Steirische Almen bedroht

Klimawandel, Beutegreifer wie der Wolf und umfassende Bewirtschaftungsauflagen für Hüttenbetreiber sorgen bei den steirischen Bauern für große Sorgenfalten. Anlässlich des Almtages rief Agrarlandesrat Johann Seitinger zu einem gemeinsamen Schulterschluss zur Aufrechterhaltung der Almen auf.

Die jahrhundertealte Tradition der Bewirtschaftung von Almen, die noch heute von Natursuchenden, Bergfreunden und Wanderern genossen wird, kommt immer mehr unter Druck. (Bildquelle: pixabay)

Die Steiermark hat mit 40.000 ha das größte zusammenhängende Almgebiet Österreichs. Die knapp 2.000 Almen im Bundesland sind nicht nur ein wertvoller Natur-, Erholungs- und Kulturraum, sondern vor allem auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Landwirtschaft und vor allem für den Tourismus.

Es wird wärmer in den Bergen

Der Klimawandel und seine dramatischen Auswirkungen machen auch vor der heimischen Berg- und Almlandschaft nicht halt. Ganz im Gegenteil: Ein Ansteigen der Temperaturen um nur 1 °C würde bedeuten, dass die Waldgrenze um 180 m nach oben wandert und damit große Almflächen einnimmt. Hält dieser klimatische Druck an, ist davon auszugehen, dass große Almgebiete nicht nur massiv an Trockenheit leiden, sondern auch Wasserquellen versiegen und damit große Weideflächen verloren gehen werden.

Der Leidensdruck durch den Wolf steigt

Rund 100 Wolfsrudel leben zurzeit im gesamten Alpenraum und geschätzte 30.000 Wölfe in ganz Europa. Ein Vergleich lässt die Dimension erkennen: Zirka 10.000 dieser großen Beutegreifer gibt es gegenwärtig in den USA. Bei einer Reproduktionsrate zwischen 30 und 47% ist das Potenzial einer rasanten Vermehrung der Wölfe in der Steiermark durchaus gegeben. Für massive Verunsicherung bei den steirischen Almbauern und einen enormen Sachschaden haben in den vergangenen drei Jahren die mehr als 100 von Wölfen gerissenen Nutztiere gesorgt. Als Konsequenz daraus haben bereits zahlreiche Almbauern angekündigt, ihre wertvollen Zuchttiere keinesfalls mehr aufzutreiben, da sie die Tiere nicht mehr dem Risiko einer Wolfsjagd aussetzen wollen. "Die Herausforderung in der Almwirtschaft besteht darin, die Bejagung von Wölfen zur Bestandsregulierung zu ermöglichen sowie eine Beweislastumkehr bei vermuteten Wolfsrissen sicherzustellen. Ein Einzäunen von Hochalmen und hochalpinen Gebirgszügen sowie ein Behirten mit Hirtehunden ist weder technisch möglich noch finanziell leistbar", zeigt Seitinger auf.

Regulierungswahn gefährdet Almhüttenbewirtschaftung

Die heimischen Almen verfügen über einen hohen kulturellen Wert in der Gesellschaft, wenn es um die Lebensqualität und die Gesundheit geht. Auch die steirische Kulinarik ist eng mit der Almwirtschaft verbunden. Jedoch ist ein besorgniserregender Trend zu mehr Auflagen in den verschiedensten Bereichen - von der technischen Betriebsausstattung bis hin zu kurzzeitigen Kontrolluntersuchungen - zu erkennen. Die jahrhundertealte Tradition der Bewirtschaftung von Almen, die noch heute von Natursuchenden, Bergfreunden und Wanderern genossen wird, kommt damit unter Druck. Sollte es hier keinen Umkehrschub geben, würden diese Köstlichkeiten aus der kulinarischen Schatzkammer der Steiermark früher oder später verschwinden, ist der Agrarlandesrat überzeugt: "Wenn wir die Almwirtschaft nachhaltig retten wollen, müssen wir die Sorgen der Bewirtschafter ernst nehmen und umgehend pragmatische Lösungen finden und in die Tat umsetzen. Für trostreiche Worte ist es zu spät."

Tourismus auf Almen in Gefahr

Auch Anton Hafellner, Obmann des Steirischen Almwirtschaftsvereins, fordert umfassende Lösungen ein, damit dieser große kultur- und artenreiche Lebensraum weiterhin erhalten bleiben kann: "Wenn Almen nicht mehr bewirtschaftet werden, ist unser Landschaftsbild innerhalb weniger Jahre nicht mehr erkennbar und der hohe touristische Wert auch nicht mehr gegeben."

Seitinger verweist abschließend auf weitere wichtige Funktionen bewirtschafteter Almen: "Sie sind nicht nur ein unverzichtbarer Lebensraum für die Gesunderhaltung unserer Tierbestände, sondern auch ein zunehmend wichtiger Tourismus- und Erholungsfaktor in der Steiermark geworden. Darüber hinaus stellen unbewirtschaftete Almen auch einen Hochrisikofaktor im Bereich der Schneelawinen dar, der in der Folge mit sündteuren technischen Schutzeinrichtungen gesichert werden müsste." Auf das Almurteil eingehend, dankt er der Bundesregierung für die rasche Umsetzung und Beschlussfassung der notwendigen Gesetzesänderungen und die neuen Verhaltensregeln für Wanderer.

Artikel geschrieben von

Beate Kraml

Redaktion

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