Thema des Monats

Guten Morgen, Herr Söder!

Bei einem bayrischen Exportstier wurde in Österreich Rindertuberkulose (Tbc) festgestellt. Wien informierte umgehend München darüber. Doch der Informationsfluss zurück nach Österreich funktionierte gar nicht flüssig – und das bei dieser hochinfektiösen Tierseuche.

Spanring

Leopold Th. Spanring, Redakteur top agrar Österreich (Bildquelle: Kraml)

Jeder kennt mittlerweile die Bedeutung des so genannten Contact Tracing vom Coronavirus. Dabei geht es um das Auffinden der Kontakte von Erkrankten, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Offenbar hat aber auch die Nach­ver­folgung im tierischen Bereich so seine Tücken. Das zeigt der von top agrar ­recherchierte bayerische Rindertuberkulose-Fall.

Zwar ging die Seuchenabklärung in Oberbayern nach dem Tipp aus Österreich regelkonform vonstatten. Doch ­Österreich musste zwei weitere Kontaktbetriebe selber finden. Über weitere zwei Betriebe erfuhr die heimische Veterinärverwaltung vom zuständigen bayerischen Staatsministerium erst nach zwei (!) Monaten. Und dass auch nur, weil Wien dran blieb und Informationen insistierte.

In der Zwischenzeit war der Tbc-Erreger auch schon auf die Bauersleut’ und den Sohn übergesprungen. Trotzdem blieb München gegenüber Wien weiterhin verschlossen. Erst nach regionalen Zeitungsberichten legte man alle Fakten über den Fall auf den Tisch.

So eine Verzögerungstaktik geht gar nicht. Schon gar nicht bei einer hoch ­infektiösen Tierseuche, die ja auch im ­Allgäu immer wieder vorkommt. Dass Deutschland im konkreten Fall von den Dutzenden bei der zweiten Keulung getöteten Rindern dann nur zwei Stück in die EU-Datenbank nachgemeldet hatte – und das erst am 9. Februar – ist nur mehr ein weiteres unrühmliches Detail.

„Die bayerisch-österreichische Freundschaft ist keine Einbahnstraße.“

Man sollte meinen, dass Ministerprä­sident Söder angesichts dieser Vorfälle etwas mehr Demut und Dankbarkeit zeigen könnte. Das Gegenteil ist der Fall: Die faktische Corona-Grenzsperre gegenüber Tirol forderte und setzte er ja mit allerlei Seitenhieben gegen Österreich durch und um. Egal ob Tierseuche oder Human­erkrankung, es geht um Schnelligkeit und Datenaustausch über Staatsgrenzen hinweg. Nur bei guter Zusammenarbeit lässt sich eine Ausbreitung aufhalten.

Es reicht aber nicht, wenn die lokalen Amtsveterinäre hüben wie drüben von Inn und Salzach bilateral gut zusammenarbeiten. Auch die Münchner Zentral­behörden müssen entsprechend mit­arbeiten und rascher informieren. Daher sollte Herr Söder wohl besser vor der ­eigenen Türe kehren.

Denn der Tbc-Fall ist nicht das erste Mal, dass unsere Nachbarn „Hilfe“ bei der Aufklärung brauchen. In der ­jüngeren Vergangenheit hat Österreich schon den „Bayern-Ei“-Skandal auf­gedeckt und angeschoben. Doch Bayern hatte diese Causa anfangs auch lieber verharmlost, auf Zeit bzw. die bekannte Salamitaktik gesetzt.

Möglicherweise ist der bayerische ­Ministerpräsident aber doch lernfähig und überrascht positiv. Dabei könnte er bei seinen Ministerien mal aufräumen oder auch Österreich stärker zur Seite springen. Etwa in Sachen Bioweidehaltung, wo Brüssel bekanntlich seit zwei Jahren versucht, an Österreichs Bauern ein Exempel zu statuieren. Dabei haben Bayern und Deutschland hier noch ­längere Übergangszeiten. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.


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