Bayern

Milchmenge dürfte nach Quotenende nur um 0,7 % jährlich wachsen

Von einem sehr überschaubaren jährlichen Milchmengenwachstum in Höhe von 0,7 % bis 2025 geht die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft aus. Dies sei das „wahrscheinlichste“ Szenario laut einer Studie zu möglichen Entwicklungen in Bayern nach dem 1. April 2015.

Gerhard Dorfner geht nur von einem geringen Milchmengenwachstum für Bayern nach dem Quotenende aus. Fotos: DLG (Bildquelle: )

Diese Ergebnisse präsentierte Dr. Gerhard Dorfner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft jetzt auf der DLG-Wintertagung in Berlin. Die Studie wurde erarbeitet angesichts der Fragestellung, ob die Milchmenge nach dem staatlichen Quotenende unkontrolliert ansteigt.  Das überschaubare Milchwachstum werde laut der Studie von einem kontinuierlichen Strukturwandel begleitet. „Dabei ist die Milcherzeugung Bayerns geprägt von einem Nebeneinander von Wachstums- und Rückzugsregionen“, betonte Dorfner. „Die bisherigen extrem unterschiedlichen Produktionsentwicklungen in den einzelnen Landkreisen Bayerns werden sich fortsetzen.“

Arbeitsteilige Systeme bieten Chancen für Kleinerzeugerländer wie Österreich

Für die Milcherzeugerländer mit kleineren Milchviehbetrieben sieht Dr. Dorfner in der intensiveren Zusammenarbeit zwischen Betrieben mit arbeitsteiligen Systemen Chancen, Effizienzgewinne und eine Steigerung der Lebensqualität zu erreichen. Gleichzeitig könnten sich damit Chancen zur oft notwendigen Einkommenskombination eröffnen. Für die größeren Betriebe sieht Dorfner in der Weiterentwicklung des Familienbetriebs zum erweiterten Familienbetrieb mit angestellten Mitarbeitern eine große arbeitswirtschaftliche Herausforderung.

Preisrisiken insbesondere 2015 sehr ausgeprägt

Preisrisiken und Preisunsicherheiten werden nach dem Ende der Milchquote weiter steigen und insbesondere im Jahr 2015 sehr ausgeprägt sein. Hierauf verwies Prof. Dr. Holger Thiele von der Fachhochschule Kiel in Osterrönfeld auf der DLG-Wintertagung. Seiner Ansicht nach benötigen die Marktteilnehmer im Milchmarkt – Molkereien wie Milcherzeuger - neue Vermarktungsstrategien, um mit höheren Preisschwankungen umzugehen.

Holger Thiele empfiehlt, zukünftig politische Instrumente für die Krisensituationen im Milchmarkt kritisch auf ihre Eignung zu überprüfen.

Ähnlich wie bei anderen Agrarrohstoffen werde dazu in der Zukunft der Umgang mit Milchtermingeschäften gehören. Die Branche habe hier noch einen großen Aufholbedarf. Insbesondere sollten die Marktakteure die Möglichkeiten für neue Kontraktvarianten unter Berücksichtigung von Preisstabilisierungselementen prüfen. Darüber hinaus empfiehlt der Wissenschaftler, zukünftig politische Instrumente für die Krisensituationen im Milchmarkt kritisch auf ihre Eignung zu überprüfen.

Mit dem Warenterminhandel das Risiko steuern

Der Warenterminhandel mit Milchprodukten kann für Milcherzeuger ein sehr interessantes Instrument zur Risikosteuerung sein. Davon zeigt sich Johann Kalverkamp von der VR Beratung in Lingen überzeugt. Wie der Berater auf der DLG-Wintertagung erklärte, könnten die Phasen hoher Milchpreise dazu genutzt werden, sich dieses Niveau möglichst weit für die kommenden Liefermonate zu sichern, um so Phasen mit niedrigen Milchpreisen, die teilweise keine Kostendeckung mehr ermöglichen, zu überbrücken.

Die an der Milchbörse anfallenden Kosten sollten als Investition in das betriebliche Risikomanagement gesehen werden, so Experte Johann Kalverkamp.

Wer dies beispielsweise konsequent seit Ende letzten Jahres umgesetzt habe, profitiere noch heute von einem Ausgleich für das geringere Milchgeld über die Börse. Die Kosten für die Absicherung seien dabei moderat. Sie sollten als Investition in das betriebliche Risikomanagement gesehen werden. Während der Absicherung gebe es einige Dinge zu beachten. „Oberstes Gebot dabei ist, die zu Beginn geplante Absicherungsstrategie bis zum Ende durchzuziehen und sich dabei nicht von Emotionen zu Fehlentscheidungen drängen zu lassen“, betonte Kalverkamp.

Wirtschaftlichkeit bleibt angespannt

Die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion wird durch die volatilen Märkte und die steigenden Produktionskosten angespannt bleiben. Davon zeigt sich Johannes Thomsen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Blekendorf überzeugt. Selbst den Durch-schnittsbetrieben werde es schwer fallen, die volle Entlohnung der Faktorkosten zu erreichen.

Eine hohe Flächen- und Arbeitsproduktivität bei niedrigen Kosten werden künftig die wichtigsten Voraussetzungen für eine wttbewerbsfähige Milchproduktion sein, meint Johannes Thomsen.

Die Auswertungen der Beratungsorganisationen und der landwirtschaftlichen Buchführung der wirtschaftlich erfolgreichen und größeren Betriebe in Schleswig-Holstein zeigten, dass es genügend Betriebe gibt, die wirtschaftlich gute Ergebnisse erzielen. „Diese Betriebe werden die Potenziale nutzen und in Zukunft die Milch effizient produzieren. Dabei wird eine hohe Flächen- und Arbeitsproduktivität bei niedrigen Kosten eine wichtige Voraussetzung sein“, erklärte Thomsen.

Artikel geschrieben von

Torsten Altmann

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