Milch Marker Index

Milchpreis: 15,71 ct/kg fehlen zur Kostendeckung

Die MEG Milch Board sieht die traditionelle Milchproduktion durch die aktuelle Situation am Milchmarkt in der Sackgasse. Laut Milch Marker Index sind derzeit 33 % der Erzeugungskosten nicht gedeckt.

Frank Lenz

Frank Lenz, Vorstandsvorsitzender der MEG Milch Board. (Bildquelle: MEG)

Der Milch Marker Index ist von April bis Juli 2020 um einen Punkt auf einen Stand von 114 (2015 = 100) gestiegen, erklärt die MEG Milchboard in einer Pressemitteilung. Für das dritte Quartal 2020 ermittelte die MEG Milch Board Milcherzeugungskosten von 46,95 ct/kg Milch. Gegenüber dem Vorquartal gab es auf der Kostenseite einen Anstieg von 0,19 ct. In allen Regionen seien die Ausgaben für Energie gestiegen, während sich die Kosten für das zugekaufte Futter und die anderen Betriebsmittel wie Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz und die Instandhaltung von Maschinen und Gebäuden kaum veränderten. Auch die Rindererlöse hielten sich auf dem Stand vom Vorquartal. Die Milchauszahlungspreise seien im Bundesdurchschnitt um 1,44 ct auf 31,24 ct/kg Milch gefallen.

Coronakrise nicht die Ursache

Bei einer Preis-Kosten-Ratio von 0,67 könnten bei den derzeitigen Milcherlösen 33 % und damit ein Drittel der Kosten der Milcherzeugung nicht gedeckt werden. Damit befinde sich der deutsche Milchmarkt aktuell nahe am Tiefpunkt des Milchkrisenjahres 2016, als die Ratio bei 0,66 lag. Die Coronakrise könne als Ursache nicht gelten, denn Rückgänge am Exportmarkt wurden von einer steigenden Inlandsnachfrage abgefangen. Markenhersteller konnten von der Krise sogar profitieren und steigerten Umsatz und Gewinn. Doch die Milcherzeuger hätten davon nichts mitbekommen. Dass die Mitte Deutschlands das dritte Jahr in Folge unter einer massiven Trockenheit zu leiden habe, spiegele sich am Milchpreis bisher ebenfalls nicht wider.

Tragfähige Modelle und Mengenmanagement nötig

Frank Lenz, Vorstandsvorsitzender der MEG Milch Board sieht die traditionelle Milchproduktion in einer Sackgasse: „Wir produzieren immer mehr Milch in einen Markt hinein, der - was den Binnenmarkt anbelangt - gesättigt bis rückläufig ist und über den Weltmarkt mit qualitativ minderwertigen Produkten (Pulver, Blockkäse) eine viel zu niedrige Wertschöpfung abwirft. Unsere Geschäftspartner haben das schon längst erkannt und investieren in den Aufbau neuer Geschäftsmodelle, die ohne Kuhmilch auskommen. Die Milchproduzenten/innen hingegen versucht man mit Tierwohlauflagen „fit für den Markt“ zu machen.“ Es sei deshalb mehr denn je an der Zeit, dass Milchbäuerinnen und Milchbauern selbst formulierten, wie sie in Zukunft Milch produzieren können, um damit am Markt Preise zu erzielen, von denen sie leben und ihre Betriebe entwickeln können. Viele Direktvermarkter zeigten, welche Modelle tragfähig seien. Nun können nicht alle direkt vermarkten, aber diese Beispiele nehmen, um Lösungen zu entwickeln, die es auch anderen Milcherzeuger/innen ermöglichen, an einer tragfähigen Vermarktung teilzuhaben.

Er sei jedoch überzeugt, dass es ohne ein konkretes Mengenmanagement keine nachhaltige Erholung am Milchmarkt geben kann, so Lenz: „Dies müssten eigentlich alle Verantwortlichen in den Bereichen Erzeugung, Verarbeitung und Politik erkennen und gemeinsame Schritte einleiten.“

MMI

Bei einer Preis-Kosten-Ratio von 0,67 können Milcherzeuger bei den derzeitigen Milcherlösen 33 % der Kosten der Milcherzeugung nicht decken. (Bildquelle: MEG)


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