Aktuelles Interview

Mehr Angebote für Mountainbiker nötig

Immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Bauern und Mountainbikern. Wie können diese gelöst werden?

Stress zwischen Mountainbikern und Grundbesitzern ist nicht neu. Jüngst wurde ein Biker sogar handgreiflich. Was ist passiert?

Pekoll: Ein Freizeitsportler, der mit dem Rad auf einer Forststraße unterwegs war, wurde vom Grundstücksbesitzer mit dem Auto aufgehalten und darauf aufmerksam gemacht, dass er sich außerhalb der Öffnungszeiten auf der Bikestrecke befindet. Danach soll es zu einem körperlichen Übergriff gekommen sein. Dies hat einen großen Imageschaden für die Biker bewirkt.

Durch dieses Beispiel ist es nicht verwunderlich, wenn Grund­besitzer zögern, Forststraßen zu öffnen oder Trails zu installieren. Welche Regeln braucht es daher?

Pekoll: Auch wenn das ein Einzelfall war, habe ich Verständnis für besorgte Waldbesitzer. Allerdings haben wir hinsichtlich „Mountainbiken“ eines der strengsten Forstgesetze weltweit. Radfahren auf Forststraßen und Waldwegen ist demnach ­grundsätzlich verboten.

Wieso kommt es immer wieder zu Konflikten mit Radfahrern?

Pekoll: Von 2017 bis 2021 wurden ca. 810.000 E-Bikes verkauft. Im Jahr 2020 haben sich 5 % der Österreicher ein neues Rad ­gekauft. Aktuell haben wir ­einfach viel zu wenig legale ­Angebote für Mountainbiker.

Welche Infrastruktur braucht es?

Pekoll: Es braucht einen Infrastrukturmix. Wir benötigen ­österreichweit 24.000 km netto an sehr leichten Strecken. In den kommenden zehn Jahren wird das Angebot das Vier- bis Fünf­fache benötigen, um Konflikte zu minimieren. Wir brauchen mehr große Trailcenter wie im Wienerwald und auch viele kleine Trailparks wie in Lannach (Stmk). Dem Tourismus entgehen mehrere Millionen € an Wirtschaftsleistung, weil wir gegenüber Mitbewerbern einen großen Nachteil haben. In einigen Regionen trifft das auch viele Bauern, die den größten Teil des Lebensunterhalts über den Tourismus verdienen.

Wie können nun Waldbesitzer und Radfahrer zusammen­gebracht werden?

Pekoll: Die einzige Lösung ist ­gemeinsam mit Waldbesitzern ein attraktives Angebot zur ­Lenkung der Mountainbiker zu schaffen. Dafür braucht es ein Paket an Werkzeugen, welches ich gerade mit Vertretern aller Interessensgruppen ausarbeite. Vieles davon wird bereits erfolgreich angewendet. Dazu gehören Musterverträge, Versicherungspolizze des Landes, Beschilderung, Öffnungszeiten, Digitalisierung der Strecken (GPX Tracks), Rettungskonzepte und einheit­liche Schwierigkeitsstufen für Routen und Trails.