Webinar

Rund 300 Teilnehmer beim NÖ Schweinefachtag

PRRS-Monitoring und Impfstrategien, Leistungsreserven in der Ferkelproduktion und das Zusammenleben am Familienbetrieb waren die Themen beim NÖ Schweinefachtag. Dieser fand am 11. Jänner via Webinar statt.

Heuer wurde der NÖ Schweinefachtag coronabedingt via Webinar ausgetragen, anstelle in Hollabrunn und Wieselburg über die Bühne zu gehen. Rund 300 Schweinebauern aus Niederösterreich, aber auch aus anderen Bundesländern folgten der Einladung der Organisatoren EGZ Gut Streitdorf, LK Niederösterreich und top agrar Österreich. Unterstützt wurde die Veranstaltung vom LFI.

Ferkelpreise steigen wieder

Josef Brandstätter, Obmann Stellvertreter der EGZ Gut Streitdorf und selbst Ferkelerzeuger fasste die aktuell schwierige Marktlage zusammen. Angefangen vom ersten Lockdown im März des Vorjahres über die Tönnies-Sperre im Sommer, den ASP-Ausbruch in Deutschland und den Winterlockdown sank die Ferkelnotierung um 1,75 €. Jedoch sollte der Abwärtstrend gestoppt sein. Die Ferkelpreise konnten am 11. Jänner 2021 wieder um 10 Cent zulegen. Für Brandstätter zeigte sich im schwierigen Vermarktungsjahr 2020 auch, dass die Gesundheit der Tiere immer mehr an Bedeutung gewinnt. Daher sind auch die PRRS-Untersuchungen eine wichtige Maßnahme, diese weiter zu verbessern.

Mit guter Impfstrategie gegen PRRS

Dem stets aktuellen Thema PRRS widmete sich Tierarzt Dr. Ferdinand Entenfellner in seinem Vortrag. Er erklärte, dass Schweinebauern vor allem auf Biosicherheit achten müssen, um das PRRS-Virus vom Betrieb fern zu halten. Dazu gehört besonders die Quarantäne zugekaufter Jungsauen sowie konsequente Reinigung und Desinfektion im Stall. Er betonte auch, wie wichtig eine Hygieneschleuse ist.

Für PRRS-positive Betriebe sieht Entenfellner die Impfung als ein wichtiges Instrument, das Virusgeschehen unter Kontrolle zu bringen. Für Mäster mit Mischpartien wäre dies besonders sinnvoll. "Es ist besser PRRS-geimpfte Ferkel zu kaufen als Ferkel mit fragwürdigem Status", fasst er zusammen. Von einer generellen Impfpflicht hält er nicht viel, da so auch PRRS-negative Betriebe durch den Lebendimpfstoff positiv würden.

Allerdings muss die Impfung gut abgestimmt sein, die Hygiene stimmen und regelmäßig erfolgen. Gleichzeitig ist das Monitoring das Um- und Auf. Blutproben, Kaustrick oder auch orale Flüssigkeiten eignen sich u.a. für die PRRS-Virus-Bestimmung. Die PRRS-Untersuchungen der EGZ sollen die Betriebe hier unterstützen, ihren Status zu kennen und wenn nötig zu verbessern.

Bei den Umrauschern ist noch viel Potenzial

Als zweiter Referent erklärte Olaf Grünwald, Spartenleiter Ferkel der EGZ Gut Streitdorf, wo die Leistungsreserven in der Ferkelproduktion schlummern. Zunächst hielt er fest, dass sich Sauenhalter Betriebsziele setzen sollten. Zum Beispiel eine gewünschte Zahl abgesetzter Ferkel. Dieses Ziel sollen sie dann regelmäßig mittels Soll-Ist-Vergleiches kontrollieren.

Doch wie können Landwirte die Leistungen der Sauen verbessern? Einerseits geht das über die Remontierung der Sauen, sobald diese Leistungseinbußen zeigen. Laut den Daten des Sauenplaners sind sechs Würfe optimal pro Sau, denn danach zeigen sich meist deutliche Leistungseinbußen in allen Bereichen. Auch bei der Fütterung können die Betriebe ansetzen. Hier ist wichtig, Jungsauen und ältere Sauen bedarfs- und leistungsgerecht zu versorgen. Eine Über- und Unterkonditionierung sollten vermieden werden. Gleichzeitig ist es wichtig, auf die Futterqualität zu achten.

Ein entscheidender Punkt in der Ferkelproduktion ist die Fruchtbarkeit. Grünwald erklärte, dass es unterschiedliche Maßnahmen gibt, diese zu beeinflussen. Einerseits kann ein Buchtenpartnerwechsel, ein dosierter Eberkontakt oder ein gezieltes Lichtregime helfen. Aber auch biotechnische Maßnahmen zur Synchronisation von Jung- und Altsauen bis hin zur Geburtensynchronisation können hohe Fruchtbarkeitsleistungen sichern. Bei der Besamung gibt es zudem eine Vielzahl an Einflussfaktoren auf das Befruchtungsergebnis (Krankheit der Sau, falscher Besamungszeitpunkt, Spermaqualität, usw.). Wichtig ist daher auch immer, die Trächtigkeit zu überprüfen und Umrauscher schnell zu erkennen. Bei den Umrauschern sieht Grünwald den Hauptansatzpunkt, um Verbesserungen zu erreichen.

Betrieb und Familie sind eine Einheit

Dass der Betrieb auch mit im Bett liegt, bestätigte die Umfrage vor dem Vortrag von Josef Stangl, Mentor und Lebensberater der LK Niederösterreich. 96% der Teilnehmer gaben an, schon einmal im Bett an den Betrieb gedacht zu haben.

Betrieb und Familie sind zwei Bereiche auf einem Bauernhof, die oft ineinandergreifen. Eine Trennung ist schwer möglich. Vor allem weil die Rollen in der Familie und Betrieb gleichzeitig da sind. Jedes Familienmitglied hat eine bestimmte Rolle, die sich aber auch verändern kann. Viele Rollen gleichzeitig zu haben, können die Personen überfordern.

Um dann Konflikte zu vermeiden, ist die Kommunikation essentiell. Stangl gibt den Tipp, Familien- und Betriebsgespräche zu trennen. Es soll genug Zeit für wichtige Gespräche und die Beziehung sein. Einer der Stärken eines Familienbetriebs ist die hohe Lebensqualität durch die Einheit von Familie und Betrieb.

Jedoch ergeben sich dadurch auch Konflikte. Zum Beispiel Distanzkonflikte, die durch getrennte Wohneinheiten entschärft werden können. Auch bei der Übergabe stellen sich viele Probleme ein, wenn sich Rollen ändern. "Verantwortung ist nicht teilbar, Aufgaben schon", fasst Stangl zusammen. Schwiegermutterkonflikte, Loyalitätskonflikte und Co. sind weitere Herausforderungen. Wertschätzung ist hier aber der Schlüssel. Auch die Verbesserung der Kommunikation (Ich-Botschaften verwenden, weg vom Vorwurf - hin zum Wunsch) kann die Beziehungen verbessern.

Unterstützt wurde der NÖ Schweinefachtag durch:

Sponsoren

Die Sponsoren des NÖ Schweinefachtages 2021. (Bildquelle: top agrar)