Wolf

Problemwolf im Bezirk Kitzbühel treibt sein Unwesen

Auf der Naringalm in Kössen kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Rissen durch einen Wolf. Es wurden rund 20 Schafe getötet, mehrere sind noch abgängig. Bauernvertreter fordern mehr Gehör von der Politik, Problemwölfe entnehmen zu dürfen.

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Ein Wolf soll in Kössen und Walchsee über 30 Schafe getötet haben. (Bildquelle: pixabay.com)

Rund 3.500 Schafe werden im Bezirk Kitzbühel gehalten. Knapp 90 Stück von insgesamt sechs Betrieben verbringen den Sommer normalerweise auf der Naringalm in Kössen. Almbewirtschafter Leonhard Mühlberger ist für sie verantwortlich. In der Vorwoche musste er die Herde von der Alm abtreiben. "Wir hatten heuer bereits drei Wolfsangriffe, wobei insgesamt über ein Viertel der Tiere getötet wurden. Eines haben wir so schwer verletzt gefunden, dass wir es notschlachten mussten", erklärt der Landwirt. Auf Anraten der Amtstierärztin hat er die Notbremse gezogen. Seine Kühe sind nach wie vor auf der Alm. Das muss auch so sein: "Die Alm ist für unseren Betrieb wichtig. Die Tiere weiden den Sommer über dort und wir können das Futter von den Talflächen für den Winter einbringen."

Lange Wartezeit auf DNA-Analyse

Obwohl die ersten Risse bereits vor über einem Monat passierten, sind die Ergebnisse der DNA-Proben erst diese Woche eingetroffen. Dass die Tests so lange dauern, kritisiert Bezirksobmann Josef Heim: "Das kann es nicht sein, auch in Walchsee gab es Risse, wahrscheinlich hat ein und derselbe Wolf in dieser Zeit über 30 Schafe getötet. Somit ist er aus unserer Sicht klar als Problemwolf zu definieren und zu entnehmen. Wenn aber die Auswertung der Proben so lange dauert, wird es nie zu einer Entnahme kommen, da der Wolf dann eventuell schon wieder in einem anderen Bezirk und somit in einem anderen Zuständigkeitsbereich wütet."

Gerade für die junge Generation an Hofübernehmern ist das eine frustrierende Situation. Das unterstrich auch Stephanie Hörfarter, selbst Bäuerin und Landesleiterin der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend: "Der Anspruch jeder Bäuerin und jedes Bauern ist es, gut zu wirtschaften, den Hof zu erhalten - nicht nur aus eigenem Antrieb, sondern auch, um für die nächsten Generationen eine gute Basis zu schaffen. In den letzten Jahrzehnten sind immer mehr Auflagen dazugekommen, immer höhere Standards werden eingehalten. Der Preis der erzeugten Produkte spiegelt diesen enormen Aufwand leider nicht in der gebührenden Weise wider. Über 80% der Betriebe werden tirolweit im Nebenerwerb geführt. Wenn jetzt noch verlangt wird, dass die Almen wolfssicher verbarrikadiert werden sollen, ist ein Punkt erreicht, wo viele einfach aufhören werden!"

Kein rein bäuerliches Problem

Die Wiederansiedelung von Wölfen ist nicht nur ein Problem für die bäuerliche Welt, sondern weit darüber hinaus. Deshalb wurde in der Vorwoche der "Verein zum Schutz und Erhalt der Land- und Almwirtschaft in Tirol" gegründet. Neben Vertretern verschiedener bäuerlicher Organisationen unterstützen auch Tourismus- und Freizeitwirtschaft sowie der Gemeindeverband die Forderung nach einer Senkung des Schutzstatus von Wölfen. Zusätzlich soll auch Bewusstseinsbildung betrieben werden, wie Vorstandsmitglied und Landwirtschaftskammer (LK) Tirol-Vizepräsidentin Helga Brunschmid erklärt: "Es soll aufgezeigt werden, wie die Realität für die Bäuerinnen und Bauern aussieht, wie es ist, wenn sie ihre Tiere zerbissen auf den Almen zusammensuchen müssen. Damit muss auf EU-Ebene ein Bewusstsein für ihre Situation geschaffen werden, damit der strenge Schutzstatus des Wolfes gesenkt wird. Viele sagen uns, es ist ein Kampf ohne Aussicht auf Erfolg. Dennoch müssen wir alles versuchen, um das Unmögliche möglich zu machen, sonst mag ich mir gar nicht vorstellen, wie die Situation in Tirol - nicht nur in der Landwirtschaft - in ein paar Jahren aussieht."

"Tirol ist touristisch nur deshalb so erfolgreich, weil es eine wunderschöne, gepflegte Kulturlandschaft in Kombination mit hervorragender Infrastruktur anbietet. Dazu zählen auch beste Lebensmittel, Servicequalität usw.", ergänzte Bezirksbauernbund-Obmann Josef Edenhauser. Das alles werde durch die Wiederansiedelung der Wölfe aufs Spiel gesetzt. "Unser Ziel muss es sein, Tirol als Region auszuweisen, die aufgrund ihrer landwirtschaftlichen Struktur sowie der Tradition der Almwirtschaft einen besonderen Schutzstatus genießt. Bis wir soweit sind, lassen wir die Bäuerinnen und Bauern natürlich nicht mit den Problemen alleine. Gerade finanzielle Aufwendungen zum Schutz der Tiere müssen selbstverständlich entschädigt werden."


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