Wolfstudie: "Problemwölfe müssen entnommen werden"

An einem Wolfsmanagement führe kein Weg vorbei, betont Klaus Hackländer von der Universität für Bodenkultur bei der Präsentation seiner Studie zur Rückkehr des Wolfs im Alpenraum. Zäune und Herdenschutzhunde wären zu kostspielig und kaum umsetzbar, um Nutztiere vor Wölfen zu schützen.

Laut Hackländer ist auch der Westen Österreichs für Wolfsrudel attraktiv. (Bildquelle: pixabay)

Durchziehende Wölfe in Salzburg, Rudel in anderen Bundesländern und zahlreiche Risse von Nutztieren in den vergangenen Jahren sorgen für Verunsicherung, vor allem in der Almwirtschaft, sowie für emotionale Diskussionen quer durch alle Gesellschaftsschichten. Auf Initiative von Landesrat Josef Schwaiger hat Hackländer ein Gutachten über die Auswirkungen der Rückkehr dieses Beutegreifers erstellt. Darin spricht sich der Wildtierbiologe für ein Wolfsmanagement aus.

Das Ziel ist für Landesrat Schwaiger klar: "Die traditionelle, alpenländische Landwirtschaft muss auch künftig ohne aufwendige Begleitmaßnahmen möglich sein. Zudem muss die Artenvielfalt erhalten bleiben und übermäßige Wildschäden, vor allem in Schutzwäldern, sollen verhindert werden. Dafür sind derzeit die Gesetze der EU ungeeignet. Wir müssen uns daher um eine Änderung des Schutzstatus des Wolfs bemühen. Wenn sich diese Tiere in großer Zahl bei uns ansiedeln, wird sich das Gesicht unseres ganzen Landes ändern."

Status in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie herabstufen

Wissenschafter forderten bereits 2008 in einer Studie im Auftrag der Europäischen Kommission, dass der günstige Erhaltungszustand des Wolfs nicht in Bezug auf die nationale, sondern die europäische Ebene zu betrachten ist - eine Position, die auch das aktuelle Hackländer-Gutachten vertritt. "Deshalb wird auf EU-Ebene weiter über den Schutzstatus verhandelt. Jedenfalls wird vom Land Salzburg eine Herabstufung des Status in der FFH-Richtlinie angestrebt", erläutert Schwaiger.

Problemwölfe entnehmen

"Grundsätzlich ist es aus Sicht des Artenschutzes wichtig, echte Problemwölfe zu entnehmen. Es ist zum Wohl jener Artgenossen, die sich so verhalten, wie wir es gerne hätten: Diese fressen hauptsächlich Wild und meiden die Nähe des Menschen", so das Resümee von Hackländer in seinem Gutachten. Der Universitätsprofessor weiter: "Der Wolf ist längst da. Die Frage ist jetzt, wie wir mit ihm umgehen. Lassen wir ihm alle Freiheiten oder managen wir ihn - so wie wir übrigens seit jeher jedes andere Wildtier, etwa Rotwild, auch managen."

Wolfsmanagement und Klarstellung auf EU-Ebene

An einem Wolfsmanagement führe kein Weg vorbei, so Hackländer: "Unsere Kulturlandschaft ist keine Wildnis. Es gibt Gebiete, wo es durchaus Platz gibt für Wolfsrudel, und Gebiete, wo wir nur Durchwanderer dulden können. Man muss sich also Obergrenzen überlegen. Alles, was darüber hinausgeht, wird entnommen." Eine Voraussetzung für eine Entnahme sei jedenfalls das Erreichen des günstigen Erhaltungszustandes einer Wolfspopulation, so der Experte, der weiter erklärt: "Biologisch gesehen stellen alle Teilpopulationen der Wölfe in Europa eine Gesamtpopulation dar. Anzustreben wäre deshalb in der FFH-Richtlinie eine Klarstellung, dass der günstige Erhaltungszustand nicht in Bezug auf die nationale, sondern die europäische Ebene zu betrachten ist."

Zäune technisch oft nicht möglich

Das Gutachten hält auch fest, dass in den Alpen das Errichten von Zäunen vom Boden und der Topografie her technisch oft gar nicht möglich und das Hüten mit Hunden in den Bergen zu mühsam ist. Die Almwirtschaft sei schon jetzt mehr oder weniger Liebhaberei. Die Förderungen seien gerade einmal kostendeckend, wird betont.

Auch Westösterreich für Wolfsrudel attraktiv

Insgesamt sieht Hackländer die Rückkehr des Beutegreifers für die Zukunft von Almwirtschaft und Kulturlandschaft kritisch: "Die ökologische Lebensraumtragfähigkeit in Österreich beträgt je nach Modellierung und Gewichtung der darin berücksichtigten Variablen von mehreren Hundert bis deutlich über 1.000 Wölfe. Österreich bietet großflächig attraktive Lebensräume und es ist anzunehmen, dass sich in naher Zukunft weitere Rudel auch in Westösterreich etablieren können."

