Osttirol

Wolf reißt dutzende Schafe

Seit zwei Wochen halten Wolfsrisse die Osttiroler Schafbauern in Atem. Insgesamt wurden fast 40 gerissene Schafe und Lämmer gefunden, dutzende Tiere werden noch vermisst. Die ersten Ergebnisse der DNA-Untersuchung bestätigen den Wolf.

Hansi und Markus Hanser aus Lavant haben Angst um ihre Schafe. (Bildquelle: Privat)

„Schon seit einigen Wochen haben wir immer wieder Kadaver einzelner Schafe auf unserer Gemeinschaftsalm gefunden“, berichtet Schafbauer Hansi Hanser (Lavant, Osttirol). „Erst haben wir uns nichts dabei gedacht. Auf Almen kommt es immer mal wieder vor, dass Tiere vom Blitz getroffen werden oder beim Lammen verenden. Irgendwann haben wir aber Verdacht geschöpft.“

Ein Forstarbeiter wurde in der vergangenen Woche auf die fünf Alm-Esel aufmerksam, die auffällig im Kreis standen. Beim näheren Hinsehen entdeckte er ein schwerverletztes Lamm in deren Mitte. Die Lavanter Bauern waren alarmiert und beschlossen ihre Tiere am nächsten Tag vorzeitig abzutreiben. Auch in dieser Nacht wurde ein weiteres Schaf frisch gerissen. Von beiden Tieren wurden vom Amtstierarzt Proben genommen, die nun am Institut für Wildtierkunde an der Veterinärmedizinischen Uni Wien analysiert werden. Das Ergebnis liegt jetzt vor: Es wurde dabei die DNA eines Wolfs aus der italienischen Population nachgewiesen. Das Ergebnis zur Bestimmung des genauen Individuums steht derzeit noch aus.

Viele Tiere noch vermisst

„Von 196 aufgetriebenen Schafen konnten wir nur 120 ins Tal zurückbringen“, berichtet Hanser. „Rund 20 Tiere wurden tot oder verletzt aufgefunden, von den restlichen 55 Stück fehlt jede Spur!“ Ein ähnliches Bild bot sich auf der nur 10km entfernten Leisacher Kofel-Alm. Dort wurden 18 Tiere gerissen, 30 werden noch vermisst. Hier bestätigen nun die Ergebnisse von drei der insgesamt acht genommenen Proben die DNA eines Wolfs aus der italienischen Population.

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Eines von vielen gerissenen Schafen in Osttirol. Allein auf der Leisacher Kofel-Alm wurden 18 Tiere gerissen, 30 werden noch vermisst. (Bildquelle: Privat)

„Gemeinsam versuchen wir nun, das Thema in Ruhe aufzuarbeiten. Momentan sind wir Bauern täglich dabei, die vermissten Tiere zu finden“, so Hanser. „Außerdem bemühen wir uns um Entschädigungen. Und das nicht nur für die beprobten, sondern für alle gerissenen Tiere! Wenn dann auch die DNA-Ergebnisse feststehen wollen wir an Politik und Bauernvertreter herantreten. Wir fordern, den Schutzstatus des Wolfes zu senken und den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen.“

"Treiben nur mehr auf, wenn Schutzstatus gesenkt wird"

Für die betroffenen Bauern ist das unabdingbar, denn „wir werden nächstes Jahr keine Schafe auftreiben, wenn wir genau wissen, dass dort oben der Wolf ist“. Ohne Schafe keine Beweidung, keine Pflege der Kulturlandschaft, keine Offenhaltung der Almen, keine Erholungsgebiete für Einheimische und Touristen.

„Außerdem bedroht der Wolf unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft. Es muss auch den Verbrauchern klar sein, dass es damit auch unser Qualitätsprodukt, das „Tiroler Lammfleisch“, nicht mehr geben wird!“, meint Hanser. Für ihn sind Wolf und Almwirtschaft nicht vereinbar.

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Ein Blick auf das Gelände der Almen von Hansers. Hier braucht es nicht viel Vorstellungskraft um zu wissen, dass dort Herdenschutz schwierig ist. (Bildquelle: Privat)

„Ein Herdenschutz mit Zäunen ist auf 1.800 bis 2.500 m ist bei uns nicht möglich!“ Seine fünf Esel schaffte er bewusst als Herdenschutztiere an. Sie schlagen kleinere Beutegreifer wie Füchse erfolgreich in die Flucht. Beim Wolf hat das nicht funktioniert.


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