Aus dem Heft

Vollmilchtränke: Höhere Kosten, mehr Arbeit

Seit 1. April müssen die Lieferanten der Berglandmilch ihre Kälber mit Vollmilch tränken. Das hat finanzielle und arbeitswirtschaftliche Konsequenzen für Betriebe mit Tränkeautomaten.

Kalb

Als Übergangslösung darf ­Vollmilchpulver am Tränkeautomaten ­eingesetzt werden. (Bildquelle: Reimink)

Seit Anfang des Monats sind alle Lieferanten der Berglandmilch (BLM) verpflichtet, ihre Kälber bis zur 6. Lebenswoche mit Vollmilch zu tränken. Begründet wird die Vorgabe mit einer nachhaltigen, naturnahen Wirtschaftsweise und neuen Vermarktungsargumenten gegenüber Handel und Verbrauchern.

Vollmilchpulver ist teuer

Unter den Milcherzeugern sorgt das für Diskussionen. Denn Milchviehbetriebe, die bislang ihre Kälber mit Milchaustauscher (MAT) am Tränkeautomaten aufgezogen haben, trifft das nun empfindlich. Zwar erlaubt die Molkerei an allen „nicht umrüstbaren Tränkeautomaten“ das Berglandmilch-eigene Milch­pulver einzusetzen – bestehend aus getrockneter, teilentrahmter Berglandmilch. Aber dies hat einen gewichtigen Haken: Das Milchpulver der Firma Alpi, einem Tochterbetrieb der Berglandmilch, ist rund 30 % teurer als gängige Milchaustauscherprodukte mit hohem Magermilchpulveranteil, die standardmäßig in der Kälberaufzucht am Automaten eingesetzt werden.

Laut Molkerei soll sich der Verkaufspreis des Vollmilchpulvers am aktuell gültigen Rohmilchpreis orientieren und ist von der Berglandmilch gestützt. Mit anderen Worten, die Milchbauern der Genossenschaft stützen ihr Pulver selbst, müssen drauflegen und der Preis kann sich monatlich ändern. Mit der letzten Milchpreissenkung wurde allerdings der Preis des Vollmilchpulvers nicht reduziert. Zudem wird den Milchbauern die Möglichkeit genommen, sich den passenden Milchaustauscher für ihren Betrieb frei auszuwählen. Denn die Auswahl an Herstellern sowie Qualitäten an Milchaustauschern am Markt ist groß.

Hinzu kommt das Problem, dass der Eisengehalt in der Vollmilch nur 5 bis 10 % dem Bedarf der Kälber entspricht. Herkömmliche Milchaustauscher sind diesbezüglich aufgewertet. Bei der Umstellung auf Vollmilchtränke müssen die Kälber daher unbedingt eine Eisenergänzung erhalten, entweder in Form eines eisenhaltigen Wirkstoffergänzers, einer Paste oder als Eisenspritze. Die Anrührtemperatur des Vollmilchpulvers muss zudem auf ca. 45 °C erhöht werden, um Klumpenbildung zu vermeiden.

Nur Übergangslösung

Dass die Option des BLM-Milchpulvers zudem nur eine Übergangsregelung darstellt, wurde bislang nur verhalten kommuniziert. Der Vorstand entscheidet, ob in ein, zwei oder mehr Jahren gänzlich Schluss mit der Pulvermilch ist. Alle Betriebe, deren Tränkeautomat nur mit Milchpulver funktioniert, müssen sich auf Investitionen vorbereiten.

Ist die Umrüstung möglich, kostet allein diese an bestehenden Automaten rund 3.000 € (Teile plus Montage). Dazu kommen noch Kosten für den Milchlagertank. Dieser sollte über ein Rührwerk und ein Kühlaggregat plus Leersensor oder Zeitschaltuhr (um das Einfrieren der Milchreste zu verhindern) oder zumindest eine Wasserkühlung verfügen. Die gekühlte Milch wird beim Tränkeabruf portionsweise aufgewärmt, was einen höheren Energieaufwand...


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