Umsatzausfälle wegen Coronakrise

VÖM: Einzelne Molkereien unter Druck

Das Zusperren der Gastronomie und die Reisebeschränkungen wirkt sich auch auf einige Molkereien aus. Probleme gibt es vor allem bei Milchverarbeitern in Westösterreich, die ihre Produkte zum großen Teil an die Gastronomie und an Fremdenverkehrsbetriebe verkaufen.

Eine Abgeltung für Umsatzeinbußen wegen dem Erliegen des Fremdenverkehrs sei dringend geboten, so VÖM-Präsident Helmut Petschar. Sein Hilferuf galt wohl in Richtung der Bundesregierung, die vielen anderen Wirtschaftsbereichen finanziell unter die Arme greift. (Bildquelle: Leni Altmann)

„Das Jahr 2020 hat die heimische Milchwirtschaft vor große Herausforderungen gestellt, der zweite Lockdown mit der verlängerten Schließung der Gastronomie über die umsatzstarke Weihnachtszeit bringt neuerlich Umsatzausfälle, die nur durch verstärkte Anstrengungen und in Zusammenarbeit von Landwirten, Verarbeiter, Handel und Politik gut bewältigt werden können“, fasste der Präsident der Vereinigung österreichischer Milchverarbeiter Helmut Petschar das bald zu Ende gehende Milchjahr bei einer Online-Pressekonferenz zusammen.

Umsatzausfälle, Mehrkosten und Marktverlagerungen

Die Coronapandemie erfasste die Milchwirtschaft mit voller Wucht, vor allem durch den abrupten Ausfall der Gastronomie und des Tourismus während der anlieferungsstarken Zeit im Frühjahr, was vor allem Molkereien in Tourismusgebieten besonders zu schaffen machte. In mehreren Molkereien waren Mengensteuerungsmaßnahmen notwendig. Molkereien sind auch im aktuellen Lockdown als Zulieferer der Gastronomie, des Tourismus oder des Großhandels massiv mit Umsatzausfällen betroffen. Es ist daher nicht verständlich, dass derartige Zulieferer keine Unterstützung für die Ausfälle erhalten, so Petschar.

Die Verarbeiter mussten Organisations- und zusätzliche Hygienemaßnahmen zur Sicherheit der Mitarbeiter und Kunden treffen, die auch zusätzliche Kosten verursacht haben. Durch diese Sicherheitsmaßnahmen und zusätzlichen Anstrengungen in den Betrieben konnte trotz kurzfristig geänderter Nachfrage im LEH die Versorgungssicherheit immer gewährleistet werden, eine funktionierende Versorgung mit hochwertigen, heimischen Lebensmitteln wurde neu bewertet, eine erfreuliche Entwicklung, welche die Milchwirtschaft gerne aufgreift, ergänzte Petschar.

Herausforderungen am Markt gut bewältigt

Die Marktentwicklung des Jahres 2020 war aufgrund der einzigartigen Situation von hohen Spannungen und Unsicherheiten geprägt, berichtete der VÖM-Präsident. Zu Beginn des Jahres erfolgten aufgrund berechtigter Forderungen Bauerndemonstrationen vor Handelsketten. Gleich darauf brachte der erste Lockdown eine schlagartige, massive Verschiebung der Absatzkanäle. Das Auf und Ab auf den Produktmärkten führte ab Sommer zu einer gewissen Stabilisierung der Märkte und zu einer Verbesserung der Auszahlungspreise für die heimischen Landwirte, die ebenfalls mit Mehrkosten zu kämpfen haben.

Die durchschnittlich erzielten Auszahlungspreise lagen im aufgelaufenen Jahr (Jänner bis Oktober) bei 34,55 Ct/kg, (2019 34,36 Ct/kg), für gentechnikfreie Qualitätsmilch, mit natürlichen Inhaltsstoffen, ohne Zuschläge und ohne Mehrwertsteuer; die Werte konnten ab Sommer verbessert werden und lagen im Oktober bei 36,72 Ct/kg ( 2019: 33,83 Ct/kg). Die in Österreich erzielten Werte liegen aufgrund der höheren Qualitätsstandards über dem EU-Durchschnitt.

Der Außenhandel verlief in Österreich bisher sehr erfreulich, bis August, so die vorliegenden Zahlen der Statistik Austria, konnten die Exporte um 4,4% erhöht werden, während die Importe mit -0,3% leicht zurückgingen. Ein ungeregelter Brexit könnte den Milchmarkt aber europaweit beeinträchtigen, da Großbritannien doch ein wesentlicher Importeur von EU-Milchprodukten ist.

Rückläufige Milchanlieferung seit Mai

Die Anlieferung lag in Österreich zu Beginn des Jahres über, seit Mai unter den Vorjahreswerten, insgesamt sollte damit ungefähr das Vorjahresniveau erreicht werden. 19,1% der österreichischen Milch erfüllt den Biostandard. EU-weit ist heuer eine Mehranlieferung von ca. 1,4% zu verzeichnen

Maßnahmenpaket erforderlich

Trotz der Coronakrise habe Österreichs Milch- und Molkereiwirtschaft die Qualitätsoffensive weiter fortgesetzt. „Wir sehen es daher auch gerechtfertigt und notwendig, dass diese Mehrleistungen den Landwirten in Form von verbesserten Erzeugerpreisen im Vergleich zu internationalen Entwicklungen zugute kommen,“ erklärte dazu Petschar.

Die Coronakrise habe auch eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig die Versorgung mit Lebensmitteln ist. Die Milch ist ein wesentlicher Teil der Ernährung der Österreicher, sie stellt einen der wichtigsten Sektoren der Landwirtschaft dar und ist eine Schlüsselbranche im ländlichen Raum, besonders in Berggebieten. Gemeinsame Anstrengungen sind daher für eine positive Weiterentwicklung notwendig, so Petschar und listet folgende auf:

  • Absicherung/Weiterentwicklung naturnaher Produktion in GAP
  • Verbesserung Wettbewerbsfähigkeit
  • Verpflichtende Herkunftskennzeichnung
  • Transparenz und gerechte Verteilung in Wertschöpfungskette
  • Weiterentwicklung der AMA Marketing Fokussierung auf beitragszahlende Sektoren
  • Vermeidung von Einwegpfand und überhöhten Mehrwergquoten


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