Oberösterreich

Die liebsten Osterbräuche von Bäuerinnen

Rund um Ostern gibt es zahlreiche Bräuche und Traditionen. Sechs Bäuerinnen aus Oberösterreich stellen ihre liebsten Oster-Momente vor.

Haider

„Osterbräuche geben Halt und stärken auch in Corona-Zeiten das Gemeinschaftsgefühl“, sagt Landesbäuerin Johanna Haider. (Bildquelle: Privat)

Bräuche gehören zu Ostern dazu wie das Ei zum Osternest. Dabei sind sie so verschieden, wie die Eier bunt sind. Jede Gegend hat ihre eigenen Bräuche und ihre eigenen Deutungen, ja fast in jedem Ort oder gar in jeder Familie werden die Bräuche ein bisschen anders gelebt. Die Bäuerinnen im OÖ Bauernbund erzählen von ihren Lieblingsbräuchen.

1) Segen durchs Osterfeuer

Das Entzünden des Osterfeuers um 5 Uhr früh ist der Oster-Moment für Landesbäuerin Johanna Haider. "Da stehe ich jedes Jahr gerne früh auf, um dabei zu sein, wenn die Menschen ihre mitgebrachten Palmbuschen vom vergangenen Jahr in das Osterfeuer geben und dann gemeinsam den Segen erbitten“, schwärmt Johanna Haider. Gerade diese jährlich wiederkehrenden Fixpunkte – wenn es genauso wie im letzten Jahr sein muss – mögen die Menschen: Wohl deshalb, weil es Orientierung gibt, es vielleicht an die eigene Kindheit erinnert und man sich darauf verlassen kann.

2) Das „Weihscheitl“

Von einem besonderen Brauch berichtet da auch Sabine Herndl, Bezirksbäuerin von Kirchdorf: Das „Weihscheitl“ – ein Brauch, der in Inzersdorf auch von der jungen Generation noch gelebt wird. „Am Karsamstag wird bei der Messe ein Osterfeuer in einer Feuerschale entzündet und geweiht. Das mitgebrachte Holzscheitl, das schon über Generationen im Haus gelagert ist, wird kurz in die Feuerschale gehalten, angebrannt, gelöscht und wieder nach Hause mitgebracht und dort bis zum nächsten Jahr verstaut. Dieses soll den Hausstand vor einem Brand schützen“, erzählt Sabine Herndl.

3) Eier färben

Alle Farben spielt das Eierfärben bei Christina Huber, Bezirksbäuerin von Braunau. Das gemeinsame Eierfärben ist für sie die „schönste Ostererinnerung“: „Das war damals in meiner Kindheit zusammen mit meinen Geschwistern und Mama so und genauso mache ich es auch mit meinen Kindern“, sagt sie. „Eine Herausforderung ist dabei immer zu entscheiden, wer bekommt wieviele und vor allem welche Farben. Ist das einmal geklärt, wird mit Eifer gefärbt und danach verglichen, wer die schönsten Eier gefärbt hat“, erzählt die Bäuerin von aufregenden Nachmittagen.

4) Eier pecken

Nach dem Färben geht es natürlich ans Pecken. „Beim Eierpecken hat jeder seine ganz eigenen Kriterien für das perfekte Peckei. Ist der breiteste ´Hintern´ des Eies oder doch die stabilste Spitze ausschlaggebend?“, fragt sich Christina Huber jedes Jahr aufs Neue. Fix ist jedenfalls: Nach dem Pecken werden die Eier verspeist – so wie die Osterhasen, die Christina Huber mit ihren Kindern jedes Jahr bäckt. „Er wird halt immer mit ein bisschen Wehmut angeschnitten, da er laut meinen Kindern einfach zu putzig ist, um ihn zu essen.“

5) Die Weihkorb-Jause

Wann die guten Speisen des Weihkorbes gegessen werden, ist von Familie zu Familie verschieden. Die einen verspeisen es nach der Auferstehungsfeier am Karsamstag, die anderen am Ostermorgen oder erst zu Mittag am Ostersonntag. Gleich oder zumindest ähnlich ist hingegen der Inhalt des Weihkorbs. „Gefärbte Eier, Brot oder Ostergebäck, Geselchtes oder Speck, Kren und Salz gehören jedenfalls hinein“, sagt Anni Kohler, Brauchtumskennerin aus Gunskirchen. „Die geweihten Speisen sollen auf die ganze Familie aufgeteilt werden und wichtig ist, dass zusammengegessen wird. Dann wird man im kommenden Jahr nicht an Hunger leiden“, erzählt sie von der überlieferten Bedeutung und fügt hinzu: „Deshalb sollen im Weihkorb auch nicht zuviele Speisen drinnen sein.“ Früher war es außerdem Brauch, „auch den Tieren ein Stückl Brot zu geben, damit auch sie den Segen haben“, sagt Kohler.

6) Das Gebildbrot

Der süße Germteig – geformt zu Hasen, Zöpfen, Kränzen oder Striezel – darf natürlich am Ostermorgentisch auch nicht fehlen. „Das Backen dieser süßen Köstlichkeiten gehört für mich zu Ostern einfach dazu“, sagt Klaudia Ritzberger, Bezirksbäuerin von Eferding. Pinzen, Striezel, Osterkranzerl und Biskuithaserl zieren den Frühstückstisch der leidenschaftlichen Köchin und Bäckerin am Ostermorgen. Das Festtagsgebäck trägt sogar einen eigenen Namen: Gebildbrot sagt man dazu. Es wird zu festlichen Anlässen – nicht nur zu Ostern – aus süßem Germteig geformt und soll – wie eigentlich alles rund um Ostern – Segen bringen. Und obendrein schmeckt es hervorragend.


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