Projekt Pro-SAU: Mehrkosten zwischen 23 und 230 € je Tier/Jahr

Vier Tage nach dem Abferkeln kann der Abferkelstand ohne erhöhte Gefahr für die Ferkel geöffnet werden. Das ist eines der spannenden Ergebnisse des Projektes Pro-SAU, die nun veröffentlicht wurden. Bei einer Pressekonferenz diese Woche erzählte Landwirt Reinhard Scheriau von seinen Erfahrungen mit der Bucht: "Ich würde dieses System wieder einbauen. Die Ferkelverluste sind damit sogar gesunken."

Ferkelproduzent Reinhard Scheriau hat freiwillig am Projekt Pro-SAU teilgenommen und sich neben der Trapezbucht die Flügelbucht einbauen lassen. Er erzählt, dass er mit beiden Buchten zufrieden ist. (Bildquelle: LKO_Schreiner )

Reinhard Scheriau in Kapelln an der Perschling bei St. Pölten gehört zu den sechs Landwirten, die für das Projekt Pro-SAU neue Abferkelbuchten einbauen ließen und im Alltag getestet haben. In seinem Stall hat er für seine Berufskollegen Erfahrungen mit der Flügel- und der Trapezbucht gesammelt. Davon ließ er je 15 Stück einbauen.

Familie Scheriau gehört zu den sechs Praxisbetrieben des Projektes Pro-SAU. (Bildquelle: LKO_Schreiner)

Bei einer Pressekonferenz zog er eine positive Bilanz: „Das Handling funktioniert sehr gut. Jede Bucht für sich hat Vor- und Nachteile. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Sau zwei Tage vor dem errechneten Abferkeltermin fixiert wird. Nach dem Abferkeln und den notwendigen Ferkelbehandlungen kann die Sau nach meiner Erfahrung ab dem fünften Tag wieder freigelassen werden. Zu einem früheren Zeitpunkt ist mit einem höheren Erdrückungsrisiko zu rechnen." Verbesserungsbedarf sieht der Praktiker beim Boden: Auch mit meinem Mischboden (Beton, Kunststoff und Guss) bin ich nicht ganz zufrieden. Wohlbefinden und Rutschfestigkeit für die Sau sind sehr gut. Bei den Ferkeln, speziell bei möglichen Klauenverletzungen, gi bt es aber Verbesserungsbedarf. Weiters ist darauf zu achten, dass Anfütterungsschalen für Ferkel in der Bucht platziert werden können, ohne dass die Sau diese erreicht und der Landwirt diese trotzdem praxistauglich befüllen kann."

Mehrkosten von 23 bis 230 Euro je Tier/Jahr

"Nun sind die politischen Entscheidungsträger an der Reihe, ihre Verantwortung für diese Entwicklungen wahrzunehmen und das während der Tierschutzdiskussion und bei Gesetzwerdung abgegebene Versprechen - eine Abgeltung der daraus entstehenden Mehrkosten für die betroffenen Ferkelerzeuger mit öffentlichen Mitteln - einzulösen, appelliert Stinglmayr an die Regierung, mit einem Investitionsprogramm die Bereitschaft der Landwirte zum Wechsel zu steigern. Denn die Mehrkosten schlagen sich je nach Kombination des Buchtentyps mit der Fixierungsvariante mit 23 bis 230 Euro je Muttersau und Jahr zu Buche.

Darum wurde an den Buchten geforscht

In Europa werden Sauen während der Geburts- und Säugeperiode seit den 70er Jahren im Kastenstand der Abferkelbucht gehalten. Diese praktizierte Haltung war in den vergangenen Jahren wiederholt Gegenstand öffentlicher Diskussionen. In Österreich mündete dies in einer Missstandsfeststellung der Volksanwaltschaft, die der 1. THVO wegen zu geringer Bewegungsfreiheit für Sauen die Rechtskonformität absprach. Zur Abwendung eines Verfahrens vor dem VfGH wurde die 1. THVO per 9. März 2012 abgeändert. Diese Änderung sieht unter anderem vor, dass bis spätestens 1. Jänner 2033 alle in Österreich eingebauten Abferkelbuchten eine Mindestfläche von 5,5 m2 aufweisen müssen. Dabei darf eine Mindestbreite der Bucht von 160 cm nicht unterschritten werden.

Zudem dürfen die Sauen nur mehr bis zum Ende der „kritischen Lebensphase“ der Ferkel zum Schutz dieser fixiert werden. Die Abferkelstände müssen sowohl in Quer- als auch Längsrichtung auf die Körpergröße der einzelnen Sauen einstellbar sein. Die geänderten Rechtsvorschriften für die Haltung in Abferkelbuchten zogen zahlreiche Fragestellungen nach sich. Die baulichen Ausführungen, die Tiergerechtheit, die Wirtschaftlichkeit und die Produktionssicherheit wurden dabei diskutiert. Das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) sowie das  Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) gaben schließlich im Herbst 2013 das Projekt „Pro-SAU“ in Auftrag. Darin sollten diese Fragen bearbeitet und analysiert werden.

Ziel von Pro-SAU war die wissenschaftliche Beurteilung von Abferkelsystemen mit temporärer Fixierungsmöglichkeit der Sau. Zu den Beurteilungskriterien zählten neben der Rechtskonformität auch Parameter des Wohlbefindens der Tiere, der Tierbetreuung sowie arbeitswirtschaftliche und ökonomische bzw. produktionsbezogene Aspekte. Eine zentrale Fragestellung bildete die Erörterung der in der 1. Tierhaltungsverordnung genannten „kritischen Lebensphase von Saugferkeln“.

Wie die Buchten im Detail abgeschnitten haben, lesen Sie in der Dezember-Ausgabe von top agrar Österreich ab Seite 38.

Artikel geschrieben von

Beate Kraml

Redaktion

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