Thema des Monats

Traktorunfälle: Nimm dir Zeit und nicht das Leben

Hand aufs Herz: Wann hatten Sie die letzte brenzlige Situation mit Ihrem Traktor? Es ist nicht lang her, aber glimpflich für Sie ausgegangen? Glück für Sie, aber leider passieren Tag für Tag immer wieder schwere Unfälle mit oder am Traktor in der österreichischen Landwirtschaft.

Altmann

Torsten Altmann, Redaktion top agrar Österreich (Bildquelle: Archiv)

Ein Blick auf die Schlagzeilen im Internet oder in der Zeitung reicht: „Technischer Defekt: Traktor überschlägt sich“, „Von Traktor eingeklemmt – Landwirt tot“, „Waldbauer stürzt mit Traktor 50 m in die Tiefe“ – das sind nur drei der vielen Headlines, die uns in den letzten Wochen erreichten. Oft enden diese Unfälle tödlich und bringen viel Leid für die betroffenen Familien.

In den letzten zwei Jahren kamen etwa 50 Bauern bei Traktorunfällen ums Leben. Zusätzlich verletzten sich über 100 Personen schwer. Dabei handelt es sich nicht selten auch um Nebenerwerbs- oder Hobbybauern. Häufig passiert es, wenn eine wichtige, zeitlich gebundene Arbeit ansteht – oft genug in den Nachtstunden und total übermüdet passieren dann die gravierenden Fehler. Das gilt für den Straßenverkehr, aber noch mehr für die Arbeit am Feld oder im Wald. Die meisten tödlichen Unfälle passieren auf Forst- und Feldwegen sowie auf abschüssigen Wiesen. Besonders die Forstwege bergen große Gefahren – sind sie doch in der Regel nur geschottert, häufig eng und im steilen Gelände. Fahrfehler, wie vom Weg abkommen, enden dann oft mit einem Traktorabsturz.

Vor allem dann, wenn vielleicht noch ein technischer Mangel besteht, wie z. B. abgefahrene Reifen. Oder man mit überladenem Anhänger fährt. So mahnt etwa Ewald Luger von der BLT Wieselburg,: „Viele Bauern beladen ihre Hänger nach der Devise, es geht immer mehr als erlaubt. Und besonders am Hang geht das dann oft schief.“ Luger hat die Studie „Tödliche Traktorunfälle 2019 – was man daraus lernen kann“ durchgeführt ( www.traktortest.at).

Auffällig ist auch, dass über 40 % der 2019 tödlich verunglückten Lenker mit Traktoren ohne Schutzvorrichtungen wie Überrollbügel oder Kabine unterwegs waren – und das, obwohl die schon seit rund 50 Jahren(!) vorgeschrieben sind. Auch der Gurt wird offenbar zu selten angelegt. So hätten bei den 2019 Verunglückten Schutzvorrichtungen und Sicherheitsgurt in rund 85 % der Unfälle das Leben gerettet.

Neuere Traktoren sind serienmäßig mit Gurten ausgestattet, die Fahrer müssen sie halt nur anlegen. Ältere Traktoren können mit Beckengurten einfach nachgerüstet werden. Das kostet ab etwa 50 €. Der Gurt schützt gerade bei den „kleineren“ Unfällen, bei denen der Traktor nur umkippt. Angegurtet kann der Fahrer nicht aus der Kabine fallen und unter dem Traktor oder Anbaugerät eingeklemmt und tödlich verletzt werden.

Abschließend noch drei Appelle zur Bewusstseinsbildung:

  • Zeitdruck provoziert Fehler! Auch wenn es häufig schwer fällt, versuchen Sie, sich ausreichend Zeit für die zu erledigenden Arbeiten zu nehmen.
  • Waldarbeit ist Teamarbeit! Wenn Sie Arbeiten im Wald zu erledigen haben: Tun Sie dies möglichst nicht allein.
  • Nicht zu vergessen: Handy weg am Steuer! Lassen Sie sich nicht durch Ihr Smartphone ablenken. Auch dies hat bereits zu schweren und auch tödlichen Unfällen geführt.

Unterm Strich können Sie also viel selbst dazu beitragen, sicherer mit dem Traktor unterwegs zu sein.


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