Ratgeber

Darum ist das sorgfältige Impfen von Schweinen so wichtig!

Schweinehalter investieren drei Viertel der Tiergesundheitskosten in vorsorgliche Impfungen. Und die Ergebnisse sprechen für sich. Impfungen sind jedoch kein Selbstläufer und erfordern große Sorgfalt.

Vorbeugende Impfungen und konsequent umgesetzte Hygienemaßnahmen bieten den besten Schutz vor Infektionserregern. Das wussten die deutschen Nutztierhalter lange vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie.

Inzwischen geben sie daher drei Viertel der Tiergesundheitskosten für vorsorgliche Impfungen aus. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Der Antibiotikaverbrauch ist bei kontinuierlich verbesserten Tierleistungen in den letzten zehn Jahren um 60 % gesunken. Das kommt sowohl dem Tierwohl als auch den Verbrauchern zugute. So lesen sich Erfolgsgeschichten!

Impfungen sind jedoch kein Selbstläufer. Denn in jedem Bestand und in jeder Region können die Erregerlage und der Infektionsdruck ganz unterschiedlich ausfallen. Deshalb müssen Hoftierarzt und Tierhalter gemeinsam für jeden Bestand ein individuelles Impfkonzepterarbeiten. Dieses Impfkonzept muss vom Tierhalter dann aber auch systematisch abgearbeitet, der Erfolg vom Tierarzt überwacht und die Impfstrategie bei Bedarf angepasst werden.

Zudem verlangt das Impfen große Sorgfalt. Denn bereits kleinste Unachtsamkeiten beim Lagern, Aufbereiten und Verimpfen der Vakzine können sich negativ auf den Impferfolg auswirken. Entscheidend ist eine exakte Erregerbestimmung und die Wahl des optimalen Impftermins. Außerdem muss der Impfstoff genau dosiert und fachgerecht verabreicht werden.

Großen Einfluss hat auch die Impfhygiene. Injektionskanülen sollten regelmäßig gewechselt und das Impfbesteck nach jedem Gebrauch gründlich gereinigt und sterilisiert werden. Wird das alles beherzigt, sollte dem Impferfolg nicht mehr viel im Wege stehen.

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Impfungen trainieren das Immunsystem

Impfungen sollen das Immunsystem gegen Angriffe bestimmter Krankheitserreger wappnen. Eine Infektion mit dem Keim können sie zwar nicht verhindern, aber den Ausbruch der Erkrankung.

Unser Autor: Dr. Hendrik Nienhoff, Schweinegesundheitsdienst Niedersachsen

Damit Schweine gesund bleiben, hat ihr Körper ein ausgeklügeltes Abwehrsystem entwickelt. Das geschieht sowohl an der Oberfläche des Körpers als auch im Inneren. Mikroorganismen, die auf der Haut gesunder Schweine leben, erschweren z. B. die Ansiedlung von krankheitserregenden Pilzen und Bakterien. Bronchialschleim und Flimmerhärchen reinigen die Atemluft. Und auch der Speichel sowie die Tränenflüssigkeit gehören zu diesen Barrieren, die den Körper äußerlich vor Infektionen schützen.

Gedächtnis des Immunsystems

Sind trotz dieser Abwehrmechanismen krankmachende Erreger ins Innere des Körpers vorgedrungen, reagiert das Immunsystem. Bestimmte Zellen des Immunsystems, zu denen unter anderem Makrophagen sowie sogenannte T- und B-Zellen gehören, erkennen die Eindringlinge und greifen sie an.

Das Immunsystem hat zudem ein Gedächtnis. Wiederholen sich Infektionen mit demselben Erreger, ist der Körper darauf vorbereitet und kann sie schneller und effektiver bekämpfen. Denn der Organismus der Schweine bildet nach jedem Erstkontakt mit einem Erreger spezielle Abwehrstoffe aus, die Antikörper, die sich dann gegen den Krankheitserreger richten.

Das Prinzip der körpereigenen Abwehr nutzt die Medizin bei Impfungen. Dem Tier wird ein Impfstoff (Vakzin) verabreicht, der abgeschwächte oder abgetötete Krankheitserreger enthält, gegen die das Immunsystem entsprechende Abwehrstoffe bildet. Kommt es später dann zum Kontakt mit dem Krankheitserreger, kann der Körper die eigene Abwehr schneller aktivieren und den Erreger ausschalten. Die Schweine zeigen, wenn überhaupt, nur schwache Krankheitssymptome.

Passive Immunisierung

Man unterscheidet zwei Wege der Immunisierung, die passive und die aktive. Nach der Geburt werden die Ferkel zunächst passiv über die Biestmilch der Sau immunisiert. Dabei nehmen sie die von der Muttersau gebildeten...