+++ Aktualisiert um 15.15 Uhr +++

ASP: Neuer Verdachtsfall im Landkreis Ludwigslust-Parchim

Mecklenburg-Vorpommern meldet einen weiteren ASP-Verdachtsfall bei einem Wildschwein außerhalb der bereits eingerichteten Kernzone im Grenzgebiet zu Brandenburg.

Im Landkreis Ludwigslust-Parchim wurde ein weiteres Wildschwein entdeckt, das sich vermutlich mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziert hat. Das verunfallte Tier wurde nahe eines ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Redlin gefunden. Der Fundort befindet sich außerhalb der bereits vor einer Woche eingerichteten Kernzone und unweit der Grenze zum Nachbarland Brandenburg.

Kernzone erstreckt sich über zwei Bundesländer

„Damit haben wir es mit einer neuen Kernzone zutun, die sich erstmals in Deutschland über zwei Bundesländer erstreckt“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus heute in einer kurzfristig anberaumten Online-Pressekonferenz. Die zuständigen Behörden aus beiden Bundesländern seien bereits gestern zu einem Krisentreffen zusammenkommen, nachdem das Tier im Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) positiv auf ASP getestet wurde, und haben alle nun folgenden Maßnahmen besprochen und vorbereitet. Am morgigen Freitag werde mit der Einzäunung des betroffenen Gebietes begonnen, erklärte Backhaus.

„Bisher gehen die Experten davon aus, dass rund 30 Kilometer Elektrozaun aufgestellt werden müssen. Der konkrete Trassenverlauf wird derzeit noch abgestimmt. Der Teil südlich der Autobahn A24 zu Brandenburg ist aber bereits durch einen Knotengeflechtzaun entlang der Autobahn gesichert“, so der Minister.

Zaunbau: Jeder Tag zählt

In den zurückliegenden Tagen habe es eine wirklich gute Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Landwirtschaftsministerium und der Landesforstanstalt gegeben. 40 Kilometer Zaun rund um die Kernzone bei Marnitz würden bereits stehen und seien unter Strom. Genauso schnell und effektiv müsse jetzt auch das Ausbruchsgeschehen bei Redlin angegangen werden.

„Wir wollen dort mit Unterstützung von Kreisfeuerwehr, Bundeswehr, der Kreisstraßen- und der Landesstraßenmeisterei sowie des Technischen Hilfswerks und unseren Partnern auf Landesebene morgen im Laufe des Tages mit dem Zaunbau beginnen. Wir werden alles tun, um weiteren Schaden abzuwenden, jeder Tag zählt“, ergänzte der Landrat des Kreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg.

Bislang nur Ludwigslust-Parchim betroffen

Damit sei auf Seiten von Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor ausschließlich der Landkreis Ludwigslust-Parchim von der ASP im Wildschweinbestand betroffen. Minister Backhaus betonte in diesem Zusammenhang, dass es rund um den Ausbruchsherd bei Marnitz bis auf die bislang sechs bestätigen ASP-Fälle derzeit keine weiteren positiven ASP-Nachweise bei Wildschweinen gebe.

Auch am Standort Lalendorf, wo die ASP in einem Hausschweinbestand festgestellt wurde, habe es bislang keine weiteren Hinweise auf das Virus in der Wildschweinpopulation gegeben. „Das macht Hoffnung, ist aber am Ende des Tages kein Garant dafür, dass wir es auf kurz oder lang nicht mit einem flächendeckenden Geschehen zu tun bekommen können. Hinzu kommt, dass es im aktuell betroffenen Gebiet rund um den ehemaligen Militärflugplatz Marienfließ zwei größere Einstandsgebiete gibt, die auf eine hohe Schwarzwilddichte schließen lassen“, so Backhaus.

Gleiche Virusvariante wie in Polen und Brandenburg

Derzeit gebe es noch keine gesicherten Informationen, wie und auf welchem Weg der ASP-Eintrag in den Landkreis Ludwigslust-Parchim erfolgt sei, sagte Backhaus. Klar sei aber, dass im Hausschweinebestand in Lalendorf (Landkreis Rostock) und am Standort Marnitz die gleiche Virusvariante nachgewiesen wurde, die derzeit in gesamt Osteuropa, im Baltikum, Polen und in Brandenburg grassiert.

Hygieneregeln für die Jagd

Um das ASP-Virus nicht unbeabsichtigt zu verbreiten, haben das Landwirtschaftsministerium in Schwerin und der Landesjagdverband gemeinsam ein Merkblatt zu Hygieneregeln für die Jagd außerhalb der Restriktionsgebiete erarbeitet. Das Merkblatt soll kurzfristig an die Jägerschaft verteilt und auf der Homepage des Ministeriums veröffentlicht werden.

„Es ist wichtig, dass alle Menschen, die in irgendeiner Form mit Wildschweinen in Kontakt kommen, mit den typischen Krankheitssymptomen vertraut sind und sich an gewisse Grundregeln halten. Der wirtschaftliche Schaden ist bereits heute enorm. Nehmen Sie die Gefahr ernst und helfen Sie durch Ihr persönliches Handeln, dem Virus Einhalt zu gebieten“, appeliert Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus an die Jägerschaft.

Auf allen Ebenen zusammenarbeiten

„Die Jägerinnen und Jäger in Mecklenburg-Vorpommern sind sich ihrer wichtigen Rolle bei der Seuchenprävention und Seuchenbekämpfung bewusst. Sie müssen weiterhin, wie auch schon in der Vergangenheit, das Schwarzwild stark bejagen. Dabei sollten sie am Monitoringprogramm beteiligt werden“, mahnte der Präsident des Landesjagdverbandes, Dr. Volker Böhning. Das Virus kenne keine Kreis- und Ländergrenzen. Deshalb müssten alle Ebenen von Politik und Verwaltung auf Kreis- und auf Landesebene künftig konsequent und transparent zusammenarbeiten.

Hier können Sie das Merkblatt für die Hygieneregeln bei der Jagd herunterladen.


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