Aus dem Heft

Rechnet sich „Kalb rosé“?

Österreich exportiert viele Kälber, gleichzeitig wird aber sehr viel Kalbfleisch importiert. Um die Mast männlicher Milchrassekälber attraktiver zu machen, hat die Arge Rind das „Kalb rosé“-Programm aufgelegt. Wie rechnet es sich für die Bauern?

Unser Autor: DI Gerhard Gahleitner, Agrarökonom in der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen (BAB) in Wien.

Seit 2000 haben sich die Kälberschlachtungen in Österreich auf 56.000 nahezu halbiert. Dafür gehen rund 45.000 heimische Kälber in den Export. Im Gegenzug ist der Kalbfleischimport explodiert. So kam 2020 Fleisch von über 85.000 Kälbern ins Land. Die Ursache dafür liegt darin, dass Kalbfleisch anderswo aufgrund der dort teils niedrigeren Tierwohlstandards billiger erzeugt werden kann.

Dieser Entwicklung wollen die Rinder-Erzeugergemeinschaften nun gegensteuern. Mit der 2020 erarbeiteten Kalbfleischstrategie sollen mehr Kälber im Land gemästet und der Markt mit österreichischem Kalbfleisch beliefert werden. Damit dies gelingt, muss die Mast auch wirtschaftlich eine interessante Alternative sein.

Neue Mastanreize schaffen

Mit dazu beitragen sollen fixe Qualitätsstandards im Rahmen des Moduls „Qplus-Rind“ beim AMA-Gütesiegel. Als weiteren Anreiz soll es eine zusätzliche Förderung der Teilnehmer beim „Qplus“-Programm für Vollmilchkälber und der Erzeugung von Kalb rosé geben. Dies gestaffelt nach Tierbestandszahlen.

Dem Angebot an rosa Kalbfleisch muss auch eine entsprechende Nachfrage nach diesem Erzeugnis gegenüberstehen. Das bedeutet, es sind die Konsumenten von der dunkleren (rosa) Fleischfarbe auch zu überzeugen.

Qualitätsprogramme für Mast von Milchrassen

Die in der Vergangenheit stark schwankenden Preise für Schlachtkälber haben die Kälbermast wenig attraktiv gemacht. Für die Mast von Kälbern aus Milchrassen kommen folgende Qualitätsprogramme infrage:

  • Vollmilchkälbermast zur Erzeugung leichter Kälber (50 bis 70 kg Schlachtgewicht (SG), Maximalalter drei Monate)
  • Mast von Standard-Vollmilchkälbern (90 bis 120 kg SG und maximal vier Monate alt) und die
  • Erzeugung von „Kalb rosé“ (130 bis 190 kg SG bei einem Lebensalter von maximal acht Monaten).

Die Kernfrage beim Kalb rosé lautet: Wie wirtschaftlich ist diese wirklich?

So haben wir gerechnet

Berechnungsgrundlagen sind die Fütterungsempfehlungen und Preisauskünfte hinsichtlich Einstellkälber und Verkaufspreise für Mastkälber der Österreichischen Rinderbörse. So ist geplant, für Tiere im Rahmen des Qualitätsprogramms „Kälbermast rosé“...