Schweinefleisch

EU-Schweinefleischexporte stärker von China abhängig

Der Schweinefleischexport aus der EU Richtung China boomt. Das zeigen neue Zahlen der EU-Kommission zu den Fleischausfuhren.

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Mehr als die Hälfte der EU-Schweinefleischexporte geht inzwischen nach China. (Bildquelle: Tönnies)

Die Schweinefleischexporte der Europäischen Union haben in den ersten beiden Monaten 2020 im Vorjahresvergleich leicht zugelegt. Nach Angaben der EU-Kommission wurden im Januar und Februar von den 27 Mitgliedstaaten ohne Großbritannien insgesamt 881 850 t Schweinefleisch einschließlich Schlachtnebenerzeugnissen in Drittländer verkauft; das waren 2,3 % mehr als in der Vorjahresperiode.

Sehr viel stärker fiel der Anstieg der Exporterlöse mit 31,7 % auf 2,21 Mrd Euro aus, weil die Verkaufspreise deutlich über dem Vorjahresniveau lagen. Der moderate Zuwachs bei den EU-Ausfuhrmengen war allein auf die boomenden Schweinefleischlieferungen nach China zurückzuführen. Diese schnellten gegenüber den ersten beiden Monaten 2019 um 215 100 t oder 82,5 % nach oben, und zwar auf 475 950 t. Damit entfielen auf das Chinageschäft 54,0 % aller EU-Exporte; im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es nur 30,3 % und im gesamten Kalenderjahr 2019 noch 41,3 % gewesen. Die Verkäufe in die Volksrepublik spülten den Anbietern im Berichtszeitraum gut 1 Mrd Euro in die Kassen, das entsprach fast der Hälfte aller Einnahmen.

So gut der Absatz in China bisher auch lief, birgt die zunehmende Abhängigkeit von diesem Kunden laut Analysten auch Risiken. China bestellt aufgrund des Handelsabkommens mit den Vereinigten Staaten bereits deutlich mehr Ware beim Wettbewerber. Aufgrund der dramatisch gesunkenen Schlachtschweinepreise können die USA das Schweinefleisch zudem sehr günstig anbieten, was europäische Exporteure bereits durch sinkende Produktpreise zu spüren bekommen. Zwar wird China laut Prognosen auch in diesem Jahr viel ausländisches Schweinefleisch wegen der fortwährenden Angebotsknappheit durch die Afrikanische Schweinepest (ASP) benötigen; doch hat in der Volksrepublik der Bestandsaufbau der Schweineherden begonnen, und dies dürfte den Importbedarf mittelfristig wieder begrenzen.

Großbritannien zweitwichtigster Kunde

Der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU Ende Januar 2020 hat dazu geführt, dass Großbritannien zum zweitwichtigsten Drittlandsmarkt der jetzt 27 Mitgliedstaaten geworden ist. In den ersten beiden Monaten wurden laut Kommission dorthin 282 681 t Schweinefleisch und Schlachtnebenerzeugnisse verkauft; das war allerdings rund die Hälfte weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Vorfeld des für den 29. März 2019 geplanten Brexit hatte es nämlich eine große Unsicherheit über dessen Ausgestaltung gegeben, was zu erhöhten Schweinefleischimporten geführt hatte. Der Exportwert der Lieferungen nach Großbritannien lag im Januar und Februar bei 282,7 Mio Euro und zeichnete für knapp 13 % der Gesamtexporterlöse verantwortlich. Japan rutschte mit Ausfuhreinnahmen von 255,3 Mio Euro im Ranking der wichtigsten Absatzmärkte auf Rang drei. Gegenüber den ersten beiden Monaten 2019 nahmen die Schweinefleischlieferungen nach Nippon um 17,5 % auf 67 570 t ab. Zudem orderten auch Südkorea, Hongkong, Australien und die Philippinen deutlich weniger Ware in der Gemeinschaft. Steigende Absatzzahlen im Vorjahresvergleich wurden aus Brüssel nur für wenige Länder gemeldet, darunter Vietnam, die Elfenbeinküste und der Kongo.

Spanien größter EU-Exporteur

Die Entwicklung der Schweinefleischexporte der einzelnen EU-Mitgliedstaaten war den Kommissionsdaten zufolge sehr unterschiedlich. Zu den Gewinnern gehörte wieder einmal Spanien mit einem Ausfuhrplus von 22,9 % auf 229 810 t. Die Iberer bauten damit ihren Vorsprung in der Hitliste der wichtigsten EU-Exporteure weiter aus. Verfolger Deutschland konnte sich, gemessen am EU-Mittel, über einen überdurchschnittlichen Anstieg des Drittlandsabsatzes von 7,1 % auf 204 620 t freuen. Das Nachbarland Dänemark verzeichnete einen Zuwachs bei seinen Exporten von 10,9 % auf 152 490 t und belegte damit den dritten Rang. Auffällig ist, dass sowohl die deutschen als auch die dänischen Anbieter weniger gekühltes Schweinefleisch jenseits der EU-Grenzen verkaufen konnten, dafür aber die vermarktete Menge an gefrorener Ware deutlich zunahm. Grund hierfür dürften geringere Verkäufe von frischer Ware in das neue Drittland Großbritannien sein, während die Lieferungen der Gefrierware nach China zunahmen. In den Niederlanden stockte der internationale Absatz in der Warengruppe gesalzenes, getrocknetes und geräuchertes Schweinefleisch, was den Gesamtexport um 4,5 % auf 114 720 t abnehmen ließ. In Frankreich sanken die Ausfuhren um 4,4 % auf 45 610 t, wofür vor allem geringere Ausfuhren an Schlachtnebenerzeugnissen verantwortlich waren. Polen verzeichnete laut Kommission indes einen deutlichen Einbruch seiner Drittlandsexporte um 40 % auf 41 210 t, was im Zusammenhang mit Ausfuhrbeschränkungen wegen der ASP stehen dürfte. AgE


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