Schweizer lehnen Hornkuh-Initiative ab

Die Schweizer haben bei einer Volksabstimmung die sogenannte Hornkuh-Initiative mit knapp 55% Nein-Stimmen abgelehnt. Sie sprachen sich damit gegen den Vorstoß des Landwirts Armin Capaul aus, der seit Jahren gegen die gängige Praxis des Enthornens von Kälbern kämpft.

In der Schweiz haben rund ein Viertel der Kühe Hörner. (Bildquelle: Kraml )

Laut seiner Initiative sollten Bauern vom Bund mit Förderungen belohnt werden, wenn sie ihren Kühen und Ziegen die Hörner lassen. In der Schweiz haben rund drei Viertel der Kühe und ein Drittel der Ziegen keine Hörner mehr. Der Anteil an hornlosen Tieren hat in den letzten zwei Jahrzehnten zugenommen, weil immer mehr bäuerliche Betriebe ihre Tiere in Freilaufställen halten. In solchen Ställen ist es einfacher, hornlose Tiere zu halten. Die Hornlosigkeit kann auf zwei Arten erreicht werden: Man entfernt den Jungtieren in den ersten drei Lebenswochen unter Schmerzausschaltung die Hornanlagen, oder man züchtet hornlose Tiere.

Initiative will Kühe mit Hörnern fördern

Die vom Bündner Bergbauern Armin Capaul gegründete Initiative forderte kein Totalverbot des Enthornens. Bäuerinnen und Bauern hätten auch bei einer Annahme der Initiative die Möglichkeit, die Jungtiere wie bisher vorschriftsgemäß zu enthornen. Die Initiative will jedoch mit einem finanziellen Anreiz erreichen, dass weniger Tiere enthornt werden und mehr Tiere ihre Hörner ausbilden können. Capaul hatte Hilfen von 190 Franken pro Jahr und Kuh mit Hörnern angeregt. Für das Schweizer Agrarbudget hätte das eine Umschichtung von rund 15 Mio. Franken bedeutet.

Für den eidgenössischen Bundesrat (die Bundesregierung) und das Parlament würde diese Initiative dem Tierwohl mehr schaden als nützen. Der Bund fördert derzeit die besonders tierfreundliche Haltung mit sogenannten Tierwohlbeiträgen und unterstützt dabei besonders auch die Haltung in Freilaufställen. Ein Beitrag für Rinder mit Hörnern könnte dazu führen, dass wieder mehr Ställe gebaut werden, in denen die Tiere angebunden sind, wurde argumentiert. Zudem erhöhten Tiere mit Hörnern das Verletzungsrisiko für andere Tiere im Stall, aber auch für die Tierhalter.

"Tierwohl umfasse mehr als nur Hörner"

Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann zollte dem Anliegen von Capaul zwar Respekt, sprach sich aber für die Ablehnung der Initiative aus. Das Tierwohl umfasse mehr als nur Hörner, sagte er. Landwirte würden zunehmend am Tierwohlprogramm des Bundes teilnehmen. Gut drei Viertel der Nutztiere hätten 2017 im Rahmen des RAUS-Programms regelmäßigen Auslauf im Freien, 59% wurden in besonders tierfreundlichen Ställen gehalten. Die Agrarpolitik gehe in Richtung Laufställe und in diesen sei die Haltung von Hornkühen wegen der Unfallgefahr schwieriger, betonte Schneider-Ammann.

Die Hornkuh-Initiative spaltete die eidgenössische Landwirtschaft. Unterstützt wurde sie von Organisationen wie Bio Suisse, Demeter und der Kleinbauern-Vereinigung. Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband betont, dass horntragende Kühe ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Menschen seien und riet zur Ablehnung der Initiative. Der Schweizer Bauernverband gab keine Empfehlung für die Abstimmung.

Artikel geschrieben von

Beate Kraml

Redaktion

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