Holland: Große Meinungsunterschiede über Ferkelbetäubung

Der Nutzen der Betäubung bei der Kastration männlicher Ferkel ist unter niederländischen Sauenhaltern stark umstritten. Das hat eine Umfrage der Universität Wageningen ergeben, die rund ein Jahr nach der flächendeckenden Einführung der Kohlendioxyd-Betäubung auf den Sauenbetrieben jetzt eine Zwischenbilanz zieht.

Die Erfahrungen der Halter mit der Betäubung seien sehr unterschiedlich und reichten von positiv bis sehr negativ. In einer von der gesamten Wertschöpfungskette getragenen Erklärung ist das Zieldatum 2015 für den kompletten Verzicht auf die Ferkelkastration und für eine Übergangszeit die Nutzung der Betäubung als Maßnahme im Sinne des Tierschutzes geregelt. Die Wissenschaftler sehen nun noch einige Kinderkrankheiten der bei der Narkose angewandten Technik. Nicht alle Ferkel seien vor der Kastration genügend betäubt worden. Die Geräte würden von den Unternehmern an die speziellen Erfordernisse auf ihren Betrieben angepasst. In den Augen der Sauenhalter sei die Kastration mit Vorteilen wie besseren Arbeitsbedingungen, erhöhten Vermarktungschancen und sozial verantwortlicher Produktion verbunden, aber auch mit Nachteilen, so Zusatzkosten, höherem Arbeitsaufwand und geringerer Hygiene. Kritisch setzen sich die Wissenschaftler mit einer Studie aus Deutschland auseinander, wonach die Gasbetäubung zwar den Schmerz, nicht aber den Stress während der Kastration lindere. Laut Überzeugung niederländischer Experten könne man dies auf der Basis von deren Untersuchungen nicht schlussfolgern.

Stärkere Einbindung von Tierärzten empfohlen

Stark unterschiedlich sind laut der Studie aus Wageningen die Einschätzungen der Sauenhalter in punkto Tierschutzerfolg der vor rund einem Jahr eingeführten Betäubungspraxis bei der Kastration. Während eine Fraktion der Landwirte klare Verbesserungen für die Ferkel sehe, konstatiere eine andere Gruppe geringe oder gar keine Tierschutzvorteile. Dies wirke sich auch auf die Motivation der Landwirte und auf deren Einschätzung der Betäubung aus. Die Wissenschaftler appellieren daher an die Unterzeichner der Erklärung von Noordwijk, gegenüber den Landwirten die Vorteile der Betäubung für den Tierschutz klar zu kommunizieren. Die Bauernverbände NVV und LTO sollten den Sauenhaltern Unterstützung anbieten, um Unannehmlichkeiten mit den Gerätschaften zu beseitigen. Damit solle eine unzureichende Betäubung der Tiere der Vergangenheit angehören. Außerdem empfehlen die Forscher eine stärkere Einbindung von Tierärzten bei der Betäubung. Anders als in Deutschland, wo Neuland-Betriebe das Narkosegas Isofluran für die Ferkelbetäubung einsetzen, dürfen die Landwirte in den Niederlanden die Betäubung selbst durchführen. Das spart den Holländern Kosten.

Artikel geschrieben von

top agrar Österreich

Schreiben Sie top agrar Österreich eine Nachricht

Verschärfte Tierhaltungsvorgaben bei Bio

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen