Stallbau-Tipps

Praktiker berichten: Melkstand um- statt neugebaut

Den alten Melkstand nutzen und neue Technik einbauen? Genau das haben zwei Betriebe in Ostfriesland gemacht. Wir haben sie besucht und mit ihnen über den Umbau gesprochen.

Mann im Stall

Andreas Jelden hat unter anderem gezeigt, dass ein Umbau gute Möglichkeiten bietet. (Bildquelle: Schildmann)

Viele Betriebe wollen lieber die vorhandenen Ressourcen nutzen, anstatt ein komplett neues Melkhaus zu bauen. In der Ausgabe 10/2020 haben wir bereits einen Praktiker besucht. Jetzt stellen wir zwei weitere praktische Lösungen vor.

------

R E P O R T A G E 1

Neue Technik, gleiches Gebäude

Familie Jelden aus Ostfriesland hat in eine neue Melktechnik investiert. Das Besondere: Sie haben mehr Melkplätze geschaffen, ohne den alten Melkstand zu vergrößern.

Auf demselben Platz mehr Kühe melken – das ist für Familie Jelden aus Jübberde (Niedersachsen) seit September vergangenen Jahres möglich. Damit konnte der Betrieb mit weniger Bauaufwand zudem in neue Technik ­investieren.

„Es musste sich etwas ­ändern“, sagt Betriebsleiter Andreas Jelden und blickt in die Vergangenheit: „Wir haben den Melkstand 1998 gebaut. Die Melktechnik haben wir zu dem Zeitpunkt bereits gebraucht gekauft. Mittlerweile war die Technik über 40 Jahre alt.“

Die Umbauphase meistern

So ging die Familie den Schritt von einer Doppel 7er Fischgräte mit beidseitiger Melktechnik auf eine steile Fischgräte mit Swing-Over-System von der Firma Dairymaster.

Auf jeder Seite finden ab sofort zehn Kühe ihren Platz. Mit einer einfachen aber effektiven Maßnahme haben die Jeldens mehr Raum für die steilere Aufstallung der Kühe geschaffen: Eine Estrichschicht verbreitert die Standfläche. Das schafft 30 cm zusätzlichen Platz auf jeder Seite zur Melkergrube hin. Zudem verbessert der 12 cm dicke Belag die Arbeitshöhe.

Im Kopfbereich der Kühe befindet sich eine halbhohe Mauer als Begrenzung. Dort drauf ist eine Trogschale angebracht. Bis jetzt hat diese noch keine Verwendung, da die Kühe während des Melkens kein Kraftfutter bekommen. Der Betriebsleiter hat aber eine Idee: „Ich möchte den Kühen Wasser anbieten, während wir sie melken.“

Der Austrieb ist über ein Drucklufttor gesteuert. Durch einen Rücktreibegang gelangen die Kühe nach dem Melken zurück in den Boxenlaufstall. Auch wenn das Mauerwerk unverändert blieb, war die Umbauphase eine Herausforderung. Zwei Monate lang haben der Rinderhalter und seine Frau Kerstin die Kühe in einem Außenmelkstand gemolken. Die Tiere haben sehr lange gebraucht, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. „Beim ersten Mal hat es eine Stunde gedauert, um einen Durchgang mit sechs Tieren zu melken“, so der 41-Jährige.

Mehr Automatik

Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Durch die Umbaumaßnahmen können Jeldens nicht nur den vorhandenen Platz effektiver nutzen, sondern profitieren zusätzlich von modernerer Technik. Bei ganzjähriger Weidehaltung liegt die Leistung der 68 Kühe durchschnittlich bei etwa 8.000 kg Milch je Kuh und Jahr.

Jeldens melken morgens und abends um fünf Uhr jeweils 55 Minuten. Hinzu kommen je zehn Minuten für die Reinigung. Die Melkzeit ist mit etwa 15 Minuten nur unwesentlich kürzer als vor dem Umbau.

Als Arbeitserleichterung kaufte der Landwirt neben der Milchmengen­messung und einer Abnahmeautomatik auch eine Einzeltiererkennung. Mithilfe von Sensoren an jedem Standplatz erkennt das System die Kühe...

Die Redaktion empfiehlt


Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen