So werden heimische Puten produziert

Den Weg der Pute von der Brüterei bis zur Schlachtung filmte von Jänner bis Oktober der Verein Land schafft Leben. Die heimische Produktion zeichnet sich vor allem durch hohe Qualitätsstandards aus. Wie diese im Detail aussehen, finden Sie nachfolgend oder auf www.landschafftleben.at.

Puten werden in Bodenhaltung gemästet. Sie können sich in der ganzen Halle am Boden aufhalten, Käfige gibt es nicht. Die Besatzdichte ist mit 40 Kilo pro Quadratmeter limitiert. Foto: Land schafft Leben (Bildquelle: )

Österreichisches Putenfleisch kommt im Außer-Haus-Konsum kaum auf den Teller. Im Lebensmitteleinzelhandel muss nur Frischfleisch gekennzeichnet sein. Wo die Konsumenten die Herkunft erkennen, wählen sie das heimische Produkt.

Spezialisierte internationale Unternehmen züchten die Puten für den Weltmarkt, auch für Österreich. Bei ihnen stehen die Großeltern und weiteren Vorfahren der Mastputen. Die einzige heimische Brüterei bezieht alle Bruteier aus dem Ausland. In Zipf in Oberösterreich schlüpfen neun Millionen Küken. Sieben Millionen werden exportiert, zwei Millionen stallen die österreichischen Bauern jedes Jahr ein.

Fast nur Österreich limitiert Anzahl der Puten pro Quadratmeter

Konventionelle Ställe sehen weltweit ähnlich aus. Am Boden einer Halle stehen tausende Puten auf Einstreu. 40 Kilo, also zwei schlachtreife männliche Truthähne, dürfen in Österreich auf einem Quadratmeter Stall stehen. Nur die Schweiz und Schweden haben eine ähnliche Regelung. In jenen Ländern, aus denen Österreich Putenfleisch importiert, ist die Besatzdichte nicht limitiert. Das österreichische Gesetz sorgt für vergleichsweise mehr Tierwohl, schafft aber einen Wettbewerbsnachteil. Bio-Puten stehen nach EU-Verordnung der doppelte Platz im Stall und zusätzlich 10 Quadratmeter Auslauf pro Tier zur Verfügung. Antibiotika bekommen konventionelle und Bio-Puten nicht vorbeugend, sondern nur nach Ausbruch einer Krankheit. Die Wartezeit zwischen Antibiotikaeinsatz und Schlachtung ist für jedes Medikament so definiert, dass keine Rückstände im Fleisch sind. Der Antibiotikaverbrauch von Österreichs Putenproduktion ist insgesamt rückläufig. Jede Verabreichung ist in der Datenbank des Anerkannten Geflügelgesundheitsdienstes erfasst.

Ein Kilo Gewichtszunahme pro Woche

Kein anderes Geflügel wächst so schnell wie die Pute. Österreichs konventionelle Putenbauern verwenden zwei Hybridlinien. Sie sind weiß und verwerten 2,7 Kilo Futter zu einem Kilo Gewicht. Bio-Bauern verwenden dieselben Rassen wie konventionelle oder setzen auf die schwarz gefiederte „Kelly Bronze“ aus England. Konventionelle Puten verdoppeln in ihrer zweiten Lebenswoche das eigene Körpergewicht. In den fünf Monaten von der Ankunft im Stall bis zur Schlachtreife wird aus einem männlichen, wenige Gramm schweren Küken ein Vogel mit über 20 Kilo. Weibchen werden schon mit vier Monaten geschlachtet, weil sie danach nicht mehr ausreichend wachsen würden. Zu fressen bekommen Puten vor allem Mais, Weizen und Soja. Die Sojabohnen sind je nach Verarbeitungsbetrieb gentechnikfrei und aus Europa oder gentechnisch verändert und aus Übersee. Erkennbar ist dies am grün-weißen Kontrollzeichen der ARGE Gentechnik-frei.

Immer weniger Selbstversorgung

In Kärnten und im Burgenland stehen die beiden österreichischen Putenschlachthöfe. Ein Produzent schlachtet heimische Puten in Bayern. Daneben gibt es noch einige Bauern, die am Hof schlachten und direkt vermarkten. 2015 versorgte sich Österreich mit 41 Prozent selbst mit Putenfleisch. Geht es nur um den Preis, haben heimische Produkte keine Chance. In Fertigprodukten und im Außer-Haus-Konsum muss die Herkunft nicht deklariert werden und das Herkunftsland hat keine Bedeutung. In Österreich wurden die Mastplätze in den vergangenen Jahren weniger. Die Branche sucht nach Bauern, die mit der Putenmast beginnen wollen, um die Selbstversorgung wieder zu erhöhen. Im Gegensatz zu Hühnerfleisch, das immer beliebter wird, geht bei Putenfleisch der Pro-Kopf-Verbrauch leicht zurück.

Artikel geschrieben von

Sylvia Haury

Redaktions- und Vertriebsassistentin

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Kommentar: Selbstverursachtes Bio-Chaos

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