Klimawandel

Hitzestress bei Mutterkühen

Die ersten heißen Tage stehen bevor. Die Möglichkeiten Hitzestress auf der Weide vorzubeugen, sind begrenzt. Dennoch können Mutterkuhhalter einiges beachten: Z.B. Wasser, Schatten und viel Rohfaser.

Experten zufolge steigt die durchschnittliche Jahrestemperatur bis 2050 auf bis zu 2 C° an. „Tierhalter müssen sich auf Wetterextreme einstellen“, sagte Eduard Zentner von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein (Österreich). Wie Mutterkuhhalter Anzeichen von Hitzestress erkennen und vorbeugen können, erklärte er bei einer Online-Veranstaltung vom Fokus Netzwerk Tierwohl.

Hitzestress bei 22 C°

„Hitzestress kann bei Mutterkühen in Abhängigkeit von der Luftfeuchte bereits bei 22 C° beginnen“, erklärte Zentner. Je höher die Luftfeuchtigkeit wird, desto schwieriger ist es für die Kuh, sich über die Verdunstung von Körperflüssigkeiten bei der Atmung und beim Schwitzen abzukühlen. „Bei einer sehr niedrigen Luftfeuchte wiederum können die Schleimhäute austrocknen. Für Erreger jeglicher Art ist es so ein Leichtes, in den Organismus des Rindes einzudringen“, sagte der Österreicher.

Hitzestress bei Mutterkühen macht sich zum Beispiel durch Maulatumung sowie durch einen gestreckten Kopf und Hals bemerkbar. Außerdem verringern die Tiere ihre Futteraufnahme. An heißen Tagen kann es passieren, dass Mutterkühe bis zu 25 % weniger Futter aufnehmen als üblich. „Die verminderte Fresslust kann gesundheitliche Probleme verursachen“, verdeutlichte Zentner. Die Fruchtbarkeitsraten können sinken, es kommt vermehrt zu Aborten oder die Kälber kommen klein und schwach zur Welt. Auch Stoffwechselerkrankungen können eine Folge von Hitzestress sein.

„Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Kuh am kältesten Tag des Jahres 4 kg Milch mehr gibt als am heißesten Tag des Jahres." - Eduard Zentner

Mutterkuhhalter haben auf Weiden nur beschränkt die Möglichkeit, Hitzestress vorzubeugen. „Wichtig ist, dass ausreichend frisches Wasser in guter Qualität zur Verfügung steht“, appellierte Zentner. Auch bei geringen Milchleistungen, wie es in der Mutterkuhhaltung üblich ist, nehmen die Tiere mehr als 100 l Wasser täglich auf. Am besten ist, wenn sich wasserführende Leitungen unter der Erde befinden. Die Aufnahme von Grünfutter hat wegen des Rohfasergehaltes ebenfalls positive Auswirkungen. „Wenn es möglich ist, sollten Mutterkuhhalter die Kraftfuttergabe bei Hitze vermeiden“, so Zentner. „Nimmt das Rind viel Kraftfutter und wenig Rohfaser auf, sinkt der pH-Wert im Pansen. Gleichzeitig steigt die Körpertemperatur auf bis zu 41,6 C° an. Das sollten Sie unbedingt vermeiden“, appellierte der Experte.

Achtung Strahlungwärme

Unbedingt notwendig ist Schatten auf den Weiden, damit sich die Tiere vor der Sonneneinstrahlung schützen können. Wer keine natürlichen Schattenplätze anbieten kann, kann beispielsweise einen Unterstand bauen. Dabei ist aber besonders wichtig, dass dieser gut isoliert ist. „Die Kühe werden sich nicht darunter legen, wenn die Strahlungswärme durch ein schlecht isoliertes Dach zu extrem ist“, wusste Zentner.

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