Stromverbrauch im Kuhstall

13 Wh Strom pro Liter Milch sind das Ziel

Mit der Automatisierung steigt der Stromverbrauch in den Milchviehställen. Um ihn zu begrenzen, sind eine regelmäßige Überwachung und neue Kennzahlen wichtig. Wir haben uns das angeschaut.

Tobias Westermann hat viele Produktionszahlen parat: Die Milchleistung pro Kuh und Tag, die Anzahl der Melkzeiten pro Tier oder den Kraftfutterbedarf. Aber es gibt eine große Unbekannte: Den Stromverbrauch. „Wir wissen nur, dass wir im Jahr zwischen 130.000 und 140.000 Kilowattstunden benötigen“, sagt der junge Milchviehhalter, der mit seinem Vater Otto in Becklingen bei Bergen (Niedersachsen) 240 Milchkühe hält.

Strommessung in Echtzeit

Doch auch hier soll es jetzt eine Lösung geben. Das Center Westerstede des Herstellers Lely hat zusammen mit der Effizienzberatungsfirma meistro aus Ingolstadt ein Projekt gestartet, um den Stromverbrauch in neuen Milchviehställen zu erfassen. „Wir wollen Kennzahlen ermitteln und Betriebe vergleichen: Was machen die Guten besser als die weniger Guten? Und welchen Einfluss hat die Stallplanung dabei“, erklärt Bernd Lüttmann, Vertriebsleiter beim Lelycenter Westerstede, das die Effizienzberatung von meistro für alle interessierten Milchviehhalter anbietet.

Für die Messung installiert meistro an den Sicherungsabgängen der Stromabnehmer Sensoren. Diese übermitteln Werte zum Verbrauch via Mobilfunk an ein zentrales Portal. „Wir können dabei genau ablesen, wann der Betrieb für was wie viel Strom verbraucht hat“, sagt Effizienzberater René Bergander.

Für den Betrieb Westermann als Pilotbetrieb ist die Messung kostenlos. Doch auch für andere Betriebe gibt es Unterstützung: Diese Art der Energieberatung wird aktuell durch das Bundesprogramm Energieeffizienz der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert.

Stromverbrauch gestiegen

Seit einigen Monaten läuft die Strommessung auch im Betrieb Westermann. Sensoren messen dabei verschiedene Stallbereiche wie den Melkroboter. „Wir haben die Produktion in den letzten Jahren immer stärker elektrifiziert“, sagt der Betriebsleiter. Im Frühjahr 2019 haben sie einen neuen Stall mit 255 Liegeboxen bezogen. Installiert sind u.a. vier Melkroboter und ein automatisches Fütterungssystem. „Nur so können wir heute, als Familienbetrieb, 240 Kühe melken und haben trotzdem mehr Freiraum als früher“, sagt er.

Denn vor dem Umzug in den neuen Stall hatte der Betrieb 160 Kühe im Doppelvierer-Autotandemmelkstand gemolken. Am Schluss standen sie bis zu sieben Stunden täglich im Melkstand – bei zwei Melkzeiten am Tag. Der Stromverbrauch lag allerdings nur bei 30.000 kWh.

Mit der Automatisierung und dem Anstieg der Kuhzahl hat sich der Stromverbrauch damit mehr als vervierfacht. Allerdings ist der Vergleich zu früher schwer:

  • Im alten Stall hat Westermann per...


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