Gesundheit

Rinderflechte: Bei Verdacht ab zum Arzt

Hautarzt Dr. Ulrich Kühne erklärt die Behandlung und den Krankheitsverlauf der Rinderflechte und gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Landwirtsfamilien haben täglichen Kontakt zu ihren Tieren. Diese Nähe erhöht für sie aber auch das Risiko, sich mit sogenannten Zoonosen anzustecken. Der Begriff steht für Krankheiten der Tiere, die sich auch auf den Menschen übertragen können. „Gerade Pilzinfektionen dieser Art rufen bei Menschen häufig starke Reaktionen hervor“, erklärt Dr. med. Ulrich Kühne, Hautarzt aus Bad Soden in Hessen.

Eine solche Pilzinfektion ist z. B. die Rinderflechte. Ihr Erreger Trichophyton verrucosum verbreitet sich meist über direkten Hautkontakt. „Am besten trägt man beim Umgang mit kranken Tieren immer Handschuhe und lange Ärmel und Hosen“, empfiehlt der Mediziner. Doch auch z. B. an den Schubberstellen der Tiere kann man sich anstecken. Abtöten kann man die Erreger mit einem geeigneten Desinfektionsmittel, das auch fungizid wirkt.

Kreisförmiger Ausschlag

Im Gegensatz zur Schuppenflechte, die häufig auf der Kopfhaut auftritt, breitet sich die Rinderflechte oft auf Händen und Armen aus. Die Infektion ist zunächst als kleine schuppige Rötung sichtbar. Danach wachsen die betroffenen Hautstellen zentrifugal weiter. Das bedeutet: Die erkrankten Stellen sehen kreisförmig aus. Denn die Haut in der Mitte ist bereits verheilt, während sich der Pilz nach außen weiter ausbreitet.

Dr. Kühne mahnt: „Kinder sind für die Infektion besonders empfänglich. Im Gegensatz zu Erwachsenen ist ihre Hautbarriere noch nicht ausgeprägt.“ Stehen kranke Tiere im Stall, sollten Kinder ihnen erst einmal fernbleiben. „Besonders häufig tritt die Krankheit aber nicht auf. Mein letzter Fall liegt zwei Jahre zurück“, sagt Dr. Kühne.

Salbe oder Medikamente

Je eher der Arzt die Rinderflechte diagnostiziert, desto besser lässt sie sich ­behandeln. Als Tierhalter sollte man ­direkt zum Hausarzt oder Dermatologen gehen, sobald erste Anzeichen einer Infektion z. B. an den Händen oder den Armen zu sehen sind. „Sagen Sie dem Arzt immer, dass Sie Kontakt zu Tieren haben“, empfiehlt Dr. Kühne. Die Krankheit ausheilen zu lassen, sei dem Experten zufolge keine gute Idee. „Die Infektion kann sich auf dem ganzen Körper ausbreiten und eiternde, offene Stellen verursachen“, sagt er. Zudem sei das Risiko, andere Familienmitglieder oder Bekannte anzustecken, sehr hoch.

Beim Verdacht auf Rinderflechte entnimmt der Arzt eine Hautprobe, die im Labor untersucht wird. „Seit Kurzem gibt es auch die Möglichkeit, wie bei Corona, einen PCR-Test durchzuführen. Das Ergebnis liegt dann in wenigen Tagen vor, während es bei der klassischen Pilzkultur bis zu vier Wochen dauern kann“, sagt Dr. Kühne.

Gegen früh erkannte, kleinere Stellen helfe schon eine Salbe, die man über mehrere Wochen hinweg großflächig auf der erkrankten Haut aufträgt. Hat der Pilz sich ausgebreitet oder sind z. B. Stellen am Kopf betroffen, hilft ein Pilzmedikament, das die Erreger von innen heraus bekämpft. Eine Infektion auf der Kopfhaut sei besonders schwer zu behandeln, weil der Pilz über die Haarwurzeln tief in die Haut eindringen könne.

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Dr. med. Ulrich Kühne ist Hautarzt und Allergologe aus Bad Soden in Hessen. (Bildquelle: Hautmedizin Bad Soden)

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