Tönnies geht vor die Presse

Tönnies: "Mache mich nicht aus dem Staub, werde die Branche verändern!"

Clemens Tönnies stellt klar: "Ich werde dieses Unternehmen aus der Krise führen. So werden wir nicht weitermachen." Der Kreis Gütersloh hat unterdessen jegliches Vertrauen in den Unternehmer verloren

Clemens Tönnies

Clemens Tönnies (Bildquelle: WDR)

Clemens Tönnies hat sich am Samstagnachmittag überraschend der Presse gestellt. Er sei die letzten Tage im Krankenhaus gewesen, weshalb er nicht persönlich auftreten konnte.

„Hier geht es nicht mehr um Tönnies, hier geht´s um den Menschen, und den Kreis. Wir stellen alles hinten an. Es geht jetzt darum, den Virus aus dem Betrieb zu bekommen. Und es geht darum, dass wir den Betrieb geordnet, ganz langsam wieder hochfahren müssen“, sagte Tönnies. Das Rote Kreuz, die Bundeswehr, das Technische Hilfswerk und Wissenschaftler seien im Betrieb, um die Abläufe zu regeln und die Situation in den Griff zu bekommen. Man arbeite auch intensiv mit dem Krisenstab zusammen.

Und weiter sagte Tönnies: „Ich, die Familie stehen in Verantwortung, und dafür stehe ich in erster Front; das ist zugesagt und versprochen.“ Auf die Frage, ob er zurücktreten werde, sagte er wörtlich: „Ich werde dieses Unternehmen aus der Krise führen, und dann sehen wir weiter. Ich mach mich nicht aus dem Staub und lasse das Unternehmen und die Mitarbeiter im Stich. Ich werde alles dafür tun, und bisher, seit Mittwoch ist nichts mehr so, wie es war. Ganz klar, und ich kann auch eins sagen: So werden wir nicht weitermachen, und das sage ich auch nicht nur als Tönnies, sondern als Unternehmer. Wir werden die Branche verändern, das steht fest. Das ist eine Erkenntnis, die ich schon länger habe. Ich möchte mit den Ministern ins Gespräch kommen, das Lebensmittel Fleisch ordentlich und sicher zu gewinnen und dem Verbraucher sicher zu liefern. Und auf der anderen Seite das Image der Branche zu heben.“

Unterstützung für Mitarbeiter

Alle im Unternehmen stünden unter unglaublichem Stress, so der Unternehmer weiter. Es habe ihn allerdings besonders hart getroffen, dass Seiten des Krisenstabs das Vertrauen in die Firma Tönnies fehle.

Man würde nun drei bis vier Mal die Woche die Mitarbeiter in Quarantäne mit frischen Lebensmitteln versorgen und täte alles, um Mitarbeiter und Bevölkerung zu schützen, so der sichtlich angespannte Firmeninhaber. Man habe seit den ersten Ausbrüchen im Mai viele Vorkehrungen getroffen- und trotzdem habe einen das Virus überrollt.

Was ist mit den Mitarbeiterdaten?

Ein Konflikt zwischen dem Kreis und Tönnies war zuvor entstanden, weil der Kreis Gütersloh am Freitag eine Adressliste von der Firma bekommen hatte, wo bei 30 % der Mitarbeiter die Adressen fehlten, kritisierte Krisenstabsleiter Thomas Kuhlbusch zuvor in einer eigenen Pressekonferenz.

Die Nennung der fehlenden Daten habe Tönnies "nach guten Zureden" nicht machen wollen, kritisierte er. Daraufhin habe man eine Ordnungsverfügung erlassen. Am Freitagabend waren Beamte dann in die Konzern-Zentrale gegangen. Nun lägen 1.300 Adressen von Wohnungen allein für den Kreis Gütersloh vor. Kuhlbusch sagte laut WDR deutlich: "Das Vertrauen, das wir in die Firma Tönnies setzen, ist auf Null".

Der Firmenchef gestand ein, dass er ein Problem bei einigen Adressen und Daten über Mitarbeiter habe, die der Kreis verlange. In dem Werkvertragssystem dürfe Tönnies nur Vor- und Nachname, Geschlecht und Geburtsdatum der von Subunternehmern gestellten Arbeiter speichern. Danach organisiere die Firma alle Abläufe im Betrieb.

Um dem Wunsch des Kreises nachzukommen, habe man intensiv daran gearbeitet, die Wohnadressen herauszufinden. Tönnies betont aber, dass er sie laut Werksvertragsrecht und Datenschutz gar nicht haben dürfte. Er widerspricht ausdrücklich dem Eindruck, dass Daten fahrlässig zurückgehalten werden, um damit die Arbeit der Behörden zu behindern.

In einer am Abend versendeten Pressemitteilung führt das Unternehmen weiter aus: „Wir waren als Unternehmen in einer Extremlage. Denn wir mussten in mehreren tausend Fällen gegen geltendes Recht verstoßen und den Datenschutz brechen, um die notwendigen Personaldaten in der geforderten Zeit von unseren Dienstleistern einzufordern und zur Verfügung zu stellen. Letztlich haben wir, in Abwägung aller Konsequenzen, die geforderten Daten der Mitarbeiter unserer Dienstleister zur Verfügung gestellt.“

Pressekonferenz des Kreises

Am Nachmittag hatte der Kreis Gütersloh bereits eine Pressekonferenz abgehalten und scharfe Kritik geübt. Nach Informationen des Gütersloher Landrats Sven-Georg Adenauer lägen die Befunde von 3.127 Mitarbeitern der Fleischfirma Tönnies auf Corona vor. 1.029 seien positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden. Am Freitag waren es noch 830 positive Befunde.

Mit 65 Soldaten im Kreis Gütersloh unterstützt die Bundeswehr die Behörden dabei, den Ausbruch einzudämmen. Sie hilft bei den Abstrichen, der Dokumentation und der Nachverfolgung der Kontaktpersonen, berichtet der WDR.

5.800 Abstriche von Mitarbeitern der Firma Tönnies seien bislang gemacht worden, erklärt Thomas Kuhlbusch, der Leiter des Krisenstabs. Der Hotspot läge demnach in der Fleischzerlegung, wo zwei Drittel der Mitarbeiter infiziert seien. Insgesamt arbeiten rund 7.000 Menschen bei Tönnies im Werk Rheda-Wiedenbrück. Die Polizei unterstütze die Ordnungsämter bei der Einhaltung der Quarantäne.

"Egal wie lange es dauert - die Firma Tönnies darf erst dann wieder aufmachen, wenn sie allen Anforderungen zum Schutz vor dem Coronavirus Rechnung trägt", betont Landrat Adenauer.

Am Samstag fand eine detaillierte technische Kontrolle zur Ursachenermittlung durch den Arbeitsschutz der Bezirksregierung Detmold, das Gesundheitsamt im Kreis Gütersloh und die Uniklinik Bonn in kooperativer Atmosphäre mit unseren Fachleuten statt.

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