweide im Gemeindegebiet von Matrei in Osttirol, sowie jene drei Tiere, die am 18. Mai in Zedlach, ebenfalls Matrei, gemeldet und untersucht wurden, sind nachweislich von einem Wolf gerissen worden. Das hat die DNA-Analyse der entnommenen Tupferproben ergeben. Dass bei den Rissen aufgrund der Bissspuren und Verletzungen von einem Wolf als Verursacher ausgegangen werden musste, war bereits klar.

Der nachgewiesene Wolf stammt aus der italienischen Population. Um welches Individuum es sich handelt, lässt sich derzeit nicht sagen. Aktuell liegen der Behörde keine weiteren Meldungen über Risse oder Sichtungen aus der Region um Matrei vor. Ein aktuell gemeldeter Riss im Gailtal wurde vom zuständigen Amtstierarzt begutachtet. Aussagen über den möglichen Verursacher können keine getroffen werden, die entnommenen Proben werden zur DNA-Analyse geschickt.

JB/LJ Osttirol

Simon Staller und Manuela Leiter, Bezirksobleute der Jungbauernschaft/Landjugend Osttirol, fordern von der Interessensvertretung eine zeitnahe Lösung bezüglich Wolf. (Bildquelle: JB/LJ Osttirol)

Herdenschutz sehr schwierig

Auch die Landjugend Osttirol äußert sich zum Thema Wolf: „In Gesprächen mit Vereinsmitgliedern, Freunden und Bekannten hört man eines sehr deutlich heraus: Die Sorge ist groß. Das beginnt bei den Jungbauern, die überlegen, ob sie ihre Schafe, Ziege und Kühe heuer überhaupt auf die Alm bringen können“, berichtet Bezirksobmann Simon Staller aus Matrei.

Von Seiten des Landes wird empfohlen, die Tiere mit Elektrozäunen zu schützen. Weiters soll das Vieh in der Nacht im Stall untergebracht werden. Wer aber die Situation vieler unserer Weidehalter kennt, der weiß, dass dies kaum umsetzbar bzw. zuzumuten ist. Die Problematik beim Herdenschutz geht aber noch viel weiter. Da eine Einzäunung auf vielen Almen gar nicht denkbar ist, bleibt nur die Möglichkeit, die Herden mittels Herdenschutzhunden zu schützen. Ohne hier auf die ganze Kostenproblematik einzugehen, bleibt auch noch ein anderes nicht unwesentlicheres Problem, nämlich der Tourismus! Können Touristen in Zukunft noch ohne weiteres in unseren Bergen wandern? Von den notwendigen Herdenschutzhunden geht nämlich eine weitere Gefahr aus. Ganz zu schweigen davon, wie unsere Almen und Berge aussehen, wenn sie nicht mehr von den Nutztieren abgegrast werden.

Weitreichende Folgen, nicht nur für Jungbauern

„So kann sich nun jeder selbst die Frage stellen, ob ein Miteinander von Landwirtschaft, Tourismus und Wolf in Osttirol möglich ist. Wollen wir weiterhin gepflegte Almlandschaften, die auch touristisch genutzt werden können?“, gibt Bezirksleiterin Manuela Leiter zu bedenken. Eine Ausbreitung des Wolfes hat zur Folge, dass die Bauern früher oder später die Almen nicht mehr bewirtschaften. So kommt es zu einer kompletten Verwilderung der Almen und infolge wahrscheinlich auch ganzer Talschaften. Die Auswirkungen für die Bevölkerung sind weitreichend. Dazu zählen fehlender Erosionsschutz durch nicht beweidete Gebiete. Mangelnde Photosynthese-Leistung und weniger CO2-Bindung treiben den Klimawandel voran. Schließlich fehlen unsere regionalen Produkte in gewohnter Top-Qualität.
„Die Osttiroler Jungbauernschaft/Landjugend ist klar gegen eine Ausbreitung des Wolfes im Bezirk und fordert von den Interessensvertretern eine zeitnahe Lösung des Problems!“, beziehen die Bezirksobleute Stellung. „Denn hier geht es um unsere Bauernfamilien, Hofübernehmer sowie den Osttiroler Tourismus und nicht zuletzt um die gesamte ländliche Bevölkerung.“

Wirkungsvolles Wolfsmanagement gefordert

Zu der von der Gemeinde Matrei am 18. Mai verfassten und am 27. Mai an das Land Tirol übermittelten Resolution, in der ein "wirkungsvolles Wolfsmanagement durch das Land Tirol in Form einer Entnahme" gefordert wird, sagt LH-Stellvertreter Josef Geisler: "Wir nehmen die Ängste der Bevölkerung und die Sorgen der Tierhalter sehr ernst und beobachten die Situation genau." Durch den hohen EU-Schutzstatus für große Beutegreifer seien dem Wolfsmanagement rechtlich aber äußerst enge Grenzen gesetzt. Innerhalb des EU-Rechtsrahmens habe man in Tirol bereits alle Voraussetzungen geschaffen. Für die Resolution sei das Land Tirol somit der falsche Adressat, sie werde deshalb an das EU-Parlament und den Nationalrat weitergeleitet sowie dem Petitionsausschuss des Tiroler Landtags zur Kenntnis gebracht. "Seitens des Landes werden wir weiterhin unser Möglichstes tun", versichert Geisler.

In der ersten Maihälfte wurden in Tirol auch mehrere Rehrisse gemeldet, bei denen ein Wolfsverdacht geäußert wurde. Ein Reh im Gemeindegebiet von Landeck, eines im Kaunertal und ein weiteres in Kals am Großglockner wurden jedoch von einem Fuchs getötet. Die Proben eines weiteren Rehrisses aus Matrei sind noch ohne Befund und müssen weiter untersucht werden. Noch nicht aus Wien eingetroffen sind die Ergebnisse der DNA-Analyse von den Proben in Serfaus.


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