Interview

Kanada: „Unser Milchmarkt wird über flexible Produktionsquoten reguliert“

Bis zu 65 Ct/kg Milchgeld bekommt Ruedi Bachmann. Der kanadische Milchbauer mit Schweizer Wurzeln betreibt mit seinem Vater rund 750 Kilometer nordöstlich von Vancouver eine Milchfarm. Dazu gehören 90 Milchkühe, 60 Stück Jungvieh in ganzjähriger Weidehaltung, 200 Hektar LN und 200 Hektar Wald. Ich konnte am 10. Dezember 2013 mit dem Landwirt ein Gespräch über den Milchmarkt in Kanada führen. Ich traf den 30-Jährigen während seines einmal jährlichen Besuches bei Freunden in Österreich.

Bachmann

(Bildquelle: )

top agrar: Wie geht es den Michfarmern in Kanada wirtschaftlich?
Bachmann: Wir sind mit der derzeitigen Situation zufrieden. Kanada hat einen geschützten Markt für Milch und Milchprodukte. Exportiert und importiert werden nur geringfügige Mengen. Die Milchproduktion ist an den Inlandsbedarf angepasst. Die Regulierung erfolgt über flexible Produktionsquoten. Dadurch haben wir einen Milchpreis von derzeit umgerechnet netto 55 bis 65 Euro Cent. Dies deckt die Produktionskosten und bringt einen akzeptablen Profit.

top agrar: Kanada ist doch WTO-Mitglied. Wie verträgt sich das mit dem geschützten Milchmarkt?
Bachmann: Kanada hat diesbezüglich eine Sonderregelung mit der WTO ausverhandelt. Die USA und auch die EU versuchen immer wieder eine Marktöffnung zu erzwingen. Ich glaube aber nicht, dass unsere Regierung jemals in diesem Punkt nachgeben kann. Da käme es zu einer Revolution der Farmer.

top agrar: Nun wurde aber zwischen Kanada und der EU ein Freihandelsabkommen geschlossen. Wie wirkt sich das auf den Milchmarkt aus?
Bachmann: Das Freihandelsabkommen ist noch nicht in Kraft. Zu seiner Wirksamkeit bedarf es der Zu-stimmung aller Provinzen und Territorien Kanadas. Es ist keinesfalls sicher, dass die Provinzparlamente zustimmen. Vor allem Quebec könnte die Zustimmung verweigern.

top agrar: Wie kommt dieser Milchpreis zustande?  
Bachmann: Bezahlt wird nicht die Milch, sondern das darin enthaltene Butterfett. Derzeit bringt ein Kilogramm Butterfett umgerechnet ca. 17 Euro. Milch ist ab einem Fettgehalt von 3,25% lieferfähig.

top agrar: Wie kommt man zu einer Butterfettquote?
Bachmann: Du kannst eine Farm mit Quote kaufen oder auch eine Quote allein. Das kostet derzeit pro Kilogramm Butterfett umgerechnet 29.000 Euro. Man kann die Quote auch um 5,50 bis 6,50 Euro Cent pro Kilogramm pachten. In der Familie werden die Quoten entweder kostenlos oder zu reduzierten Werten übertragen. Da der Milchkonsum in Kanada pro Jahr um etwa 2% steigt, werden zusätzliche Quoten vergeben. Geht der Konsum zurück, kommt es zu Quotenkürzungen. Wer über seine Quote produziert, bezahlt pro Kilogramm Milch 23 Euro Cent Strafe. Also verfüttert man die Überschussmilch an Jungvieh und Schweine oder schüttet sie weg.

top agrar:Was kostet ein Liter Milch im Supermarkt?
Bachmann: In der Vierliter-Packung bezahlt man derzeit 77 Euro Cent pro Liter.

top agrar: Wer ist Inhaber der Butterfett-Quote?
Bachmann: Die Quote kann der Farm oder auch einer Person gehören. Wir haben derzeit eine Quote von 72 kg Butterfett pro Kalendertag. Das sind rund 1.800 Kilogramm Milch. Unser Stalldurchschnitt liegt bei 9.500 Kilogramm Milch.

top agrar: Wird der Milchmarkt von der Regierung geregelt?
Bachmann: Nein, der Staat fungiert nur als Aufsichtsbehörde. Die Marktregelung erfolgt für die West-provinzen durch den BC Milk Marketing Bord. Es handelt sich dabei um eine private Organisation. Die Ostprovinzen haben einen eigenen Milk Bord. Der Milk Bord betreibt für die Milchfarmer Marketing, Werbung und Monitoring. Dafür werden 1,4 Euro Cent pro Kilogramm Milch einbehalten.

top agrar:Wie sehen die kanadischen Farmer die Gemeinsame Agrarpolitik der EU?
Bachmann: So weit ich das Überblicke meinen wir, dass die europäische Agrarpolitik sehr kompliziert, bürokratisch und extrem subventionsabhängig ist. Das ist ungesund und bringt die Bauern Europas in ein Abhängigkeitsverhältnis zum Staat.
-Wolfgang Müller-


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