Salzburg

"Großarler Problemwolf" darf doch nicht entnommen werden

Den Bescheid zum Abschuss des Problemwolfs im Großarltal hat das Salzburger Landesverwaltungsgericht aufgehoben. Das kommt für Experten nicht überraschend.

Wolf

Im Juni und Juli 2019 hat ein Wolf im Salzburger Toferntal insgesamt 24 Schafe getötet. (Bildquelle: pixabay.com)

Ein Wolf hatte im Sommer 2019 insgesamt 24 Schafe getötet, drei Rinder und weitere Nutztiere wurden vermisst und sind nie wieder aufgetaucht. Das Tier wurde daher auf Basis des Salzburger Wolfsmanagementplans als "Problemwolf" eingestuft, die Agrargemeinschaft stellte den Antrag auf Entnahme. Fast ein Jahr später hat die Bezirkshauptmannschaft St. Johann entschieden, dass dem Antrag stattgegeben wird. Das Salzburger Landesverwaltungsgericht hat den Bescheid zum Abschuss des Problemwolfs auf der Tofernalm im Großarltal jetzt aber aufgehoben.

Sechs Wochen Frist für Beschwerde

"Ich bin von der Aufhebung wenig überrascht. Das Landesverwaltungsgericht hat nun festgestellt, dass den Antrag auf Entnahme der Jagdinhaber und nicht die Agrargemeinschaft stellen hätte sollen. Die Behörde hätte dann einen jagdbehördlichen Auftrag erteilen müssen. Das ist alles Theorie, denn der Bescheid wäre ohnehin nur bis 31. Dezember gültig gewesen, und der Wolf ist vermutlich schon über alle Berge", so der Wolfsbeauftragte des Landes, Hubert Stock. Sechs Wochen beträgt nun die Frist, Beschwerde gegen die Aufhebung des Bescheides einzubringen. Die DNA des Problemwolfs vom Großarltal ist im Frühling 2020 zuletzt am Gerlos festgestellt worden, mehr als 100 Kilometer entfernt.

"Der Rechtsstaat ist zu akzeptieren. Ich gebe allerdings zu bedenken, dass es zirka 25.000 Wölfe in Europa gib. Experten rechnen in sieben Jahren mit 100.000 Tieren. Ich will mir nicht ausmalen, wie schwierig es dann für unsere Land- und Almwirtschaft wird. Da brauchen wir eine praktikable Lösung", betont Agrar-Landesrat Josef Schwaiger.

Quehenberger: "Brauchen endlich eine Perspektive"

"Es bestätigt sich einmal mehr unsere Meinung, dass dieses Verfahren unbrauchbar ist", so kommentiert der Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Salzburg, Rupert Quehenberger, die Aufhebung des Bescheids. "Wir wissen, dass es sich hier um einen Präzedenzfall handelt, für die betroffenen Alm- und Bergbauern ist das dennoch eine Zumutung. Allein zum Schutz unserer Nutztiere muss in Zukunft rasch gehandelt werden können", fordert Quehenberger.

Er appelliert einmal mehr an alle zuständigen Stellen: "Die Alm- und Weidewirtschaft in Salzburg braucht endlich eine Perspektive, wie es weitergehen kann. Zäune und scharfe Hunde auf den Almen sind keine Lösung für echte Problemwölfe. Wie in anderen europäischen Ländern auch, brauchen wir die Möglichkeit schnell reagieren zu können", so der LK-Präsident. Die regionale Lebensmittelproduktion mit Weidehaltung und Almen sei die Alternative zur industriellen Landwirtschaft und zur Massentierhaltung. "Wenn wir keine praktikable Lösung für Problemwölfe finden, dann droht allen Almen das Schicksal der Tofereralm, wo heuer bereits keine Schafe mehr aufgetrieben wurden. Wir laufen Gefahr, unsere Almen zu verlieren", warnt Quehenberger.


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