Almbewirtschafter und Erholungssuchende befragt

Für das neue Gutachten wurden 1.000 Personen zu ihrem Freizeitverhalten sowie 30 Almbewirtschafter befragt. Alle Teilnehmer sehen eine permanente Wolfsanwesenheit in einem Gebiet kritisch, urbane Erholungssuchende weniger als die ländliche Bevölkerung. Alle Befragten stufen Umwege aufgrund von Herdenschutzmaßnahmen als stark negativ ein.

Die höchste Zustimmung zu möglichen Wolfsmanagementmaßnahmen gibt es dazu, dass der Bestand der Tiere regelmäßig durch Fachleute geprüft und bei Bedarf (Probleme, Verluste von Schafen und anderen Nutztieren) jeweils Ort und Anzahl der Wölfe für den Abschuss festgelegt werden sollen. Es ist für fast alle Betriebe die Wirtschaftlichkeit entscheidend, wenn es darum geht, die Almbewirtschaftung fortzuführen. Herdenschutzmaßnahmen werden von den meisten aufgrund ihrer betrieblichen Realität (zum Beispiel Nebenerwerb) als unrealistisch abgelehnt.

Bewirtschaftung von Almgebieten in Gefahr

Die Rückkehr der Wölfe wird derzeit von Landwirten noch nicht als Hauptgrund dafür genannt, die Almwirtschaft aufzugeben. Nach Ansicht der meisten Befragten könnte dieser Faktor aber in Zukunft entscheidend werden, insbesondere, wenn durch diese Beutegreifer bedeutender wirtschaftlicher Schaden oder durch notwendige Herdenschutzmaßnahmen hohe Mehrkosten und mehr Arbeitsaufwand entstehen.

"Dieser Sommer war für einige Almbauern mit einem großen wirtschaftlichen Schaden verbunden. Da aus technischen Gründen in vielen Almregionen kein sinnvoller Schutz möglich ist, ist die Bewirtschaftung in Gebieten mit regelmäßiger Wolfspräsenz künftig in Gefahr", bestätigt auch Silvester Gfrerer, Obmann des Alm- und Bergbauernvereins. Er fordert: "Wenn die Schäden durch die Wolfsangriffe überhandnehmen, ist eine Zonierung notwendig, damit einzelne Problemtiere entnommen werden können."

Eßl kritisiert Interpretation der Studie durch WWF

Der Salzburger ÖVP-Abgeordnete Franz Eßl sieht mit dieser Studie seine Forderung nach Definition eines "günstigen Erhaltungszustandes" auf europäischer Ebene bestätigt. "In Europa ist der Wolf mit rund 30.000 Stück keineswegs vom Aussterben bedroht, aber die Ausbreitung dieses Beutegreifers im Alpenraum gefährdet die heimische und traditionelle Alm- und Weidewirtschaft", betont Eßl und kritisiert in diesem Zusammenhang auch die Interpretation der Wolfsstudie durch den WWF: "Manche Organisationen sind offenbar immun gegen wissenschaftliche Studien und betriebliche Realitäten. Um ihrem Dogma treu zu bleiben, riskieren sie lieber übermäßige Wildschäden, Verunsicherung bei den Almbauern sowie das Aussterben der traditionellen Almbewirtschaftung in unserer Region." Gemeinsam mit dem Land Salzburg will sich Eßl auch weiterhin im Nationalrat für eine Änderung der EU-Richtlinie einsetzen, damit der Schutzstatus des Wolfes endlich geändert wird.

Hechenberger: Klarstellung in der FFH-Richtlinie nötig

Auch der Tiroler Landwirtschaftskammer (LK)-Präsident Josef Hechenberger sieht in der Wolfsstudie einen Beleg dafür, dass die Sorgen der Landwirtschaft und die Forderungen nach einer Klarstellung in der FFH-Richtlinie berechtigt sind. "Die Studie bringt die emotionale Diskussion auf eine sachliche Ebene. Dass der Autor dafür plädiert, die Populationen nicht auf nationaler, sondern auf europaweiter Ebene zu erfassen und zu bewerten, bestärkt unsere Linie", so der LK-Präsident. "Für uns ist klar, dass der Wolf in Tirol keinen Platz hat. Wir werden uns deshalb langfristig weiter um eine Anpassung der FFH-Richtlinie und eine damit verbundene Senkung des Schutzstatus bemühen. Mittelfristig wird es auch auf Landesebene ein geregeltes Wolfsmanagement brauchen", unterstreicht Hechenberger.

Artikel geschrieben von

Beate Kraml

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